Stand: 03.03.2020 10:34 Uhr

Saatgut: Widerstandsfähiger durch Plasma

von Marie Blöcher

Plasma-Verfahren zum Schutz von Saatgut © NDR Foto: NDR
Saatgut im Plasma-Gewitter: Bei dem neuartigen Verfahren wird das Saatgut mit ionisiertem Gas behandelt.

Plasma könnte künftig beim Schutz von Saatgut helfen und eine Alternative zu chemischen Pflanzenschutzmitteln darstellen. Forscher am Greifswalder Leibniz-Institut für Plasma-Forschung und -Technologie entwickeln derzeit ein Verfahren, durch das Saatgut mit Hilfe von Plasma-Bestrahlung resistenter gemacht werden soll - und zwar gegen Hitze, Trockenheit, Keime und Krankheiten.

VIDEO: Landwirtschaft: Pflanzenschutz durch Plasma (3 Min)

Weniger Chemie - mehr Physik

Die Forscher wollen sozusagen mehr Physik in die Saatgut-Produktion bringen - und den Chemie-Einsatz dadurch reduzieren. Denn bisher wird Saatgut chemisch behandelt, um es vor Krankheiten, wie Pilzbefall zu schützen. "Wir sind in der Lage, den Keimling so zu behandeln, dass er bis zur Aussaat keimfrei eingelagert werden kann", sagt Klaus-Dieter Weltmann vom Greifswalder Leibniz-Institut.

Lilafarbene Blitze zucken in Apparatur

Bei einem Verfahren wird Saatgut direkt mit Plasma - also mit ionisiertem Gas - behandelt. Dabei entsteht in den Apparaturen ein lilafarbenes Blitzgewitter. Durch die Behandlung verändert sich die Oberfläche des Saatguts. Das hat zwei Effekte: Zum Einen werden die Samen "stressresistenter". Sie können Hitze und Trockenheit besser vertragen, Feuchtigkeit leichter aufnehmen als unbehandelte Samen. Der wichtigste Punkt ist aber, dass die behandelten Samen vor Keimen oder Krankheiten wie Pilzbefall geschützt sind. "Was ganz entscheidend für die Landwirtschaft ist: Dass wir die gleiche Wirkung haben wie bei chemischen Produkten, aber keine negativen Auswirkungen auf die Umwelt und die Natur", sagt Andreas Prelwitz vom Saatgutverband MV.

Landwirte: Neue Wege zur Ertragssicherung nötig

Bis 2030 soll der Einsatz chemischer Mittel halbiert werden, so hat es die EU entschieden. Die Greifswalder Forschungen wecken Hoffnung in der Praxis. Die Landwirtin Sylvia Tetzlaff aus Güstrow (Landkreis Rostock) sucht nach neuen Wegen, um ihre Erträge zu sichern. In den kommenden Jahren könne sie zahlreiche chemische Pflanzenschutzmittel einsetzen. Bereits jetzt sei es schwierig, Erreger wirksam zu bekämpfen. "Da erhoffe ich mir gerade was Fungizide und Insektizide betrifft, dass wir über die Plasmatechnologie Möglichkeiten haben, weiter auf dem Niveau wirtschaften zu können, wie wir es bis jetzt gewohnt waren."

Erste Ergebnisse in fünf Jahren erwartet

Damit diese Effekte bald auch in der Praxis wirken, forscht das Institut weiter. Bisher an mehr als fünf verschiedenen Saatgut-Arten. In etwa fünf Jahren, so hoffen die Wissenschaftler, sollen dann die Ergebnisse ihrer Plasmaforschung für die Landwirte nutzbar sein.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 03.03.2020 | 19:30 Uhr

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