Rostock: Doku-Zentrum in Stasi-Gefängnis wiedereröffnet

Stand: 02.07.2021 17:17 Uhr

In Rostock ist die sanierte Dokumentations- und Gedenkstätte in der ehemaligen Stasi-Untersuchungshaftanstalt wiedereröffnet worden.

Die Dokumentations- und Gedenkstätte im früheren Untersuchungsgefägnis der Staatssicherheit in Rostock ist nach der Sanierung wiedereröffnet worden. Schmutz, halb blinde Fensterscheiben, Risse im Fußboden - auch nach der Sanierung sind die Spuren der Zeit noch gut erkennbar. Ziel der Sanierung war es, die Situation zu konservieren, die über die Jahre insgesamt rund 4.900 Häftlinge von 1960 bis zur Wende ertragen mussten. Das Gefängnis hatte 55 Zellen mit jeweils zwei Pritschen. Es gab keine Belüftungsmöglichkeiten, Licht drang nur durch die Glasbausteine.

Zahlreichen Repressionen ausgesetzt

Die ehemalige Untersuchungs-Haftanstalt, getragen von der Landeszentrale für politische Bildung, soll nicht nur Museum sein. Opfer des DDR-Regimes sollen regelmäßig Gelegenheit bekommen, sich an dem Ort zu treffen, an dem sie zahlreichen Repressionen ausgesetzt waren. Sie sollen auch mit nachfolgenden Generationen ins Gespräch gebracht werden. Die Gedenkstätte soll nach dem Willen der neuen Leiterin, Steffi Brüning, ein offenes Haus für die Betroffenen sein. Geöffnet ist die Gedenkstätte ab sofort – zunächst allerdings nur auf Anmeldung. Für die Sanierung haben Bund und Land rund 4,2 Millionen Euro ausgegeben.

Schwesig: "Schweres Unrecht"

Die Gedenkstätte zeige, dass Demokratie und Freiheit keine Selbstverständlichkeit seien, sagte Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD). "Wir müssen alles dafür tun, um Freiheit, Demokratie und den Rechtsstaat zu bewahren, für eine Zukunft, in der Platz ist für alle, unabhängig von Herkunft, Religion oder politischer Meinung." Die Ministerpräsidentin erinnerte in ihrer Rede an das Leid der Inhaftierten: Viele seien über Monate festgehalten worden, häufig ohne Kontakt zur eigenen Familie. "Und all das nur, weil sie eine andere Meinung hatten, weil sie mehr Freiheiten wollten." Ihnen sei "schweres Unrecht widerfahren".  Im Vorfeld hatten Opferverbände den Auftritt Schwesigs zur Eröffnung des Dokumentations-Zentrums als unpassend kritisiert, da Schwesig es abgelehnt hat, die DDR als "Unrechtsstaat" zu bezeichnen.

Kritik von Opferverbänden

Im Oktober 2019 - zum vierzigsten Jahrestag der DDR-Gründung - machte Schwesig bundesweit Schlagzeilen. Es passe nicht, die DDR einen Unrechtsstaat zu nennen, meinte die Regierungschefin damals. Viele Menschen würden diesen Begriff als herabsetzend empfinden; es wirke als ob das ganze Leben in der DDR Unrecht gewesen sei, behauptete die SPD-Politikerin. Opferverbände warfen Schwesig deshalb vor, sie würde das DDR-Unrecht verharmlosen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 02.07.2021 | 16:00 Uhr

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