Stand: 09.10.2019 11:25 Uhr

Protest von Landwirten: Immer mehr grüne Kreuze

Landwirt René Rempt aus Stoltenhagen will mit den grünen Kreuzen aufrütteln: "Wir werden zerrieben zwischen dem Markt und dem Anspruch der Gesellschaft."

Sie stehen beispielsweise an der A14, an der Bundesstraße zwischen Grimmen und Stralsund und an der B192 in Höhe Laschendorf bei Malchow: grüne Kreuze. Auf immer mehr Ackerflächen sind sie zu sehen. Deutschlandweit sollen es schon mehr als 10.000 sein. Mit den grünen Kreuzen wollen Landwirte auf ihre schwierige Lage aufmerksam machen. "Wir haben Angst um unsere Zukunft", sagt Landwirt René Rempt aus Stoltenhagen (Landkreis Vorpommern-Rügen). Der 34-Jährige ist Mit-Initiator der Aktion und hat bei Grimmen das bundesweit erste grüne Kreuz aufgestellt. Pferdehalter, Sauenhalter, kleine Betriebe, große Betriebe - sie alle unterstützen laut Rempt die Aktion.

Protest gegen das Agrarpaket und immer mehr Auflagen

"Bei den grünen Kreuzen geht es um Protest gegen das Agrarpaket", sagt er. "So wie es jetzt gemacht ist, ist es für die Landwirtschaft sehr schädlich." Es werde dazu führen, dass der landwirtschaftliche Strukturwandel zunehme und auch große Betriebe treffe. Landauf landab fürchteten Landwirte massive Einkommensverluste und ein Höfesterben, so Rempt. Im Agrarpaket geht es um den Insektenschutz, das Tierwohl-Label und Fördergelder, die künftig an den Umweltschutz gebunden sind. "Wir wollen aufrütteln: Liebe Gesellschaft, grundsätzlich sind wir bereit, viel von dem zu tun, was ihr möchtet. Aber das geht nicht ohne flankierende Maßnahmen", erklärt der Landwirt. Es könne nicht sein, dass Landwirte immer nur neue Auflagen bekämen. So sei es unmöglich, zu Weltmarktpreisen zu produzieren.

Ein Mitinitator der Aktion, René Rempt, im Gespräch über die grünen Kreuze.

Protest-Aktion gegen Agrarpolitik der EU

Nordmagazin -

Mit grünen Kreuzen wollen Landwirte auf das Aussterben der Höfe aufmerksam machen. Sie machen die aktuelle Agrarpolitik von Bund und EU dafür mitverantwortlich.

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Knackpunkt Insektenschutzprogramm

Knackpunkt sei das Insektenschutzprogramm, so Rempt. Pflanzenschutzmittel sollen in Schutzgebieten nicht mehr angewendet werden. Nach Angaben des Landesbauernverbandes wären in Mecklenburg-Vorpommern 700.000 Hektar betroffen - die Hälfte der landwirtschaftlichen Nutzfläche. Kein Pflanzenschutz bedeute aber auch weniger Ertrag, so Rempt. "Es gibt die ersten Hochrechnungen, die davon ausgehen, dass man zwischen 15 und 30 Prozent weniger erntet auf diesen Flächen." Dazu komme ein höherer Arbeitsaufwand. Es müsse mehr gestriegelt und gehackt werden, was deutlich teurer und weniger effektiv sei. "Oder mehr pflügen. Das führt wiederum zu mehr Bodenerosion, wenn der Acker durch Wind- oder Starkregenereignisse unterwegs ist."

Unterschiedliche Interessen prallen aufeinander

Beim Insektenschutz stehen sich die Interessen der Landwirtschaft und des Naturzschutzes gegenüber. Der Naturschutzbund Deutschland begrüßt das Insektenschutzprogramm und will es "kritisch" begleiten, wie es hieß. Der Verband fordert zudem, dass die Hektarprämie nicht nur um 4,5 Prozent, sondern sogar um 15 Prozent gekürzt werden sollte - für den Naturschutz.

Mit Naturschutz Geld verdienen

"Wir Landwirte sind nicht gegen Insektenschutz, Umwelt- und Naturschutz", stellt Rempt klar. Wenn aber Landwirte statt Getreide insektenfreundliche Blühstreifen säen sollen, dann müsse sich das auch auszahlen, denn die Flächen seien teuer. Bauern müssten mit Naturschutz Geld verdienen können, fordert Rempt. Das möchte er gerne allen Interessierten erklären. Sein grünes Kreuz sei eine Einladung, mit ihm ins Gespräch zu kommen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 09.10.2019 | 12:00 Uhr

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