Prämiensparverträge vor dem Aus: Was Kunden jetzt prüfen sollten

Stand: 14.05.2021 10:55 Uhr

Satte Zinsen, sichere Geldanlage: Prämiensparen war aus Sicht der Kunden oft eine lukrative Angelegenheit. Doch mehrere Sparkassen wollen die Verträge jetzt kündigen. Verbraucherschützer warnen: Wer dem Angebot voreilig zustimmt, muss unter Umständen auf viel Geld verzichten.

Verschiedene Sparkassen kündigen jetzt ihre Prämiensparverträge. Davon könnten nach Schätzungen der Verbraucherzentrale Mecklenburg-Vorpommern mehr als 50.000 Verträge im Land betroffen sein.

Geldanlage mit Zinsen und Boni

"Prämiensparverträge sind besonders in den 1990er-Jahren vertrieben worden", erzählt Kathrin Peter von der Verbraucherzentrale Mecklenburg-Vorpommern in Neubrandenburg. "Die Prämiensparverträge waren damals sowohl für die Kunden als auch für die Banken attraktiv." Monatlich haben die Kunden eine gleichbleibende Summe auf ein Sparkonto eingezahlt. Dieses Geld wurde verzinst. Außerdem gab es ab dem dritten Sparjahr noch einen Bonus auf die jährlich eingezahlte Summe. Dieser Bonus betrug ab dem 15. Sparjahr sage und schreibe 50 Prozent, so Kathrin Peter weiter. Das heißt für monatlich eingezahlte 150 Euro, also 1.800 Euro jährlich, gibt es 900 Euro Bonus, eben 50 Prozent.

Sparkassen bieten Vertragswechsel an

Durch die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank rechnen sich die Prämiensparverträge für die Banken offensichtlich nicht mehr. So wolle die Sparkasse Neubrandenburg-Demmin die Prämiensparverträge im Herbst kündigen, teilte Sparkassen Sprecherin Sandra Schwanke dem Nordmagazin mit, und ihren Kunden alternative Anlagemöglichkeiten anbieten. "Entscheiden sich die Kunden für einen Wechsel, erhalten sie einen Abschlussbonus und verzichten auf etwaige Zinsansprüche (aus dem Prämiensparvertrag Anm. d. Red.)", schreibt Sandra Schwanke weiter.

Verbraucherzentrale Mecklenburg-Vorpommern warnt

Allerdings warnt Kathrin Peter von der Verbraucherzentrale in Neubrandenburg vor voreiligen Unterschriften. "Wenn Verbraucher einer Auflösung des Prämiensparkontos zustimmen oder womöglich von sich aus kündigen, dann können hohe Zinszahlungen verlorengehen. Im Einzelfall mehr als 11.000 Euro Zinsen." Denn die Höhe der Zinszahlungen aus den Prämiensparverträgen sei durchaus strittig.

Tipps für Prämiensparer

Verbraucher sollten ihren Prämiensparvertrag nicht selbst kündigen. Sie sollten sich auch nicht auf eine einvernehmliche Vertragsauflösung einlassen, da so Zinsansprüche verloren gehen könnten, sagt Kathrin Peter von der Verbraucherzentrale Mecklenburg-Vorpommern. Und weiter: "Wenn die Bank den Prämiensparvertrag kündigt, lassen sie die Kündigung prüfen. Das übernehmen die Verbraucherzentralen in Mecklenburg-Vorpommern oder Fachanwälte." Außerdem empfiehlt Kathrin Peter auch die Höhe der Zinszahlungen prüfen lassen.

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Dieses Thema im Programm:

Nordmagazin | 14.05.2021 | 19:30 Uhr

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