Stand: 15.04.2019 10:35 Uhr  - NDR 1 Radio MV

Rostock: Forschung für robusteren Zuchtlachs

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Kritiker werfen den Lachsfarmen vor, die Umwelt zu verschmutzen - durch Antibiotikaeinsatz und die großen Mengen der Ausscheidungen. (Archivbild)

Rostocker Forscher sollen helfen, das Immunsystem von norwegischen Lachsen in Aquakulturen zu verbessern. Der Bedarf nach dem Speisefisch wird maßgeblich durch gezüchtete Tiere gedeckt. Ein Teil der Zucht fällt dabei aber Infektionskrankheiten zum Opfer. Nun soll in einem internationalen Projekt das Genom des Fisches entschlüsselt werden, teilte das Leibniz-Institut für Nutztierbiologie in Dummerstorf bei Rostock mit.

Forscher erhoffen sich neue Möglichkeiten der Diagnostik

Damit sollen neue Möglichkeiten zur Diagnostik an den Fischen gefunden werden, um den Zeitpunkt für die Umsiedlung vom Süß- ins Salzwasser besser wählen zu können, sagte Projektleiter Alexander Rebl. Denn dies sei der kritische Zeitpunkt für die Jungfische: "Wir wollen merken, der Fisch ist gestresst, wir warten mit der Umsiedlung besser noch", so Rebl. Das Projekt unter Leitung des norwegischen Instituts Nofima habe einen Gesamtumfang von einer Million Euro. 20.000 Euro davon gehen an die Dummerstorfer Forscher.

Erfahrungen aus früheren Forschungsprojekten

Zu Lachs habe das Institut noch nicht geforscht, wohl aber zu anderen Fischarten wie der Bornforelle, dem Zander oder dem Ostseeschnäpel. Die dabei gewonnenen Erfahrungen sollen nun bei der Lachszucht helfen, um langfristig robustere Zuchtlinien der Tiere zu entwickeln. Norwegen ist dem Institut zufolge mit 1,2 Millionen Tonnen pro Jahr der weltgrößte Lachsproduzent. Doch weil die Fische in riesigen Netzen vor der norwegischen Küste auf engem Raum gehalten werden, sind sie anfällig für Krankheiten und Parasiten wie die Lachslaus.

Lachszucht nicht unumstritten

Jährlich betrage der Verlust, der durch Krankheiten im Zusammenhang mit der Umsiedlung entsteht, eine zweistellige Millionensumme. Kritiker werfen den Lachsfarmen vor, die Umwelt zu verschmutzen - durch Antibiotikaeinsatz und die großen Mengen der Ausscheidungen. Dadurch verändere sich die Wasserqualität, was auch Einfluss auf die übrigen Tier- und Pflanzenarten habe, so der Vorwurf. Aus Sicht der Forscher hat die Zucht des Atlantischen Lachses aber auch etwas Positives: So werde viel Druck von der Wildpopulation des Fisches genommen, der in freier Wildbahn vom Aussterben bedroht ist.

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NDR 1 Radio MV | 15.04.2019 | 12:00 Uhr

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