Stand: 29.12.2016 09:34 Uhr

Radioaktive Abfälle bis 2055 in Lubmin?

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EWN-Geschäftsführer Cordes rechnet mit einer Lagerung der radioaktiven Abfälle in Lubmin über 2039 hinaus.

Werden die radioaktiven Abfälle noch länger im Lubminer Zwischenlager bleiben als bisher geplant? Wie der Geschäftsführer der für Lubmin zuständigen Energiewerke Nord (EWN), Henry Cordes, am Donnerstag mitteilte, geht er davon aus, dass die Lager-Genehmigung durch das zuständige Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit um mindestens 16 Jahre verlängert werden muss. Bislang hat die Firma eine Genehmigung für die Lagerung der Abfälle bis zum Jahr 2039.

EWN überarbeitet Sicherheitskonzept

Grund seien die veränderten Pläne in Hinblick auf mögliche Endlager in der Bundesrepublik, hieß es. Die Energiewerke Nord betreiben das Zwischenlager. Das geplante Endlager für den mittel- und schwachradioaktiven Abfall, Schacht Konrad in Salzgitter, soll im Jahr 2022 eröffnet werden. Auch dieses Datum sei noch nicht endgültig sicher, hieß es. Daher plant das Unterehmen nach eigenen Angaben eine Modernisierung der Anlagen in Lubmin. Derzeit werden nach Angaben der Geschäftsführung dafür unter anderem Wasser- und Abwasserleitungen auf dem gesamten Gelände erneuert. Darüber hinaus arbeite die Firma weiter an einem Sicherheitskonzept, das die neuen Anforderungen an den Schutz vor terroristischen Anschlägen berücksichtigen soll.

Nach der Wende vom Netz genommen und stillgelegt

In Lubmin wurde 1990 das größte DDR-Kernkraftwerk wegen Sicherheitsbedenken abgeschaltet. Die Anlage war 1973 in Betrieb genommen worden und erbrachte mit einer Gesamtleistung von 1.760 Megawatt einen Anteil von elf Prozent des Strombedarfs der DDR. Nach der Stilllegung 1995 begannen die bundeseigenen Energiewerke Nord (EWN) mit dem Rückbau der Anlage, der noch mindestens bis ins Jahr 2028 andauern wird. Es ist der erste große Rückbau eines deutschen Atomkraftwerks. Die Kosten für den Rückbau der ostdeutschen Atomkraftwerke in Lubmin und im brandenburgischen Rheinsberg werden inzwischen auf 6,6 Milliarden Euro geschätzt. 

Langwieriger Rückbau

Radioaktive Kernbrennstoffe, Reaktoren und Dampferzeuger sind in dem stillgelegten Meiler am Greifswalder Bodden bereits vor Jahren ausgebaut worden. Der letzte radioaktiv verstrahlte Reaktor wurde 2009 ins benachbarte Zwischenlager gebracht. Vor einigen Wochen begann die Demontage der vier knapp 100 Meter hohen, weithin sichtbaren Schornsteine in Lubmin.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 29.12.2016 | 09:00 Uhr

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