Stand: 21.09.2020 19:30 Uhr

Rettung der MV-Werften gerät zur Hängepartie

von Stefan Ludmann, NDR 1 Radio MV

Warnemünde: Laufkatzen hängen am Bockkran der MV Werft in Rostock-Warnemünde. © dpa-Bildfunk Foto: Jens Büttner/dpa
Die Rettung der angeschlagenen Schiffbau-Unternehmen mit ihren Standorten Wismar, Rostock und Stralsund wird immer ungewisser. (Archivbild)

Die Rettung der angeschlagenen MV-Werften mit ihren Standorten Wismar, Rostock und Stralsund wird immer mehr zur Hängepartie. Die eigentlich für Ende September geplante Auszahlung von Bundeshilfen aus dem sogenannten Corona-Rettungsschirm verzögert sich. Es geht um 570 Millionen Euro staatlicher Unterstützung, die den Fortbestand der Werften sichern sollen. Grund für die Verzögerung sind nach Angaben von Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) fehlende Gutachten über die Zukunftsaussichten des Mutter-Konzerns Genting in Hongkong. Diese Gutachten, die als Grundlage für staatlichen Hilfen nötig sind, sollten ursprünglich Mitte September vorliegen. Auch wegen der wirtschaftlichen Turbulenzen bei Genting und der unsicheren wirtschaftlichen Perspektiven des Mischkonzerns seien die Papiere nicht pünktlich fertig geworden. Laut Glawe sollen die Gutachten jetzt Ende November vorliegen. Dann sei auch klar, welche Schiffe künftig auf den Werften gebaut werden könnten.

VIDEO: Gutachten zur Rettung der MV-Werften fehlt (2 Min)

Zahlungsschwierigkeiten drohen

Kommt die Staatshilfe nicht, drohen den Werfen schon im Oktober - also in zehn Tagen - Zahlungsschwierigkeiten. Diese Insolvenzgefahr schwebte schon Ende Juni und Ende August über den Standorten und ihren 3.100 Beschäftigten. Das Land und die Banken sorgten mit Freigaben aus einer Sicherheitsreserve dafür, dass die Werften bei Kasse blieben. Glawe sieht in der aktuellen Situation den Bund am Zug. Der müsse jetzt mit einer Zwischenfinanzierung die Lücke überbrücken. Laut Glawe sind monatlich allein rund 15 Millionen Euro nötig, um die Werften unter Dampf oder "warm" zu halten. Nach Informationen von NDR geht es bis Ende Dezember insgesamt um etwa 160 Millionen Euro staatlicher Unterstützung. Mit dem Geld soll das in Stralsund weitgehend fertiggestellte Kreuzfahrtschiff "Endeavour" zu Ende gebaut werden. Die Hoffnung ist, dass die Werften und auch Genting mit dem Erlös neues Kapital für neue Projekte bekommen.

Sprecher halten sich bedeckt

Ein Sprecher des Bundeswirtschaftsministeriums wollte die Sache auf Anfrage von NDR 1 Radio MV nicht kommentieren, man äußere sich generell nicht zu den Gesprächen über den Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF), wie der Corona-Rettungsschirm technisch genannt wird. Der Sprecher wollte selbst Verhandlungen mit Genting Hongkong nicht bestätigten. Ein Sprecher der Werften hielt sich ebenfalls zurück. Man sei mit allen Partnern im Gespräch und wolle das Vertrauen durch öffentliche Kommentare nicht gefährden. Er machte allerdings klar, dass sie Planungen für die Weiterarbeit an der "Endeavour" begonnen haben. Der Chef der IG-Metall Küste, Daniel Friedrich, erklärte, mit einer Zwischenfinanzierung lasse sich Zeit gewinnen. In den Verhandlungen müsse sich in den nächsten Tagen aber etwas tun. Mit den Werften stünden die industriellen Kerne des Landes auf dem Spiel.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 21.09.2020 | 18:10 Uhr

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