Der Waffenverkäufer Frank T. bei einer Schießübung.

Schießplatz Güstrow: Ermittlungen gegen Polizisten aus Bayern

Stand: 28.04.2021 14:50 Uhr

Ein Schießplatz bei Güstrow wird für die Polizei bundesweit immer mehr zum Problem: Weil dort SEK-Beamte Dienstmunition in die eigene Tasche gesteckt haben sollen, wird gegen immer mehr Polizisten ermittelt: jüngst in Sachsen, jetzt auch in Bayern.

von Stefan Ludmann, NDR 1 Radio MV

Die Ermittlungen im Umfeld des privaten Schießplatzes "Großer Bockhorst" bei Güstrow (Landkreis Rostock) ziehen immer weitere Kreise. Jetzt stehen zwei Polizisten einer Spezialeinheit aus Bayern unter Verdacht, Dienstmunition bei einem Schießtraining dort beiseite geschafft zu haben. Das bayerische Landeskriminalamt und die Generalstaatsanwaltschaft im Freistaat haben zwei Dienststellen in Augsburg und Nürnberg durchsuchen lassen, dort sind Polizei-Spezialeinheiten untergebracht. Außerdem hat es eine Razzia in einer Wohnung gegeben.

Kein Hinweis für rechtsextremistisches Motiv

Verdächtig sind zwei Polizisten der Spezialeinheiten. Sie sollen bei Schießübungen auf dem weitläufigen Schießplatz in Güstrow Dienstmunition unterschlagen haben. Um welche Größenordnung es sich handelt, teilten die Behörden nicht mit. Die Ermittlungen gegen die eigenen Kollegen führt die "Bayerische Zentralstelle für die Bekämpfung von Extremismus und Terrorismus (ZET)". Geprüft werde auch, ob weitere bayerische Beamte in vergleichbarer Weise Munition unterschlagen haben. Derzeit lägen keine Anhaltspunkte für einen rechtsextremistischen Hintergrund der Beschuldigten vor, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung von Landeskriminalamt und Generalstaatsanwaltschaft in Bayern.

Ermittlungen gegen Schießtrainer Frank T.

Auf dem Gelände trainierten jahrelange Polizei-Spezialeinheiten aus Deutschland und Europa. Gegen den Cheforganisator und privaten Schießtrainer Frank T. ermittelt die Rostocker Staatsanwaltschaft. Er wird in Verbindungen mit dem rechtsextremen Netzwerk Nordkreuz gebracht. Polizisten, die Nordkreuz-Mitglieder waren, trainierten bei ihm.

Weitere polizeiinterne Untersuchungen

Die Ermittlungen in Bayern gehören zu einer ganzen Kette von polizeiinternen Untersuchungen. Auslöser war das Verfahren gegen das Nordkreuz-Mitglied Marko G., einem Ex-SEK-Beamten aus der Nähe von Schwerin. Der wurde im Dezember 2019 unter anderem wegen unerlaubten Waffenbesitzes zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Über ihn kam die Staatsanwaltschaft auf Frank T. Der bestreitet jede Nähe zu Rechtsextremisten. Frank T. soll jedoch von den Deals mit Dienst-Munition profitiert haben. Die Ermittlungen gegen ihn und Marko. G. lösten bundesweit Aktivitäten der Staatsanwaltschaften aus: Ende März war bekannt geworden, dass Angehörige eines Spezialeinsatzkommandos aus Sachsen 2018 unerlaubt in Güstrow trainierten und dafür mit unterschlagener Dienstmunition bezahlt haben sollen. Der Kommandeur und drei Schießausbilder gelten als Hauptbeschuldigte. Sie wurden vom Dienst suspendiert.

Keine Schießübungen mehr in Güstrow

Die Schießtrainings der Polizei in Güstrow wurden im Mai 2019 beendet. Eine vom damaligen Innenminister Lorenz Caffier (CDU) eingesetzte Expertenkommission kam bei der Untersuchung des Nordkreuz-Komplexes zu dem Ergebnis, dass Polizeiübungen auf einem privaten Schießplatz problematisch seien. Unbeteiligte Dritte würden dabei unnötig viel Einblick in die Arbeitsweise der Spezialeinsatz-Kräfte bekommen. Die Kommission empfahl, in polizeieigenen Einrichtungen zu trainieren.

Weitere Informationen
Ein Schild der Rostocker Staatsanwaltschaft

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Die Ermittlungen gegen den Schießplatzbetreiber und Waffenhändler Frank T. aus der Nähe von Güstrow haben jetzt auch in Sachsen zu Konsequenzen geführt. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 28.04.2021 | 15:00 Uhr

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