Stand: 02.12.2018 09:49 Uhr

Peene-Werft in Wolgast: Kurzarbeit beginnt

Enttäuschung bei den Arbeitern der Peene-Werft in Wolgast nach der Mitarbeiterversammlung.

Ein Teil der Mitarbeiter der Peene-Werft in Wolgast ist am Sonnabend offiziell in Kurzarbeit. Betroffen sind nach Informationen von NDR 1 Radio MV zunächst 100 der 300 Beschäftigten. Zuvor hatten sie wochenlang Überstunden abgebummelt und Urlaub genommen. Das Unternehmen hat die Kurzarbeit vorsorglich für ein Jahr angemeldet. Denn bislang sei unsicher, ob die Bundesregierung den Anfang November verhängten und für zwei Monate geltenden Exportstopp von Rüstungsgütern nach Saudi-Arabien aufhebt oder verlängert.

Nur wenig Neues bei der Mitarbeiterversammlung

Am Freitag hatte die Geschäftsleitung die Werftarbeiter über weitere Entwicklungen informiert. Bei der nicht-öffentlichen Mitarbeiterversammlung waren auch Ministerpräsidentin Manuela Schwesig und Vorpommern-Staatssekretär Patrick Dahlemann (beide SPD). In dieser schwierigen Zeit wolle sie für die Beschäftigten da sein und sich ihre Sorgen anhören, sagte Schwesig nach der Betriebsversammlung.

Schwesig fordert mehr Unterstützung von Bundesregierung

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Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) nach ihrem Besuch auf der Peene-Werft in Wolgast.

Von der Bundesregierung forderte sie mehr Unterstützung für die Peene-Werft. Die Beschäftigten bräuchten vor allem eine Perspektive, so Schwesig weiter. Es müsse eine Zukunft für die Peene-Werft unabhängig von Aufträgen aus Saudi-Arabien geben. Schwesig hofft auf mehr Arbeit für die Peene-Werft im kommenden Jahr. Sie stellte einen Auftrag der Deutschen Marine in Aussicht über den Bau von zwei Korvetten. Außerdem sei der Bau einer Explorer-Jacht zu Beginn des kommenden Jahres in Vorbereitung.

Kurzarbeitergeld aufstocken

Die Unternehmensleitung der Lürssen-Gruppe, zu der die Peene-Werft gehört, plant derweil, das Kurzarbeitergeld aufzustocken, wie es hieß. Ziel ist es offenbar, die Werftarbeiter in Wolgast zu halten. Denn in Stralsund, Wismar und Warnemünde suchen die MV-Werften Schiffbauer. Nach Aussagen des Betriebsrats gebe es eine klare Tendenz, sich anderswo zu bewerben.

Noch vier Boote für Saudi-Arabien

Die Lürssen-Gruppe hatte nach dem Exportstopp rund 300 Beschäftigten Kurzarbeit angekündigt. Von den 35 bestellten Booten für Saudi-Arabien hat die Werft erst 15 ausgeliefert. Vier weitere Boote sollen noch fertiggestellt werden. Der Bau von weiteren Schiffen hatte bereits begonnen, ruht nun aber. Mit den in Aussicht stehenden Aufträgen kann die Werft nach eigenen Angaben das derzeitige Auslastungstief durch den Baustopp nicht aufgefangen.

Wolgast befürchtet Verluste bei der Steuer

Die Bundesregierung hatte nach dem gewaltsamen Tod eines regimekritischen Journalisten einen Lieferstopp für Saudi-Arabien verhängt. Im Umfeld der Wolgaster Werft war zuletzt Unmut über die politische Entscheidung in Berlin laut geworden. Wie Wolgasts Bürgermeister Stefan Weigler (parteilos) sagte, hatten Vertreter auf einem Unternehmerstammtisch vor den Auswirkungen für die Region gewarnt. Die Stadt Wolgast befürchte hohe Verluste bei den Steuereinnahmen. Außerdem seien rund 2.000 Arbeitsplätze in der Region mittelbar von der Werft abhängig, so Weigler.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 30.11.2018 | 17:10 Uhr

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