Stand: 01.01.2019 12:16 Uhr

Robbenbabys an der Ostsee brauchen mehr Schutz

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Im vergangenen Jahr kamen an der deutschen Ostseeküste mindestens vier Kegelrobbenbabys zur Welt. (Symbolbild)

Vor einem Dreivierteljahr haben Wissenschaftler an der deutschen Ostseeküste erstmals seit mehr als 100 Jahren wieder Geburten von Kegelrobben nachgewiesen. Für dieses Jahr erwarten Experten des Deutschen Meeresmuseums weitere Geburten. Sie wollen die Bewohner von Küstengemeinden und Touristen rechtzeitig für den Robbennachwuchs sensibilisieren: "Wir wollen ein Netzwerk etablieren, damit die Robbenjungtiere in ihren ersten Lebenswochen weitgehend ungestört gesäugt und aufgezogen werden können", sagte Robbenexpertin und Meeresbiologin Linda Westphal.

Mindestens zwei der Jungtiere von 2018 starben

Im vergangenen Jahr erfasste das Meeresmuseum vier Kegelrobben an der deutschen Ostseeküste, die noch das weiße Lanugofell der Neugeborenen trugen. Zwei der Robbenbabys wurden damals tot am Kap Arkona (Insel Rügen) und Ückeritz (Insel Usedom) gefunden. In Heringsdorf auf Usedom und auf der Greifswalder Oie wurden zwei lebendige Tiere gesichtet. Allerdings sei zweifelhaft, ob die junge Robbe am Strand von Heringsdorf überlebt habe, sagte Biologin Westphal. Die Einsatzkräfte hätten dort zwar zunächst vorbildlich den Strand abgesperrt. Später hätten sie jedoch das Jungtier ins Wasser getragen, da sie dort eine erwachsene Robbe beobachtet hatten. "Die Helfer haben es gut gemeint, doch sollten Robben nie ins Wasser getragen werden", sagte die Expertin.

Robbenbabys brauchen Ruhe

Weiße Kegelrobben seien im Wasser noch nicht ausreichend gegen Kälte isoliert, erklärte Westphal. Daher sei es wichtig, bei Sichtung eines Robbenbabys den Strand im Umkreis von etwa 100 Metern abzusperren. Dies sei die einzige Möglichkeit, um den Jungtieren an der stark frequentierten Ostseeküste das Überleben in den ersten sensiblen Wochen zu sichern, sagte Westphal. Anders als an der Nordseeküste gebe es dort auch keine Auffangstation für Robbenbabys.

Zeitweise tummeln sich 300 Robben in Vorpommern

Im April 2018 wurden in den vorpommerschen Gewässern zeitgleich etwa 300 Robben gezählt - ein Rekordwert. Das reiche Nahrungsangebot und die Kälte in der nördlichen Ostsee hatten die Tiere an die MV-Küste getrieben. Im Jahresdurchschnitt leben inzwischen maximal 30 Robben dauerhaft in den Gewässern vor Mecklenburg-Vorpommern. Mit der Bestandszunahme stiegen auch die Funde toter Kegelrobben. So wurden 2018 rund 60 Kadaver an der Küste entdeckt, etwa 20 mehr als im Vorjahr. Teilweise landeten die Robben als Beifang in Netzen und Reusen, betroffen waren aber auch viele junge Tiere, die noch unerfahren im Jagen seien.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Der Nachmittag | 01.01.2019 | 16:00 Uhr

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