Abgestorbene Sanddorn-Büsche bei der Sanddornernte bei der Storchennest GmbH in Ludwigslust © NDR Foto: Franziska Drewes

Sanddornsterben in MV: Neues Forschungsprojekt macht Hoffnung

Stand: 09.03.2021 14:07 Uhr

Das Sanddornsterben in Mecklenburg-Vorpommern geht weiter. Produzenten der Kultbeere pflanzen schon nicht mehr nach. Doch ein kürzlich gestartetes Forschungsprojekt macht Hoffnung.

Der Sanddorn, der auch die "Zitrone des Nordens" genannt wird, gilt als Mecklenburg-Vorpommerns wichtigste Kulturpflanze. Doch sowohl dem wilden Sanddorn an den Stränden als auch den Pflanzen auf den Plantagen geht es schlecht. Seit etwa drei Jahren sterben viele Sträucher plötzlich ab und niemand weiß warum.

Hohe Ernteausfälle in Mecklenburg-Vorpommern

Die Sanddorn-Bauern pflanzen keine jungen Sträucher mehr nach. Es ist einfach zu riskant geworden, in den Anbau zu investieren. Benedikt Schneebecke etwa, Landwirt aus Alt Steinhorst bei Marlow, hat bislang immer in den ersten Märztagen neu gepflanzt- in diesem Jahr nicht. Bereits 20 seiner insgesamt 70 Hektar Sanddorn sind tot. Ernteausfall allein im vergangenen Jahr: 250.000 Euro. Die verbliebenen Sträucher müssten nun bald austreiben; erst dann wird klar, ob sie noch leben. Benedikt Schneebecke hat beobachtet, dass Sträucher immer dann absterben, wenn sie Früchte tragen. Das kann auch Silvia Hinrichs von der Sanddornstorchennest GmbH in Ludwigslust bestätigen. Auch hier sind die Schäden enorm: Von einst knapp 120 Hektar sind nur noch etwa 55 übrig.

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Benedict Schneebecke, Sanddorn-Landwirt aus Alt Steinhorst bei Marlow © ndr.de Foto: ndr.de
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Sanddornbauern suchen nach Alternativen

Ans Aufgeben denkt Sanddornbauer Schneebecke noch nicht. Er plant, auf schwachen Standorten aufzuforsten und so vermehrt Holz zu vermarkten. Außerdem will der Landwirt auf seinen Plantagen weitere Weihnachtsbäume anbauen. Im Herbst hatte er es erstmals mit Kürbissen versucht, aber schnell gemerkt, dass sich das finanziell nicht lohnt. Silvia Hinrichs in Ludwigslust möchte den Sanddorn zwar nicht aufgeben, sucht aber dennoch nach Alternativen. Bisher hat Hinrichs mit ihrem Biobetrieb erste Wallnussbäume gepflanzt und denkt denkt auch über den Anbau von Wildfrüchten nach.

Verbundprojekt erforscht Ursache für Sanddornsterben

Die Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei, das Landesamt für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei und das Julius-Kühn-Institut für Pflanzenschutz wollen in einem gemeinsamen Forschungsprojekt herausfinden, was dem Sanddorn so zu schaffen macht. Seit Anfang des Jahres wird geforscht.

Mit dabei ist auch der Biobetrieb in Ludwigslust. Als Partner hat er extra für das Projekt neue Sträucher gepflanzt. Silvia Hinrichs jedoch betont: Wenn erst in drei oder fünf Jahren Ergebnisse vorliegen würden, sei das zu spät. So geht es auch Benedikt Schneebecke. Zum Warten ist einfach keine Zeit mehr, allein schon wegen der Arbeitsplätze, die gefährdet sind, sagt er.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Landfunk | 09.03.2021 | 12:00 Uhr

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