Stand: 20.03.2019 15:16 Uhr

SPD-Bildungsexperten kritisieren SPD-Schulpolitik

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Die AfB lässt kein gutes Haar an der Bildungspolitik von Ministerin Hesse und ihrer Vorgänger. (Archivbild)

In der Regierungspartei SPD regt sich deutliche Kritik an der eigenen Bildungspolitik in Mecklenburg-Vorpommern. Beim SPD-Landesparteitag Ende März in Rostock-Warnemünde werden die Delegierten über einen Antrag unter dem Titel "Gute Schule im Land ermöglichen und sichern" beraten. Der Vorstoß kommt von der Arbeitsgemeinschaft für Bildung (AfB) unter Leitung von Erik von Malottki. Der Sozialdemokrat ist Mitarbeiter der Lehrergewerkschaft GEW.

Arbeitsgemeinschaft zieht schonungslose Bilanz

In ihrem Antrag zieht die AfB eine schonungslose Bilanz der sozialdemokratischen Bildungspolitik der vergangenen 20 Jahre: "Eine gute Schulbildung in Mecklenburg-Vorpommern ist durch den bestehenden und langfristig anhaltenden Lehrkräftemangel grundlegend gefährdet", heißt es gleich im ersten Satz. In ihrer Lagebeschreibung warnen die Initiatoren davor, dass mehreren Schülerjahrgängen eine schlechte Ausbildung drohe. Der Antrag liest sich wie eine Kampfansage an die amtierende Bildungsministerin Birgit Hesse (SPD), die allerdings nicht namentlich genannt wird.

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Sorge um Zukunft der Unterrichtsversorgung

Rund vier von fünf Lehrern verlassen laut AfB-Antrag bis zum Jahr 2030 den Schuldienst und reißen damit eine riesige Nachbesetzungslücke. Seiteneinsteiger ohne Lehrerausbildung würden das Problem nicht lösen, auch die müssten erst ausgebildet werden. Vor allem Schulen auf dem Land und die sogenannten Brennpunktschulen in den Städten hätten enorme Schwierigkeiten, Lehrer zu finden. An Universitäten aber würden nicht genügend neue Lehrer ausgebildet, viele Lehrer würden stur Fachwissen pauken, hätten aber wenig Zeit für Wissensvermittlung und Praxistage an den Schulen. Und: Entgegen den Prognosen seien die Schülerzahlen gestiegen und nicht gesunken.

Schule "zentral in den Fokus rücken"

Die AfB fordert ein radikales Umsteuern. Die Lage an den Schulen müsse "zentral in den politischen Fokus rücken". Die SPD werde jedenfalls immer mehr mit der "desolaten Lage" in Verbindung gebracht. Die Antragsteller sehen dafür gute Gründe: Die Partei führe seit mehr als 20 Jahren die Regierung, leite durchgängig das Finanzministerium und habe in der Zeit vier von fünf Bildungsministern gestellt. Zwischen den Zeilen wird mehrmals betont, dass Schulen in der Vergangenheit einer Art Spardiktat unterworfen gewesen seien.

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Kritik in 23 Punkten

In ihrem Antrag formulieren die Kritiker 23 Einzelpunkte, in denen es besser laufen müsse. Eine aufwändige, bundesweite Lehrer-Nachwuchskampagne könne sich das Ministerium schenken, wenn die Arbeitsbedingungen in den Schulen nicht stimmen würden. Grundschullehrer müssten endlich wie andere Lehrer bezahlt werden, Überstünden müssten vergütet werden, die Altersgrenze für Verbeamtung sollte auf 45 Jahre heraufgesetzt werden. Außerdem müssten die Lehramtsstudiengänge dringend verbessert und personell aufgestockt werden.

Ganze Schülergeneration als Leidtragende

Auch der SPD-Kreisverband Vorpommern-Greifswald sorgt sich beim Landesparteitag um die Bildungspolitik. Er will den Lehrermangel in Vorpommern bekämpfen und dafür die Lehrerausbildung an der Universität Greifswald verstärken. In der Region werde massiv auf Vertretungslehrer und Seiteneinsteiger zurückgegriffen, heißt es in einem eigenen Antrag. Das düstere Fazit der Vorpommern-SPD: "Schon jetzt wird eine ganze Schülergeneration in Vorpommern zu Leidtragenden der Fehlentwicklung in der Lehrerbildung und weitere Generationen drohen, unter die Räder zu kommen."

Erst am Dienstag hatten Schülern, Eltern und Lehrerverbände Druck gemacht. Sie haben sich zum "Bündnis für gute Schule" zusammengeschlossen und fordern mehr Anstrengungen in der Bildungspolitik. Vor allem die Herausforderung der Inklusion und der Digitalisierung müssten angepackt werden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 20.03.2019 | 17:10 Uhr

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