Proteste: Bauern erwarten Antworten von Verarbeitern

Stand: 19.11.2020 19:34 Uhr

Landwirte waren in ganz Mecklenburg-Vorpommern unterwegs, um sich die Antworten von den großen Molkereien und Schlachthöfen zu ihren jüngst gestellten Forderungen einzuholen.

Vor einer Woche hatten die Bauern schriftlich ihre Forderungen nach höheren Preisen für Fleisch und Milch übergeben. Unter anderem 15 Cent mehr pro Liter Milch sollen es sein. Sämtliche Antworten sollen bis zum 23. November ausgewertet werden, sagt Peter Guhl, Sprecher der Freien Bauern. Vor Molkereien in Wismar, Dargun und Altentreptow (Mecklenburgische Seenplatte) sowie dem Schlachthof in Teterow (Landkreis Rostock) und einem Pizza-Hersteller in Wittenburg (Ludwigslust-Parchim) fuhren Landwirte mit Traktoren vor.

Gespräch mit Ostseemolkerei-Chef

Guhl selbst sprach mit dem Geschäftsführer der Ostseemolkerei in Wismar, Klaus Rücker. Dieser habe allerdings klar gemacht, dass er nicht mehr für Milch bezahlen könne. Rücker habe den Landwirten lediglich zusichern können, dass er sich für eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung für Milchprodukte einsetzen werde, damit der Verbraucher auch weiß, woher die Milch beispielsweise für die in Wismar hergestellte Käse kommt.

Höhere Preise derzeit unwahrscheinlich

Guhl geht davon aus, dass auch die Forderungen nach höheren Fleischpreisen derzeit wenig Beachtung finden. Beim Schweinefleisch gibt es einfach zu viele Schweine und zu wenig Schlachtkapazität. Rindfleisch werde wegen geschlossener Restaurants derzeit deutlich weniger verkauft und wegen der sich ausbreitenden Vogelgrippe sei auch der Geflügelfleisch-Preis im Keller, so Guhl.

Kritik an "ruinösen Preisen"

Die Bauern beklagen seit Monaten "ruinöse Preise" für Milch und Fleisch. Die Corona-Krise und die Afrikanische Schweinepest verschärfen diese Preissituation nach Ansicht von Landesagrarminister Till Backhaus (SPD) noch. Die Antworten der Verarbeiter sollen beim Bündnis "Milchdialog", dem Verbände wie der Bund Deutscher Milchviehhalter und das Bündnis "Land schafft Verbindung" angehören, ausgewertet werden. Am 23. November soll bekanntgegeben werden, ob und in welcher Form weiter für eine Verbesserung der Situation demonstriert wird.

Weitere Informationen
Landwirte demonstrieren mit Traktoren für höherer Milch- und FLeischpreoise  Foto: NDR

Protest der Landwirte vor Molkereien und Verarbeitern

Die Bauern forderten höhere Preise für Milch und Fleisch. Die Situation sei "ruinös". mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 19.11.2020 | 13:00 Uhr

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