Stand: 17.07.2018 14:24 Uhr

Revolution '89: Waren soll Gedenkort werden

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Tausende gingen im Herbst 1989 auf die Straßen Mecklenburg-Vorpommerns und leiteten damit die friedliche Revolution ein. (Archivbild)

Die Landesregierung hat den Weg für einen zentralen Gedächtnisort für die Friedliche Revolution 1989 in Mecklenburg-Vorpommern geebnet. Das entsprechende Konzept von Bildungsministerin Birgit Hesse (SPD) soll nun im Landtag diskutiert werden. Vorgeschlagen wird darin Waren an der Müritz (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) als zentraler Gedenkort.

Erste Wende-Demonstrationen im Nordosten

In der Stadt sei am 16. Oktober 1989 erstmals im heutigen Mecklenburg-Vorpommern von 400 Teilnehmern für die Wende demonstriert worden. "Noch vor den großen Städten machten sich hier nach dem Fürbittgottesdienst in der St.-Georgen-Kirche Menschen mit Kerzen in den Händen auf, den öffentlichen Raum für sich zu beanspruchen", heißt es in dem Konzept. Für Waren spreche seine zentrale Lage und gute Erreichbarkeit. "Die Wahl dieses Ortes steht zudem symbolhaft für den dezentralen Charakter der Friedlichen Revolution im Norden."

Denkmal soll im 30. Jahr des Mauerfalls eröffnet werden

Wie genau ein Gedächtnisort für die Friedliche Revolution aussehen könnte, steht noch nicht fest. Denkbar sei ein Denkmal oder Erinnerungszeichen aufgestellt sowie die Einrichtung einer Dauerausstellung. Das Land will in der Stadt zudem jährlich mit einer Veranstaltung an die Ereignisse von 1989 erinnern. Angestrebt wird, dass möglichst 2019, im 30. Jahr des Mauerfalls, der Gedächtnisort eröffnet wird. An die Friedliche Revolution in der DDR erinnern derzeit in Deutschland rund 50 Denkmäler.

Finanzierung mit Mitteln aus Vermögen von DDR-Organisationen

Die noch unbekannten Kosten des Projektes sollen aus dem Vermögen der Parteien und Massenorganisationen der ehemaligen DDR bezahlt werden. Daraus soll auch ein Fonds "Denkzeichen 1989" finanziert werden. Städte und Gemeinden könnten daraus jeweils 1989 Euro erhalten, wenn sie sich entschließen, an einem historisch relevanten Ort eine Informations- und Erinnerungsstele an die lokalen Wende-Ereignisse aufzustellen, hieß es.

Umfassendes Online-Angebot geplant

Als dritte Säule ist ein Internetangebot zur Geschichte der Friedlichen Revolution im Land geplant. Darüber könnten im Sinne einer digitalen Bibliothek und eines digitalen Museums auch Materialien und Exponate sowie Bildungsangebote zur Verfügung gestellt werden, heißt es im Konzept. Die Sprecherin für politische Bildung der SPD-Landtagsfraktion, Susann Wippermann, sagte, ihre Fraktion habe sich vorab besonders für eine dezentrale Darstellung der Ereignisse in digitaler und online vernetzter Form eingesetzt.

Positives Echo

Die ersten Reaktionen auf das Vorhaben fielen positiv aus. Die zentrale und dezentrale Struktur halte er für den richtigen Ansatz, sagte der Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion, Vincent Kokert. Die Friedliche Revolution habe sich auch auf dem Gebiet des heutigen Mecklenburg-Vorpommern nicht zentral ereignet. Aber sie gehöre zu Deutschlands glücklichsten Stunden. "Das Feuer, das damals in den Menschen brannte, der Wunsch nach Freiheit und Demokratie hat die SED-Diktatur hinweggefegt." Justizministerin Katy Hoffmeister (CDU) bezeichnete das Konzept als ein wichtiges Signal. Es biete beste Voraussetzungen dafür, dass die Geschichte präsent bleibt. Zudem könnten sich sämtliche Kommunen daran beteiligen.

Enttäuschung in Neubrandenburg

Nach der Vorentscheidung für Waren kamen enttäuschte Reaktionen aus Neubrandenburg. Wende- und Nachwendezeit hätten dort sehr gut in einem Museum dokumentiert werden können, so Stadtarchivarin Eleonore Wolf - angefangen von den großen Demonstrationen im Herbst 1989 bis zu den Auswirkungen der Wiedervereinigung, die den Niedergang großer Betriebe, massenhafte Abwanderung und höchste Arbeitslosigkeit bedeutete.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 17.07.2018 | 14:00 Uhr

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