Stand: 04.07.2018 15:46 Uhr

Rostocker Uniklinik: Streit um Überstunden

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Keine Einigung zur Überstunden-Regelung in Sicht: Seit mehr als einem Jahr streiten Geschäftsführung und Betriebsrat der Rostocker Uniklinik.

Die Logistik GmbH, eine hundertprozentige Tochter der Unimedizin Rostock, ist für Krankentransporte und logistische Aufgaben aller Art zuständig. Die rund 300 Beschäftigten erhalten seit einem Warnstreik im Mai 2017 etwas mehr Geld als der gesetztliche Mindestlohn vorschreibt. Ein Streitpunkt ist jedoch nicht immer nicht vom Tisch.

Streit um Überstunden seit mehr als einem Jahr

Zu den Forderungen gehörte vor etwas mehr als einem Jahr auch eine Neuregelung für anfallende Überstunden, die in dieser Branche an der Tagesordnung sind. Die Geschäftsführung tat sich im Streit mit dem Betriebsrat schwer. Konkret geht es etwa um die Frage, wie Überstunden angekündigt und verrechnet werden sollen. Nach Informationen von NDR 1 Radio MV und dem Nordmagazin steht der Vorwurf im Raum, die Geschäftsführung habe sowohl im Vorfeld des Steiks als auch danach Druck auf die Belegschaft ausgeübt.

Demonstranten der Ver.di.

Arbeitskampf an der Uniklinik Rostock

Nordmagazin -

Unter der Profitmaximierung in der Uniklinik Rostock leiden auch die Mitarbeiter beim Krankentransport. Ihr Kampf für mehr Geld und weniger Überstunden wird jedoch immer wieder ausgebremst.

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Vorwurf: Klinikleitung soll Mitarbeiter unter Druck gesetzt haben

Harald Jeguschke, dem Kaufmännischen Vorstand der Unimedizin Rostock zufolge, wurden während des Streiks unter anderem Studierende eingesetzt, um die Patientenversorgung trotz der Streiksituation zu gewährleisten. Die Studierenden der Medizin hätten freiwillig und als Begleiter mitgeholfen, so Jeguschke. Kritik übte jedoch der Betriebrat. Die Klinikleitung habe damit versucht, den Streik zu blockieren und Studierende für diese Zwecke missbraucht.

Logistikunternehmen: Einzelgespräche in Kellerräumen

Aus Mitarbeiterkreisen des Logistikunternehmens hieß es, neben den Studierenden seien auch Beschäftigte der Unimedizin unter Androhung von arbeitsrechtlichen Konsequenzen unter Druck gesetzt worden. Sie sollten den Angaben zufolge die Tätigkeiten der Streikenden übernehmen, um Abmahnungen und Kündigungen des Arbeitsverhältnisses aus dem Weg zu gehen. Zugleich sollen Einzelgespräche in einem Kellerraum stattgefunden haben. Die Geschäftsführung wollte offenbar Mitarbeiter gegen den Betriebsrat auf Linie bringen. Einem Betriebsratsmitglied wurde offenbar ein Hausverbot erteilt - erst nur für die Logistik GmbH, später für alle Räume und das Betriebsgelände der Unimedizin.

Kritik von Arbeitsrechtlern und Gewerkschaften

Mehr als ein dutzendmal trafen sich Geschäftsführung und Betriebsrat vor dem Arbeitsgericht. Bis auf einen Fall entschieden die Richter für die Belegschaft. Ronald Billepp, Rechtsanwalt für Arbeitsrecht sieht hier ein generelles Problem. Er berät viele Betriebsräte im Pflege- und Gesundheitsbereich. Ich mache leider die Erfahrung, dass gerade im Gesundheitswesen Arbeitsgeber sehr hart mit ihren Mitarbeitern und Betriebsräten umgehen." Diesen Eindruck bestätigt auch Johannes Brückner von der Gewerkschaft Ver.di Rostock. Seiner Meinung nach müsse hier der Umgang mit Betriebsräten und Personalräten noch gelernt werden. "Der Betriebsrat macht hier seinen Job und er macht den Job gut. Er achtet darauf, dass die Rechte der Beschäftigten eingehalten werden. Und offensichtlich ist es noch nicht ganz bei der Geschäftsführung angekommen, dass diese Rechte für beide Seiten gelten."

Das Thema Überstunden bei der Logistik GmbH ist noch immer nicht abgeschlossen. Die Zustimmung des Betriebsrats zu einem Einigungsvorschlag stehe noch aus, heißt es.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 04.07.2018 | 17:10 Uhr

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