Stand: 13.08.2019 08:47 Uhr

Sanitzer Landwirt ruft Bienenaktie ins Leben

Eine Bienenaktie von Landwirt Christian Zehe kostet im Jahr 125 Euro und gilt für eine Weidefläche von 800 Quadratmetern. Bisher unterstützen 40 Aktionäre das Naturschutzprojekt.

Christian Zehe lässt das Thema Insektensterben nicht mehr los und er will nicht tatenlos zusehen, wie Bienen und Schmetterlinge zusehens verschwinden. Der Landwirt aus Sanitz hat sich deshalb ein insektenfreundliches Geschäftsmodell ausgedacht: die Bienenaktie. Seit diesem Jahr bietet Christian Zehe sie an. Die Aktionäre investieren ihr Geld nicht um es zu vermehren, sie investieren in Artenvielfalt.

"Unseren Kindern etwas hinterlassen"

Direkt neben einer Eigenheimsiedlung in Sanitz blühen Sonnenblumen. Am Feldrand stehen die Bienenvölker von Landwirt Christian Zehe. Er sagt, "wenn man selber Kinder hat, will man denen ja auch etwas hinterlassen und wenn ich mich an meine Kindheit erinnere, gab es Schmetterlinge und was weiß ich nicht alles." Jetzt hätte er jahrelang keine Schmetterlinge mehr gesehen, sagt der zweifache Vater. Als konventioneller Landwirt bewirtschaftet er eine Fläche von 130 Hektar. Hier baut er Raps, Kartoffeln, Weizen und Hafer an. Die Bienenweiden sät Christian Zehe auf eigenen oder gepachteten Ackerflächen aus.

Landwirtschaftlich unattraktive Flächen nutzen

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Für seine 40 Unterstützer der Bienenaktie veranstaltet Christian Zehe ein Fest mitten im Sonnenblumenfeld.

In Mecklenburg gibt es laut Zehe Flächen, auf denen das Spritzen und Düngen nicht erlaubt ist, weil sie beispielsweise zu nah an Gewässern liegen. Anderenorts sei die Bodenqualität so schlecht, dass sich Ackerbau nicht lohne, so Zehe weiter. Diese Flächen nutzt der Landwirt für Bienenweiden. Die Wiesen von Christian Zehe umfassen mittlerweile eine Fläche von rund 100.000 Quadratmetern. Für seine Bienenaktie konnte er bisher 40 Paten gewinnen. "Da fällt mir natürlich die Oma ein, die für ihre Enkel so eine Aktie gekauft hat und die dann was über Bienen lernen." Aber auch Imker und Betriebe, die aufs Land gezogen sind, gehören zu den Teilhabern an dem Insektenschutzprojekt.

Pro Aktie 800 Quadratmeter Bienenweide sichern

Eine Bienenaktie kostet im Jahr 125 Euro und gilt für eine Weidefläche von 800 Quadratmetern. Dafür pflügt Christian Zehe den Boden, sät die richtigen Pflanzen aus und pflegt die einzelnen Parzellen. Dadurch fühlen sich nicht ausschließlich Bienen wohl, auch Hummeln und Schmetterlinge beziehen die neuen Lebensräume. Neben häufig vorkommenden Arten, wie dem Pfauenauge oder dem Zitronenfalter, sieht man auch vermehrt seltene Arten - beispielsweise den Aurorafalter mit seinen auffälligen orangen Flügelspitzen.

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Fest für alle Bienen-Aktionäre

Auch für das kommende Jahr will Christian Zehe die Bienenaktie anbieten. Er überlegt, alte Blühflächen im Herbst abzumähen, zu trocknen und in Rundballen zu pressen. So würden die Larven, die jetzt in den Stengeln schlummern, geschont und die Samen der Pflanzen erhalten. Die Ballen könnten daher einfach auf neuen, frischen Bienenwiesen verbracht und verteilt werden. Auf diese Weise ließe sich die neu entstandene Pflanzen- und Insektenvielfalt schnell verbreiten. Für seine 40 Aktionäre gibt es am Wochenende in Sanitz ein Fest mitten im Sonnenblumenfeld. Als zusätzliches Dankeschön kann jeder dann ein Glas selbst gemachten Honig mit nach Hause nehmen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 13.08.2019 | 12:00 Uhr

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