Stand: 14.03.2017 17:18 Uhr

Samenplantage soll Eschensterben aufhalten

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Vom Eschensterben ist in ganz Deutschland kein Bestand mehr verschont geblieben. (Archivbild)

Der Zustand der Wälder in Mecklenburg-Vorpommern ist relativ gut. Das geht aus dem Waldzustandsbericht hervor, den Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) am Dienstag in Schwerin vorgestellt hat. Nach wie vor weist etwa jeder sechste Baum im Land deutliche Schäden auf und reagiert auf Umwelteinflüsse mit dem Verlust von mehr als einem Viertel seiner Blätter oder Nadeln. Der Anteil deutlich geschädigter Bäume lag im Jahr 2016 mit 15 Prozent nur knapp über dem Vorjahreswert von 14 Prozent.

"Die gesündesten Wälder in Deutschland"

Dies sei ein guter Wert, sagte Backhaus. "Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg haben die gesündesten Wälder in Deutschland." In Süddeutschland sei etwa jeder dritte Baum so stark geschädigt. Die mit Abstand häufigste Baumart im Land, die Kiefer, erweist sich als besonders robust. Auf den sandigen Böden trotze sie am besten den klimatischen Veränderungen. Es sei geplant, die Bestände in diesem Jahr durch Neupflanzungen um 500 Hektar zu vergrößern. Auch die Buche als wichtigste Laubbaumart zeige sich vital, so der Minister. Allerdings habe die verstärkte Samenbildung - die sogenannte Bucheckern-Mast - die Bäume in den zurückliegenden Jahren viel Energie gekostet.

Eichenbestände leiden unter Fraßschäden und Pilzbefall

Dagegen ist der Zustand die Eiche unbefriedigend. Mit einem Anteil von 21 Prozent stark geschädigter Bäume ist sie die am stärksten gefährdete Hauptbaumart. Ursache seien Fraßschäden und Pilzbefall. Allerdings mache sich der Einsatz chemischer Mittel gegen die Raupen von Eichenprozessionsspinner oder Forstspanner inzwischen bemerkbar. "Der Befall ist noch da, aber die räumliche Ausdehnung ist durchbrochen." Backhaus geht davon aus, dass in diesem Jahr der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln bei der Eiche nicht nötig ist.

Samenplantage soll Eschensterben aufhalten

Die größten Sorgen bereite die Esche, sagte Backhaus. Sie leidet unter dem Eschentriebsterben, verursacht durch einen aus Asien eingeschleppten Schlauchpilz. Über die Hälfte des Bestandes ist bereits abgestorben. Hoffnung soll ein im Nordosten angesiedeltes Bundesforschungsprojekt bringen. Es gebe aber Anzeichen dafür, dass etwa ein Prozent der Eschen Resistenzen entwickelt und den Schadpilz überlebt. Mit Saatgut von wenigen nachgewiesenermaßen widerstandsfähigen Eschen aus ganz Norddeutschland soll eine Samenplantage aufgebaut werden. Verwertbares Saatgut sei aber frühestens in 20 Jahren zu erwarten.

Klimawandel als größte Gefahr für die Wälder

Der Nordosten zählt mit einem Anteil von rund 25 Prozent zu den waldärmsten Regionen Deutschlands. Dennoch verzeichnet die Forstwirtschaft im Land nach Ministeriumsangaben Umsätze in Höhe von 2,3 Milliarden Euro jährlich. Rund 5,6 Millionen Hektar sind bewaldet, je zur Hälfte mit Nadel- und Laubbäumen. Kiefern machen knapp 38, Fichten rund 8 Prozent der Waldfläche aus. Am weitesten verbreiteter Laubbaum ist die Buche mit etwa 13 Prozent vor der Eiche mit 10 Prozent. Backhaus sieht langfristig im Klimawandel die größte Gefahr für die Wälder.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 15.03.2017 | 15:00 Uhr

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