Stand: 13.12.2019 06:19 Uhr  - NDR 1 Radio MV

Postauto-Raub: Innenminister kritisiert Justiz

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m Fall eines geraubten Postautos bei Friedland kritisiert Innenminister Caffier die Justitz. Die beiden Tatverdächtigen waren nach vorherigen Taten weiter auf freiem Fuß.

Im Fall eines geraubten Postautos bei Friedland hat Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier (CDU) das Vorgehen der Staatsanwaltschaft kritisiert. Einer der Tatverdächtigen war nach vorherigen Taten bis zum jetzt vollstreckten Haftbefehl auf freiem Fuß. Er könne nicht nachvollziehen, dass der Mann "fast täglich Straftaten begehen konnte, von der Polizei gestellt wurde und die Rechtslage ein Einsperren dennoch nicht hergibt", teilte Caffier am Donnerstag in Schwerin mit. Dies bedürfe einer intensiven Aufarbeitung.

Untersuchungshaft erst nach Postauto-Raub

Die beiden nun Festgenommenen sind dringend verdächtig, eine 23 Jahre alte Postbotin in Salow bei Friedland (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) am Mittwoch niedergeschlagen und ihr anschließend die Autoschlüssel sowie ihr Handy geraubt zu haben, erklärte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Gerd Zeisler. Die beiden Männer und eine 15-Jährige waren erst nach einer 60 Kilometer langen Verfolgungsjagd bei Jarmen gefasst worden, als sie dort mit dem Postauto in einen Straßengraben fuhren. Daraufhin hatte das Amtsgericht Neubrandenburg am Donnerstagnachmittag Haftbefehle erlassen. Den 19 und 20 Jahre alten Männern aus Neubrandenburg und Neustrelitz werden unter anderem gemeinschaftlich begangener schwerer Raub und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen.

Staatsanwalt: Beweise reichten nicht aus für Haftantrag

Die mutmaßlichen Täter waren schon wenige Tage vor dem Postauto-Raub in einem anderen Fall von der Polizei gefasst worden, mussten aber mangels eines Haftbefehls wieder freigelassen werden. Konkret wird dem Duo vorgeworfen, am Wochenende bei einer Firma in Neubrandenburg eingebrochen zu sein und einen Transporter gestohlen zu haben. Sie waren in dem gestohlenen Fahrzeug am Dienstag von Polizisten gestellt worden, nachdem ein Zeuge das Fahrzeug wiedererkannt hatte. Dabei hatten die Beamten festgestellt, dass der 20-jährige Fahrzeugführer keine Fahrerlaubnis besitzt und zudem Anzeichen auf den Konsum von Betäubungsmitteln zeigte. Die Verdächtigen sollen zudem mit dem gestohlenen Transporter am Sonntag einen Tankbetrug an einer Tankstelle in Neustrelitz begangen haben.

Laut Staatsanwaltschafts-Sprecher Zeisler hatten die Beweise nicht ausgereicht, um Haftbefehle zu beantragen. Einen dringenden Tatverdacht hinsichtlich eines schweren Einbruchdiebstahls habe es nicht gegeben. "Darüber hinaus lagen auch keine weiteren Haftgründe wie etwa Fluchtgefahr oder Verdunkelungsgefahr vor", so Zeisler.

Verdächtiger soll im November tödlichen Unfall verursacht haben

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Einzelheiten zum Motiv des Raubes sind bislang unklar.

Unklar bleibt, warum der diensthabende Staatsanwalt nicht einen schweren Vorfall mit einem Auto vor etwa zwei Wochen zumindest bei dem 20-jährigen mutmaßlichen Täter berücksichtigte. Dieser hatte sich nämlich bereits am 28. November angetrunken und ohne Fahrerlaubnis schon einmal eine Verfolgungsfahrt mit der Polizei geliefert. Diese Flucht endete an einen Baum. Einer der Mitfahrer war bei dem Unfall ums Leben gekommen.

Schusswaffengebrauch bei Verfolgung

Bei der jüngsten Verfolgungsjagd waren am Mittwoch fünf Menschen verletzt und mehrere Streifenwagen beschädigt worden. Wie die Polizei am Donnerstag mitteilte, hätten Beamte bei der Verfolgung auch geschossen. Dabei sei aber niemand verletzt worden. Die näheren Umstände würden nun untersucht, hieß es weiter.

19 Streifenwagen beteiligt

Die Polizei korrigierte ihre Angaben zu den Details mehrfach. Mehr als 30 Beamte in insgesamt 19 Streifenwagen sowie ein Polizeihubschrauber waren an der Verfolgung der Flüchtigen beteiligt. Diese rasten laut Polizei mit bis zu 150 Kilometer pro Stunde durch mehrere Ortschaften. Nur durch das umsichtige Verhalten anderer Verkehrsteilnehmer sei es zu keinen Verkehrsunfällen gekommen, teilte ein Sprecher mit.

"Ein riesiger Polizeieinsatz"

In Stresow bei Jarmen kamen die jungen Leute schließlich von der Straße ab und fuhren in einen Straßengraben. Zuvor hatten sie auf ihrer Flucht zwei Streifenwagen der Polizei gerammt. Die Polizei konnte die verletzten Männer und die Frau schließlich fassen. Sie wurden unter Polizeischutz mit Rettungswagen in Krankenhäuser gebracht. Der 19-jährige Beifahrer wurde am Mittwochabend aus dem Krankenhaus entlassen und zunächst in Polizeigewahrsam genommen. "Für unsere Verhältnisse war das ein riesiger Polizeieinsatz", so der Polizeisprecher. Ein Beamter sei bei der Fahndung leicht an der Hand verletzt worden, hieß es zudem.

Motive unklar

Einzelheiten über das Motiv für den Raub sind bislang nicht bekannt, die Polizei ermittelt. Der Gesamtschaden ist laut Polizei derzeit nicht bezifferbar. Das 15-jährige Mädchen soll in seiner ersten Vernehmung gesagt haben, dass es in das vor einer Woche gestohlene Auto nur eingestiegen sei, weil einer der Tatverdächtigen ihr gesagt habe, dass der Wagen einem Bekannten gehöre. Gegen die 15-Jährige wurde kein Haftbefehl erlassen, es werde aber weiter gegen sie ermittelt, so Zeisler.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 13.12.2019 | 06:00 Uhr

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