Revisionsprozess Mordfall Leonie: Stiefvater schweigt

Stand: 19.01.2021 14:16 Uhr

Vor gut zwei Jahren ist die sechsjährige Leonie aus Vorpommern gewaltsam ums Leben gekommen - der Stiefvater wurde wegen Mordes verurteilt. Nun hat der Revisionsprozess begonnen.

Am Landgericht Neubrandenburg hat der Revisionsprozess um den gewaltsamen Tod der sechsjährigen Leonie aus Torgelow begonnen. Angeklagt ist der 29-jährige Stiefvater, der es zu Prozessbeginn ablehnte, sich zur Anklage zu äußern. Damit war der Prozessauftakt nach gut einer Stunde beendet. Das Mädchen war vor zwei Jahren an den Folgen von Misshandlungen gestorben. In einem ersten Prozess war der Stiefvater des Mädchens wegen Mordes durch Unterlassen verurteilt worden.

Motivlage soll genauer geprüft werden

Die Revisionsverhandlung ist nötig, weil der Bundesgerichtshof (BGH) das "äußere Tatgeschehen" in dem Fall aus der ersten Verhandlung zwar bestätigt, das Urteil aber in Teilen aufgehoben hatte. Das Motiv des Täters soll nochmals genauer überprüft werden. So hatte der BGH bemängelt, dass im ersten Verfahren nicht genau festgestellt worden sei, ob der Stiefvater schon zum Zeitpunkt der Misshandlungen beabsichtigt hatte, das Mädchen zu töten. Das sei aber für die rechtliche Einordnung wichtig. Unstrittig sei aber, dass der Stiefvater Leonie und deren kleinen Bruder schwer misshandelt hat und dass Leonie an den Folgen gestorben ist, so ein Gerichtssprecher.

Handelte Stiefvater mit Tötungsabsicht?

Laut Gerichtssprecher Christian Weidlich geht es für den Angeklagten hinsichtlich des Strafmaßes um viel. "Wenn man zu dem Ergebnis kommen sollte, dass der Mord durch Unterlassen nicht in Betracht komme, dann müssten gegebenenfalls andere Mordmerkmale erörtert werden", so Weidlich. Wenn der Stiefvater schon bei den schweren Misshandlungen tagsüber ein Mordmotiv hatte, käme etwa eine Bewertung als "Mord aus niederen Beweggründen" infrage. Aber auch die Bewertung der Tat als Totschlag sei möglich, falls kein Mordmotiv nachgewiesen werden kann. Dann könnte aus der lebenlänglichen Freiheitsstrafe möglicherweise eine zeitlich begrenzte werden.

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Der angeklagte Stiefvater der gewaltsam zu Tode gekommenen Leonie verdeckt im Prozess in Neubrandenburg sein Gesicht. © dpa-Bildfunk Foto: Bernd Wüstneck

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Verteidigung kündigt Erklärung an

Die Verteidigung will ihrerseits darlegen, dass ihr Mandant den Tod des Mädchens nicht geplant hatte und hofft auf diesem Wege auf eine mildere Bestrafung. "Wir haben eine Erklärung unseres Mandanten vorbereitet", sagte Anwalt Bernd Raitor. Diese sei "ergänzend zu den Angaben im ersten Prozess".

Sechsjährige starb nach Bestrafung durch Stiefvater

Leonie war am 12. Januar 2019 tot in der Wohnung der Familie in Torgelow gefunden worden. Der Stiefvater gab damals an, das Mädchen sei eine Treppe im Hausflur hinuntergestürzt und später an den Verletzungen gestorben. Das Gericht folgte dem nicht. Nach Einschätzung der Richter hatte die Mutter vor Gericht glaubhaft geschildert, wie Leonie und ihr damals zwei Jahre alter Bruder mehrfach vom Stiefvater misshandelt worden waren. Zuletzt sei die Sechsjährige Opfer einer Bestrafungsaktion des Mannes geworden, hatte der Richter erklärt.

Urteil frühestens Mitte Februar

Bis Mitte Februar sind zunächst drei Verhandlungstage angesetzt. Der nächste Termin ist am 8. Februar. Dann soll erneut die Mutter angehört werden, wie Richter Kolf ankündigte. Das Revisionsverfahren wird von zwei gerichtsmedizinischen und psychiatrischen Sachverständigen begleitet. Mit einem Urteil wird bisher frühestens Mitte Februar gerechnet.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 19.01.2021 | 12:00 Uhr

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