Stand: 14.01.2020 10:53 Uhr

Schlossgastronomie: Neuer Aufsichtsrat steht fest

von Stefan Ludmann, NDR 1 Radio MV

Schwerin: Schloss und Schlossbrücke. © picture-alliance / Helga Lade Foto: B. Blume
Neue Schlossgastronomie: Als "Dauerbrenner" gibt es täglich drei Gerichte mit Pommes frites.

Der SPD-Finanzexperte Tilo Gundlack wird nach Informationen von NDR 1 Radio MV erster Aufsichtsrats-Vorsitzender der neuen landtagseigenen Schlossgastronomie. Gundlack ist einer von vier Landtagsabgeordneten in dem Kontrollgremium. Der 51-Jährige ist gelernter Koch und hatte den vormaligen Restaurant-Pächter, der auch die Kantine und das Café im Schweriner Schloss betrieben hatte, massiv kritisiert. Das Angebot sei eher "6. Liga", sagte Gundlack in einer nicht-öffentlichen Finanzausschuss-Sitzung.

Mit Blick auf seine neue Tätigkeit im Aufsichtsrat erklärte Gundlack: "Wer kritisiert, der muss auch Verantwortung übernehmen." Seit Anfang des Jahres führt der Landtags das Essensgeschäft im Schloss mit einer eigenen GmbH in Eigenregie. 

Erste Aufsichtsrats-Sitzung noch im Januar

Auch die drei anderen Fraktionen schicken jeweils einen Vertreter in den Aufsichtsrat: Egbert Liskow (CDU), Eva-Maria Kröger (Linke) und Thomas de Jesus Fernandes (AfD). Landtagspräsidentin Birgit Hesse (SPD) will das Kontrollgremium noch im Januar zu seiner erster Sitzung einberufen. Hesse selbst wird keinen Sitz übernehmen, aus der Landtagsverwaltung sind der Justitiar Stephan Nolte und Landtagsdirektor Armin Tebben (SPD) vertreten. Tebben gilt als treibende Kraft hinter dem neuen Landesbetrieb.

Der 59-Jährige hatte schon im Herbst vergangenen Jahres offenbar im Alleingang den Schweriner Gastronomen Arne Lawrenz als Berater engagiert. Lawrenz entwickelte einen Plan für ein neues Speisen- und Getränkeangebot im Schloss. Immerhin sei das Schloss auf dem Weg in Richtung Welterbe der UNESCO, so Tebben. "Zu einem geschätzten wie lebendigen Welterbe gehört eine Gastronomie, die die Gäste aus Nah und Fern anspricht", erklärte der Landtagsdirektor.

"Gastronomie ein wichtiger Baustein"

Ähnlich äußerte sich Hesse, mit dem Schloss wolle man auswärtige Gäste ins Land locken - eine bei allen "geschätzte Gastronomie ist hierfür ein wichtiger Baustein". Den bisherigen Betreiber sah die Landtagsspitze damit offenbar als überfordert an.

Die neue landeseigene "Schloss Restaurant GmbH" betreibt die Kantine für Mitarbeiter und Abgeordnete, das Schlosscafé und zur Saisoneröffnung im Frühjahr auch die Orangerie. Finanzministerium und Landesrechnungshof hatten im Vorfeld allerdings Bedenken geäußert. Besser sei es, wenn der Restaurant- und Kantinen-Betrieb in privaten Händen bleiben würden.

Der Bund des Steuerzahler meinte, ein landeseigenes Restaurant sie kein Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge, die die Gründung eines öffentlichen Unternehmens vielleicht rechtfertigen würde. Geschäftsführerin Diana Behr kritisierte die hohen Kosten: Laut Wirtschaftsplan sind in diesem Jahr Zuschüsse von 400.000 Euro aus der Landeskasse geplant.

AfD warnte vor "VEB Schlossgastronomie"

Landtagsdirektor Tebben wischte die Bedenken beiseite und erklärte, schon 2021 werden sich das Restaurant selbst tragen. Der Landtag stellte sich hinter die Pläne, SPD, CDU und Linke stimmten während der abschließenden Haushaltsdebatte im vergangenen Dezember für die Pläne und bewilligten das Geld. Die AfD votierte dagegen, warnte vor Misswirtschaft und einem "VEB Schlossgastronomie".

An der Spitze des neuen Landesbetriebs steht formal Landtagspräsidentin Hesse - sie vertritt den Landtag in der Gesellschafterversammlung. Strategische Entscheidungen werde Hesse mit dem Ältestenrat abstimmen, heißt es von der Landtagsverwaltung. Offenbar gehörte dazu auch das Geschäftsführergehalt: GmbH-Chef Arne Lawrenz erhält monatlich 3.500 plus Bonus-Zahlungen.

Mehr Mitbestimmung für Mitarbeiter

Offen ist noch, ob in dem Landesunternehmen ein Betriebsrat gegründet wird. Das sei Sache der Beschäftigten, heißt es vom Gesellschafter - die Gründung einer Mitarbeitervertretung werde man aber begrüßen. Im Aufsichtsrat ist ein Arbeitnehmervertreter laut Landtagsverwaltung jedoch nicht vorgesehen - das ist in anderen Landesgesellschaften wie der Landesforstanstalt anders. Dabei ist es auch erklärtes Ziel der Landesregierung, Mitarbeitern mehr Rechte und mehr Mitbestimmung einzuräumen.

Dennoch: Bei den Abgeordneten kommt der neue Betreiber, der nach eigenen Aussagen einen Großteil der alten Belegschaft übernommen hat, gut an. Und das liegt am Speisezettel für die Kantine: Als "Dauerbrenner" führt das Wochenmenü täglich drei Gerichte: Currywurst mit Pommes frites, Bulette mit Pommes frites und Schnitzel mit Pommes frites, jeweils für 4,90 Euro. Das schmeckt auch dem mutmaßlich neuen Aufsichtsratschef Gundlack: "Mein Favorit ist die Bulette", erklärte der SPD-Abgeordnete. Er will die Kantine am Dienstag erstmals testen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Der Tag | 13.01.2020 | 16:15 Uhr

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