Stand: 04.07.2020 12:20 Uhr

Robben-Boom am Ostsee-Strand

Eine Kegelrobbe in der Ostsee in der Nähe des Großen Stubber im Greifswalder Bodden. © dpa-Bildfunk Foto: Jens Büttner
Eine Kegelrobbe schaut in der Nähe des Großen Stubbers im Greifswalder Bodden aus dem Wasser.

"Achtung, rastende Robbe" ist zu lesen, wenn Helfer jungen Kegelrobben am Strand einen Ruheraum abstecken. Mindestens 30 Jungtiere sind in diesem Jahr an der Ostseeküste in Mecklenburg-Vorpommern gesichtet worden - so viele wie noch nie in den vergangenen Jahrzehnten, wie die Umweltorganisation BUND mitteilte. Als ein Grund gilt, dass wegen der Corona-Pandemie die Strände lange Zeit menschenleer waren. Zudem nimmt die Zahl der Ostsee-Kegelrobben ohnehin zu, nachdem die Tiere vor 100 Jahren in Deutschland fast ausgerottet waren und sich nur ein kleiner Bestand in der nördlichen Ostsee hielt. Das berichten Wissenschaftler des Deutschen Meeresmuseums Stralsund.

Robben sind nicht hilflos

Die meisten Robbenbabys werden im zeitigen Frühjahr geboren. Wenn sie sich von ihren Müttern abnabeln und erstmals selbst auf Jagd nach Fischen gehen, müssen sie sich öfter und länger ausruhen als erwachsene Tiere. Sie sollten dann nicht durch Strandbesucher und Hunde beunruhigt werden. Auch seien sie nicht hilflos und müssten nicht in eine Robbenauffangstation gebracht werden, wie BUND-Landesgeschäftsführerin Corinna Cwielag deutlich machte.

Ruheraum-Absperrungen entlang der Küste

Zuletzt ist Mitte Juni ein Jungtier bei Ahrenshoop gefunden und durch eine Absperrung gesichert worden, berichtete sie. Der BUND hat in 16 Gemeinden vom Klützer Winkel bis Greifswald Absperrausrüstungen deponiert, die bei Bedarf angefordert werden können. Auch Polizeistationen sollen mit den Robben-Sets aus Glasfaserstäben, Drahtlitze von der Rolle, Schildern mit der Aufschrift "Achtung, rastende Robbe" und Informationsmaterial ausgestattet werden. Helfer könnten damit ein Viereck abstecken, das zum Wasser hin offen ist, Strandbesucher aber möglichst 100 Meter von der Robbe entfernt hält.

Hintergrund
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Fischer bangen um Stellnetze

Jungtiere wurden nach Angaben der Robben-Forscherin Linda Westphal in diesem Jahr vor allem rund um den Greifswalder Bodden gesichtet. Dort lebten ganzjährig 60 bis 70 Robben. Die Greifswalder Oie und der Große Stubber seien die am stärksten von Robben genutzten Liegeplätze vor der Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns. Einheimische Fischer sehen die Rückkehr der Robben kritisch. Die Tiere würden ihnen zu viele Fische weg fressen und auch immer wieder Stellnetze zerstören.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 04.07.2020 | 10:00 Uhr

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