Stand: 01.11.2019 15:08 Uhr

Rechtsextremist schaltet Werbung in Polizei-Malheft

Die Malhefte werden normalerweise in Polizeidienststellen ausgelegt und in Schulen verteilt. (Screenshot)

In einem Malheft zur Verkehrserziehung für Kinder der Deutschen Polizeigewerkschaft Mecklenburg-Vorpommern (DPolG M-V) hat die Firma eines bekannten Rechtsextremisten Werbeanzeigen geschaltet. Die Hefte mit den Inseraten der Firma Abriss-Krüger aus Jamel (Landkreis Nordwestmecklenburg) wurden zurückgezogen. Die Gewerkschaft entschuldigte sich für den Vorfall. Es sei ihm unendlich peinlich, dass dieser Fehler passieren konnte, sagte der Landesvorsitzende Roland Müller.

Caffier: "Völlig inakzeptabel für eine Polizeigewerkschaft"

Die Anzeige sei offenbar durchgerutscht. Er sei sehr erschrocken und distanziere sich im Namen der Gewerkschaft in aller Form von extremen und radikalen Ansichten und Organisationen, so Müller weiter. Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier (CDU) reagierte mit harscher Kritik: "Es ist nicht nur peinlich, sondern auch völlig inakzeptabel für eine Polizeigewerkschaft einem ausgewiesenen und bekannten Rechtsextremisten eine derartige Werbung zu ermöglichen", teilte Caffier am Freitag mit.

Verlag kannte offenbar politischen Hintergrund nicht

Eingekauft werden die Anzeigen vom zuständigen Verlag in Dülmen bei Münster (Nordrhein-Westfalen). Der verlegt in Zusammenarbeit mit der Deutschen Polizeigewerkschaft für mehrere Bundesländer Ausmalhefte für die Verkehrserziehung von Grundschulkindern. Dem Verlag sei der politische Hintergrund des Unternehmers nicht bekannt gewesen, sagte Gewerkschaftsvorsitzender Müller.

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Hefte sollen vernichtet werden

Das Logo der Firma wirkt auf nicht Eingeweihte unverfänglich. Aufgefallen war die Anzeige Polizisten einer Dienststelle in der Region. Diese informierten des Innenministerium in Schwerin, das wiederum die Verbreitung der Hefte verbot. Geschaltet wurde die Anzeige in rund 800 Heften, die in der Region Nordwestmecklenburg verteilt werden sollten. Die Hefte sollen nun vernichtet werden, versicherte Müller.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 01.11.2019 | 15:00 Uhr

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