Stand: 17.09.2020 12:49 Uhr

Rätsel des Brückentinsees gelöst?

Für das Rätsel des Brückentinsees im Südosten Mecklenburg-Vorpommerns gibt es offenbar eine Lösung. Das merkwürdige Oval, das auf Drohnenbildern auf der Wasseroberfläche zu sehen war, könnte durch die Fahrt eines Ruderboots entstanden sein. Diese Erklärung jedenfalls scheint mehreren Zuschauern des NDR Nordmagazins plausibel zu sein. Das Boot mit einem einsamen Ruderer ist auf den Aufnahmen in der Nähe des etwa 15 Meter langen Ovals zu sehen, das einen breiten Streifen und einige regelmäßige Punkte am Rand aufweist. Den breiten Rand könnte das Boot auf das mit grünen Algen durchsetzten Wasser "gezeichnet" haben, die Punkte wurden durch die Ruderschläge gesetzt, so die Zuschauer.

VIDEO: Rätsel des Brückentinsees könnte gelöst sein (1 Min)

Taucher suchten den Grund ab

Am Mittwoch hatten Unterwasser-Archäologen des Landesamts für Denkmalpflege versucht, der rätselhaften Struktur im Brückentinsee auf die Spur zu kommen. Am Ende stundenlanger Tauchgänge im trüben, grünen Wasser standen sie ratlos am Ufer. Sie hatten nichts gefunden, was die ovale Zeichnung auf Luftaufnahmen erklären könnte. Barbara Karge, die Chefin des Inselhotels, hatte die Drohnenbilder der Umgebung für einen Werbefilm in Auftrag gegeben. Als sie sie zu Augen bekam, kam sie aus dem Staunen nicht heraus. "Es sieht von oben aus wie ein riesiges Auge oder ein Boot", berichtete Karge. Irgendetwas müsse da in mehreren Meter Tiefe auf dem Grund liegen, etwa zwanzig Meter vom Ufer der Insel entfernt.

Fasziniert von einem Oval

Karge konnte sich auch nach dem Tauchgang der Archäologen keinen Reim darauf machen, zumal in den vergangenen Jahren schon häufiger Luftbilder von der Insel und dem See gemacht worden sind. Nie war diese seltsame Struktur darauf zu sehen. "Wir sind fasziniert von diesem Gebilde, finden es spektakulär und machen uns die schärfsten Gedanken, was es wohl sein könnte", so Barbara Karge einige Tage vor dem Einsatz der Taucher, die die Bilder durchaus für echt hielten. Die Vermutung, im August sei ein Fischernetz durch den See getrieben und habe die ovale Struktur verursacht, mussten sie allerdings verwerfen.

Der Brückentinsee in einer Luftaufnahme, am Grund ist eine geheimnisvolle Struktur zu sehen. Der Brückentinsee in einer Luftaufnahme und die nachgezeichnete Spur eines Ruderbootes.

Wilde Spekulationen in der Region

Nach der Entdeckung des Ovals kursierten die wildesten Gerüchte in der Region im Süden der Feldberger Seenlandschaft. Ein Angler, dem die Hotelchefin die Bilder gezeigt hatte, war überzeugt, dass es sich um einen Riesenwels handeln müsse. "Wir waren natürlich erst einmal begeistert, dass wir hier so einen großen Wels im See mit diesen Ausmaßen haben könnten", erzählt Karge. Ein Fisch von mindestens zehn Metern Länge - die Geschichte vom "Ungeheuer von Loch Brückentinsee" hätte bestimmt deutschlandweit für Aufsehen gesorgt.

Nazi-Schatz im Brückentinsee?

Eine andere Theorie war noch spektakulärer, erzählt die Betreiberin des Inselhotels: Es müsse sich um den legendären "Nazi-Goldschatz" handeln, der bisher im österreichischen Toplitzsee vermutet wurde, war sich ein Mann sicher. Seit den 1950er Jahren haben Taucher in dem Gewässer in der Steiermark immer wieder nach der Goldreserve des Dritten Reichs gesucht, die angeblich am Ende des Krieges dort versenkt wurde - allerdings ohne Erfolg. Liegt der Schatz also eigentlich gar nicht so weit von Berlin entfernt wie lange angenommen, sondern im Süden Mecklenburgs? Das dürfte dann doch eher ins Reich der Phantasie gehören, da sind sich Archäologen schon jetzt ziemlich sicher.

Überreste aus slawischer Zeit?

Herzdame der Herzinsel: Barbara Karge. © NDR/Anne Gänsicke
Hotelchefin Barbara Karge ist von dem Fund vor ihrer Insel fasziniert.

Barbara Karge hat sich Anfang September Rat suchend an den NDR gewandt und danach ihre Luftaufnahmen an das Landesamt für Kultur und Denkmalpflege in Schwerin weitergeleitet. Dort fand man den Fund sofort "wirklich interessant". Genaue Aussagen könnten natürlich erst nach einer gründlichen Untersuchung der Struktur unter Wasser gemacht werden. Womöglich handelt es sich um Überreste einer kleinen slawischen Inselburg, die einst auf Pfählen im See errichtet worden war. Solche Burgen gab es in runden und ovalen Formen - oval wie die Entdeckung im Brückentinsee. Trifft die Theorie zu, wären die Überreste um die 1.000 Jahre alt.

Weitere Informationen
Im grün gefärbten Brückentinsee zeichnet sich eine rätselhafte ovale Struktur ab. © NDR Foto: screenshot

Ovales Rätsel am Grund des Brückentinsees

Eine ovale Struktur am Grund des Brückentinsees im Südosten Mecklenburgs stellt die Anwohner vor Rätsel. Sind es Reste einer uralten Inselburg oder ein versenkter Gold-Schatz? mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 16.09.2020 | 19:30 Uhr

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