Polizisten durchsuchen einen Garagenkomplex in Löcknitz. © NDR Foto: Christopher Niemann

Polizei-Großaufgebot durchsucht Gebäude in Vorpommern

Stand: 01.10.2020 18:14 Uhr

Ein Polizei-Großaufgebot hat mehrere Objekte in Vorpommern durchsucht. Zwei Männer mit Verbindung zu einer rechtsradikalen Gruppe sollen Anschläge auf Polizisten in Betracht gezogen haben.

Im Landkreis Vorpommern-Greifswald sind am Donnerstag mehrere Objekte durchsucht worden. Insgesamt waren 160 Polizeibeamte im Einsatz. Sie suchten seit dem Morgen nach Waffen, Munition, Dokumenten und elektronischen Medien. Nach Angaben des Landeskriminalamtes wurden Speichermedien sichergestellt und auch "Gegenstände", die nun darauf hin untersucht würden, ob sie unter das Waffengesetz fallen.

Anschläge auf Polizisten geplant?

Es werde wegen des Verdachts einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat, aber auch wegen des Verdachts des Vorstoßes gegen das Waffengesetz ermittelt, so Oberstaatsanwalt Harald Nowack von der für Terrorismus- und Extremismusbekämpfung zuständigen Staatsanwaltschaft Rostock. Ein 52-jähriger und 44-jähriger Deutscher aus der Region sollen in Betracht gezogen haben, Menschen zu töten - insbesondere "uniformierte Kreise", so Nowack weiter.

Beide Männer auf freiem Fuß

Einer der verdächtigen Männer soll einer Gruppe angehören, die nach Erkenntnissen der Polizei rechtsradikale Ansichten vertritt. Bei den Durchsuchungen sollen beide kooperativ gewesen sein. Beide Männer sind laut Nowack auf freiem Fuß und unterliegen auch keinen Meldeauflagen. Für sie gelte immer noch die Unschuldsvermutung, so der Oberstaatsanwalt.

"Keine Unbekannten"

Die Staatsanwaltschaft unterscheidet bei einer Tötungsabsicht, ob sie sich gegen Staatsbedienstete oder die Zivilbevölkerung richtet. Richtet sie sich gegen Polizisten, ermittelt sie wegen einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat. Deshalb betont die Staatsanwaltschaft die mutmaßliche Tötungsabsicht gegen Polizeibeamte. Den Durchsuchungen waren laut Nowack Ermittlungen des Landeskriminalamts vorausgegangen. "Insofern waren die beiden Beschuldigten keine Unbekannten für uns."

Garagenkomplex in Löcknitz im Fokus

Anhaltspunkte dafür, dass eine unmittelbare Gefahr für die Bevölkerung bestand, lagen den Ermittlern nicht vor. Zu den genauen Orten der Durchsuchungen äußerte sich Nowack nicht. Nach NDR Informationen wurden auch ein Wohnhaus und ein Garagenkomplex in Löcknitz nahe der Grenze zu Polen durchsucht. Dabei handelt es sich um denselben Garagenkomplex, den Rechtsextreme und "Reichsbürger" als Szenetreff genutzt hatten, bis der Landkreis das verboten hatte.

Caffier: "Halten den Druck und werden nicht nachlassen"

Nach den Worten von Innenminister Lorenz Caffier (CDU) sind die Durchsuchungen Belege für die Wehrhaftigkeit des demokratischen Staates. "Die Sicherheitsbehörden unseres Landes sind wachsam und jederzeit handlungsfähig im Kampf gegen Extremismus und Terrorismus. Wir halten den Druck und werden nicht nachlassen", so der Minister. Erst Mitte September waren wegen Extremismusverdachts bereits Wohn- und Geschäftsräume eines Mannes bei Neubrandenburg durchsucht und Speichermedien beschlagnahmt worden.


01.10.2020 14:24 Uhr

Hinweis der Redaktion: In der ersten Version dieses Artikels hieß es noch, es seinen Waffen beschlagnahmt worden. Das hat sich aber nicht bestätigt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 01.10.2020 | 18:00 Uhr

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