Podcast "Dorf Stadt Kreis": Regionen durch Kunst voranbringen

Stand: 18.11.2021 16:06 Uhr

Seit Oktober laufen in Strasburg und Rothenklempenow die Dorfresidenzen. In jedem Ort lebt eine Künstlerin sechs Monate lang und soll gemeinsam mit den Bewohnern kreativ sein. Egal wie. Das Ergebnis ist offen. Das funktioniert nicht ganz ohne Schwierigkeiten.

von Annette Ewen

"Die Künstler kommen mit einer weißen Leinwand", so beschreibt David Adler das Projekt. Er ist Leiter des Kulturlandbüros aus Schloss Bröllin, das die Dorfresidenzen initiiert hat. Denn das besondere an dem Projekt ist, dass sich die Bewohner selbst ausgesucht haben, wer zu ihnen kommt. Der Gedanke sei, Kunst und Kultur als Katalysator zu verwenden, um Regionalentwicklung nach vorne zu bringen. "Schon die Auseinandersetzung bei der Auswahl, welcher Künstler passt zu meinem Ort, ist ja schon ein Prozess, wo ganz viele Akteure sich Gedanken machen müssen."

Die schönste Zeit auf der Arbeit

Rothenklempenow bei Pasewalk, etwas über 600 Einwohner, hat sich für Gertje Graef entschieden. Die Ärztin, Theaterregisseurin und Schriftstellerin will ein Buch über die Frauen in dem Ort schreiben. Dafür trifft sie sich wöchentlich mit Frauen und unterhält sich mit ihnen. Immer mit dabei ihr einjähriger Sohn. Ein Türöffner bei vielen Begegnungen, wie sie sagt. "Was ich hier erfahren habe, ist, dass die Wendezeit eine ganz, ganz, schwierige Zeit für die Leute war", erzählt sie. Die Frauen hatten ihre schönste Zeit auf der Arbeit. "Das war toll. Und das haben sie verloren. Das ist Thema vor allen Dingen bei den Älteren." Am Ende der sechs Monate plant sie eine Lesung und eine Ausstellung mit Fotos und Zitaten der Frauen.

Dorf Stadt Kreis: Porträt von Thomas Naedler  Foto: Jörn Lehmann
AUDIO: Folge 57 - Wenn sich Dörfer Künstler wünschen: das Projekt Dorfresidenzen (26 Min)

Offen, aber keine konkreten Pläne

Strasburg ist zwar eine Stadt, hat aber dennoch eine Dorfresidenz bekommen, weil in den letzten Jahren viel verloren gegangen sei, so die Begründung. 1990 hatte die Stadt noch knapp 8.000 Einwohner, mittlerweile sind es nur noch etwa 4.500. Der Ort hat sich für die Dokumentarfilmerin Sabrina Dittus entschieden. Ihr Thema ist Gemeinschaft. Die Dorfresidenz ist mit einigen Schwierigkeiten losgegangen. Die große Erwartung war, dass sie einen Film über Strasburg mache und so die Menschen zusammenbringe, erzählt Stadtpräsidentin Gudrun Riedel. Dafür reichen aber weder Geld noch Zeit, so Dittus. Sie arbeitet an einem Dokumentarfilm und will ihre Erfahrungen in Strasburg einfließen lassen. Konkrete Pläne für Projekte in Strasburg hat sie nicht. Sie möchte mit den Leuten in ein Miteinander kommen und herausfinden, was sich die Strasburger wünschen. "Oft braucht es je eine, die das in die Hand nimmt. Das fehlt oft. Dafür bin ich da, so ein bisschen Zugpferd-Charakter zu übernehmen", sagt die Künstlerin.

Dorfresidenzen bis 2024

Ins Leben gerufen hat das Projekt das Kulturlandbüro, das aus dem Programm "Trafo – Modelle für Kultur im Wandel" entstanden ist. Die Dorfresidenzen sind bis 2024 finanziert. Im Moment läuft die nächste Ausschreibung für die Orte. "Seien Sie mutig, bewerben Sie sich", sagt David Adler. Die Dorfresidenz ist für die Gastgeber mit keinen Kosten verbunden, sie müssen lediglich eine Wohnung stellen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Dorf Stadt Kreis – starke Geschichten aus dem Norden | 18.11.2021 | 15:00 Uhr

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