Der Vorsitzende des Dreikönigsvereins Neubrandenburg, Rainer Prachtl (li) und Geschäftsführer Michael Fehlandt präsentieren einen Scheck über 75.000 Euro.  Foto: Claudia Krüger

Rainer Prachtl im Podcast: 75.000 Euro für den Dreikönigsverein

Stand: 06.01.2022 15:00 Uhr

Der Dreikönigstag wird traditionell in Neubrandenburg groß gefeiert. Das ist in diesem Jahr, wie schon 2020, pandemiebedingt anders, Spenden für das Hospiz wurden dennoch gesammelt. Über diese Tradition, über Politik gestern und heute und sein Leben als Katholik in der DDR spricht der Vorsitzende des Dreikönigsvereins Rainer Prachtl mit Thomas Naedler im Podcast "Dorf Stadt Kreis".

von Thomas Naedler, NDR Podcast Dorf Stadt Kreis

Es sollte ein großes Fest sein: Mit dem Publizisten Peter Hahne als Festredner und bis zu 600 Gästen im Haus der Kultur und Bildung in Neubrandenburg. Bei einem festlichen Abendessen hätte sich Rainer Prachtl, der Vorsitzende des Dreikönigsvereins, bei den Spendern bedankt, wenn, ja wenn nicht zum zweiten Mal in Folge die Pandemie diese Pläne des Vereins zunichte gemacht hätte. Über die Spenden kann sich Rainer Prachtl dennoch freuen: rund 75.000 Euro sind zusammengekommen, es könnten, wegen einiger Nachzügler, noch bis zu 80.000 Euro werden, erzählt Rainer Prachtl im Podcast.

Unterstützung für die Hospizarbeit

Eingesetzt wird das Geld für die Arbeit des Dreikönigsvereins in Neubrandenburg, der sich unter anderem in einem Hospiz um sterbende Menschen kümmert. "Die Trauerarbeit, das Sterben selbst… das ist ja etwas, wo wir ganz für die Menschen da sein möchten. Und da brauchen wir diese Finanzmittel, weil wir auch manche Wünsche unsere Gäste im Hospiz erfüllen wollen. Ob das eine Reise ist, einmal noch ins eigene Zuhause, der eine möchte eine Linde berühren, die er lange kennt, oder sein Taufbecken, an dem er getauft wurde, in der Kirche. Er möchte noch mal seine Tiere sehen, die er betreut hat. All solche Dinge sind da, wo wir sagen, das ist unsere Aufgabe", sagt Rainer Prachtl. Der 1950 geborene Prachtl ist aufgewachsen als katholischer Christ in der nicht eben religionsfreundlichen DDR. Wie ein einsamer Baum auf einem Feld, so formuliert er es oft, hat er sich deshalb oft gefühlt.

Rainer Prachtl: Christ, Politiker, ehemaliger Landtagspräsident

Dass es den Dreikönigsverein in Neubrandenburg gibt, dass die Spenden so zahlreich fließen und die Festredner große Namen tragen, daran hat Rainer Prachtl entscheidenden Anteil. In der DDR lernt er Koch, dann kann Prachtl das Abitur nachholen und schließlich studieren, in Leipzig: Wirtschaftswissenschaften würde man das Fach heute nennen. Mehrere Jahre arbeitet er bei der Caritas, mit der Wende aber beginnt sein Aufstieg in der Politik: Prachtl tritt im Dezember 1989 in die CDU ein und wird Präsident im ersten Landtag des neu gegründeten Landes Mecklenburg-Vorpommern. Im Podcast erzählt er: "Meine wichtigste politische Entscheidung war die Landesverfassung, an der ich ganz aktiv mitgearbeitet habe, als Vorsitzender. Aber auch der Prozess der Versöhnung, den wir einleiten wollten. Da sind wir, glaube ich, der einzige Landtag gewesen, der das es auch in zehn Bänden dokumentiert hat. Wo gab es die Punkte, wo es Unversöhnliches gab? Wie können wir wieder zur Versöhnung kommen? Und da haben wir ja einen ganz langen Prozess gehabt, den ich auch als Vorsitzender mit begleiten durfte."

Dorf Stadt Kreis: Porträt von Thomas Naedler  Foto: Jörn Lehmann
AUDIO: #63 - Als Christ in der Verantwortung: Rainer Prachtl zum Dreikönigstag (59 Min)

Prominente Redner zum Dreikönigstag

Der Dreikönigsverein, dem Rainer Prachtl vorsteht, wird über die Jahre zu einer viel beachteten Instanz in Mecklenburg-Vorpommern. Das liegt auch an den Festrednern, die Rainer Prachtl für die Veranstaltungen am Dreikönigstag gewinnen kann. Michael Gorbatschow steht 1998 am Pult. Rainer Prachtl: "Da hatte ich ein bisschen Glück, dass ich Landtagspräsident war, und wir haben dann über die politischen Botschaften geguckt, dass wir an den Präsidenten herankamen. Und das hat dann auch geklappt. Und er wollte auch für seine Stiftung ein paar Finanzen haben. Das haben wir dann unterstützt und es war gar nicht so wenig…"  Auf den ehemaligen sowjetischen Präsidenten folgen unter anderem Angela Merkel, Wolfgang Thierse, Lech Wałęsa und Gesine Schwan – die Liste ist lang. Joachim Gauck redet am 6. Januar 2012 in Neubrandenburg, da ist er bereits als Bundespräsident im Gespräch, gewählt wird im März. Alle wollen hören, was dieser Mann zu sagen hat. Seine Anwesenheit lenkt noch einmal bundesweit viel Aufmerksamkeit auf die Stadt, den Verein und die Dreikönigstradition in Neubrandenburg.

Aus einem kleinen Gesprächskreis ist etwas Großes geworden

Im NDR-Podcast "Dorf Stadt Kreis" schaut Rainer Prachtl zurück auf seine politische Laufbahn, erzählt von seiner Liebe zur Lyrik und zum Kochen, berichtet aber auch von den Anfängen des Dreikönigsvereins. Der war hervorgegangen aus einem christlichen Hauskreis, in dem sich Bekannte und Freunde Rainer Prachtls trafen, in dem diskutiert und gebetet wurde. Heute ist der Verein Träger eines Hospizes in Neubrandenburg, organisiert Jugendreisen nach Israel, vergibt den mit 10.000 Euro dotierten Siemerling-Sozialpreis an Menschen, die sich durch besonderes soziales und gesellschaftliches Engagement verdient gemacht haben. Außerdem trifft sich unter dem Dach des Dreikönigsvereins regelmäßig ein philosophischer Gesprächskreis. Finanziell abgesichert wird der Verein dabei von einer Stiftung, für die - und hier schließt sich der Kreis - Spenden gesammelt werden. Und auch wenn das gesellschaftliche Ereignis des Dreikönigstages, das große Festessen mit prominentem Redner, 2022 zum zweiten Mal ausfallen muss, die Spendensumme ist mit rund 75.000 Euro - wie schon im vergangenen Jahr - außergewöhnlich hoch. Peter Hahne wiederum hat schon zugesagt für 2023. Prachtl freut´s.

 

Weitere Informationen
Dorf Stadt Kreis: Porträt von Thomas Naedler  Foto: Jörn Lehmann

Dorf Stadt Kreis – starke Geschichten aus dem Norden

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Dorf Stadt Kreis – starke Geschichten aus dem Norden | 06.01.2022 | 15:00 Uhr

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