Stand: 16.02.2018 15:00 Uhr

Robben und Quote: Fischer unter Druck

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Eigentlich könnten die Fischer reichlich Heringe aus dem Wasser holen - Robben hinterlassen aber oft nur Reste in den Stellnetzen.

Die Heringsfischerei in der Ostsee läuft auf Hochtouren. Die Schleppnetzfischer vor Rügen und in der Arkona-See landen bereits seit Anfang Januar sehr gute Fänge an. Wie der Verband der Deutschen Kutter- und Küstenfischer mitteilte, ist ein Drittel der Fangquote bereits abgefischt. Die Quote ist in diesem Jahr um fast 40 Prozent gekürzt und damit besonders niedrig. Deshalb hätten einige Fischer sogar schon ihre gesamte Heringsquote ausgeschöpft. Hinzu kommt, dass immer öfter Robben den Fang der Fischer in der Ostsee zerfressen - manche zwingt das in die Knie.

Robben und Kormorane plündern Netze

Zwar sind die Heringe groß und fett. Doch der Ertrag von Uwe Krüger, einem der letzten Küstenfischer Ahlbecks auf der Insel Usedom, fällt in den vergangenen Jahren immer geringer aus. Das liegt vor allem daran, dass sich Kegelrobben im Greifswalder Bodden angesiedelt haben. Sie plündern gern die Stellnetze der Fischer. Ganz ähnlich wie die Kormorane, die sich ebenfalls an den Fischernetzen im Achterwasser zu schaffen machen.

Zerstörte Netze, zerfressener Fang

Für die Fischer bedeutet das vor allem zerstörte Fischernetze. So ein Netz kostet immerhin 100 Euro. Der geplünderte Fisch kann nicht verkauft werden. Zurück bleiben Fischköpfe und Flossen in den Netzen. Neben der sehr stark gekürzten Heringsquote für dieses Jahr zwingt diese Situation immer mehr Küstenfischer in die Knie. Fischer Krüger und viele andere seiner Kollegen sehen sich vor dem wirtschaftlichen Aus. Ahlbeck zählte vor 20 Jahren noch 200 Fischer. Heute sind es nur noch zwei. Die Population der Kegelrobben hat inzwischen so stark zugenommen, dass Küstenfischer regelmäßig Robben vor Ahlbecks Küste sichten. Zum mysteriösen Robbensterben im vergangenem Herbst sagt Krüger, er könne sich nicht vorstellen, dass seine Kollegen damit etwas zu tun haben.

Robben-Management ist in Arbeit

In Dänemark und Schweden werden bereits Ausgleichszahlungen an Fischer geleistet, deren Fischfang durch Robben massiv gemindert wird. In Deutschland ist man erst dabei, das Thema Binnen- und Küstenfischerei und Kegelrobben zu thematisieren. In Kürze tagt dazu der Fischereiabgabeausschuss aus Vertretern der beruflichen und nichtberuflichen Fischerei. Zunächst soll ein Robbenmanagement erarbeitet werden, um festzustellen, wie man Kegelrobben und Fischerei in Einklang bringen kann. Das soll in Zusammenarbeit mit der Umweltorganisation WWF und den Küsten- und Binnenfischern passieren.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 16.02.2018 | 13:00 Uhr

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