Stand: 13.12.2018 04:56 Uhr

Reiterstaffel: "Lassen wir das Pferd im Stall"

von Stefan Ludmann, NDR 1 Radio MV

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Niedersachsens Polizei hat eine Reiterstaffel. Sollte MV auch eine unterhalten? (Archivbild)

Der Innenexperte der Linken, Peter Ritter, machte sich am Morgen schon einen Spaß aus der Sache: Ritter lichtete ein kleines Stofftierpferdchen auf der gelben Tagesordnung des Landtags ab und schickte das Foto in die sozialen Netzwerke. "Der letzte Punkt für heute: Die CDU-Reiterstaffel... ich bin vorbereitet", schrieb er als Kommentar dazu.

CDU-Abgeordnete will Reiterstaffel

Was Ritter zum Start der Sitzung eher lustig fand, das war dann - als es am späten Abend um 20.32 Uhr endlich losging - für die CDU-Abgeordnete Ann Christin von Allwörden tierischer Ernst. Die Christdemokratin warb für ihre Idee, in der Landespolizei eine Reiterstaffel aufzubauen. Sie hatte vor Wochen in einem Zeitungsinterview laut über die "Berittene" nachgedacht. Allerdings: Einen konkreten Antrag, wie der Vorschlag umzusetzen ist, brachte sie nicht mit ins Parlament. Die gelernte Polizistin beantragte eine Aussprache - nach dem Motto: "Lasst uns mal drüber sprechen" - auch weil der SPD-Koalitionspartner nicht mitziehen wollte.

Pferd als Sympathieträger?

Mecklenburg-Vorpommern sei ein Pferdeland, unterhalte in Redefin sogar ein eigenes Landesgestüt, sagte von Allwörden. Da liege eine Reiterstaffel für die Landespolizei nahe. Andere Bundesländer wie Bayern oder Niedersachsen hätten gute Erfahrung mit der "Berittenen". Pferde seien ohnehin "absolute Sympathieträger", die Menschen seien begeistert von Polizisten hoch zu Ross. "Ein berittener Polizist auf Streife ist ein idealer Kontaktbeamter", meinte die Christdemokratin. Sie sprach von überschaubaren Kosten. Und bei "Großlagen" wie Hooligan-Ausschreitungen am Rande von Fußballspielen oder bei großen Demonstrationen könne eine Reiterstaffel deeskalierend wirken.

Zahlreiche Zwischenrufe

Immer wieder hagelte es Zwischenrufe, die Landtagspräsidentin mahnte zur Mäßigung, die Debatte sei keine "Clownsveranstaltung". Wie vergiftet das Koalitionsklima bei dem Thema ist, zeigte eine Zwischenfrage der SPD-Abgeordneten Elisabeth Aßmann. Ob sie nicht wisse, dass das Pferd ein "Fluchttier" sei, wollte sie von Allwörden wissen und meinte, darüber solle sie doch mal nachdenken. "Schönfärberei" seien von Allwördens Vorschläge, so die Sozialdemokratin. Vorn am Pult konterte die Rednerin fast schnippisch, eine Reiterstaffel habe es schon immer gegeben, außerdem: "Ich denke immerzu nach, danke für den Hinweis, Frau Aßmann."

Ein Pony für Mecklenburg-Vorpommern

Und Aßmanns Fraktionskollege Manfred Dachner setzte in der Debatte noch einen drauf. Die Angelegenheit sei "ein totgerittenes Ross", sagte der ebenfalls gelernte Polizist, schon in den 1990er-Jahren habe man in Mecklenburg-Vorpommern die Idee verworfen. Und außerdem: Viele Länder verzichteten auf eine Reiterstaffel. Die Acht-Millionen-Metropole London habe gerade mal neun Polizeipferde, im Vergleich dazu könnte sich Mecklenburg-Vorpommern gerade mal ein Pony leisten.

Unklarheit über Kosten und Nutzen

Ungeklärt seien die Kosten und die Einsatzgebiete. Bei einer Stationierung in Redefin seien Fahrten in den Ostteil des Landes viel zu weit, meinte Dachner. Auch Nikolaus Kramer - wie sein Vorredner Polizist - meldete Kritik an. Von Allwörden habe nichts zu "Nutzen, Kosten und Konzept" einer Reiterstaffel gesagt, genau das aber habe der Titel der Aussprache doch versprochen. Die Debatte sei ein "bloßes Stochern im Nebel". Neue Zahlen, Daten und Fakten habe sie nicht geliefert, von Allwörden müsse mal von ihrem "hohen Ross" herunter. Auch der Innenexperte der Linken, Peter Ritter, befand, dass die Polizei andere Probleme habe. "Lassen wir das Pferd im Stall", mahnte er. Ansonsten erinnere ihn die Debatte an "Wildwest-Stimmung".

Im neuen Jahr fährt der Innenausschuss nach Hamburg und will sich die dortige Reiterstaffel ansehen. Die Debatte über die "Berittene" ist noch nicht zu Ende.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 13.12.2018 | 06:00 Uhr

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