Am Grenzübergang von Deutschland nach Polen fahren PKW und ein LKW in Richtung Polen. © Ch. Niemann Foto: Christopher Niemann

Pasewalk: Polizei greift mehr als 120 Migranten und zwölf Schleuser auf

Stand: 08.10.2021 15:04 Uhr

Im deutsch-polnischen Grenzgebiet in Vorpommern sind am Mittwoch und Donnerstag insgesamt 124 Migranten unter anderem aus dem Iran und dem Irak wegen des Verdachts der illegalen Einreise in Gewahrsam genommen worden. Zuletzt hatte die Polizei immer wieder Migranten nach illegalem Grenzübertritt aufgegriffen - viele kamen über die neue Fluchtroute über Belarus.

Wie die Bundespolizei am Freitag mitteilte, wurden allein am Donnerstag 103 Migranten ohne gültige Aufenthaltspapiere sowie zwölf mutmaßliche Schleuser festgenommen. Das sind etwa drei Mal so viele wie sonst an einem Tag. Allerdings kontrolliere die Polizei in letzter Zeit auch mehr und es kämen immer mehr Hinweise aus der Bevölkerung, sagte ein Sprecher. Am Tag zuvor hatten die Beamten im deutsch-polnischen Grenzgebiet 21 irakische Staatsangehörige aufgegriffen. Die Frauen, Männer und Kinder seien in mehreren Gruppen zwischen der A11 bei Pomellen und der B104 bei Löcknitz (Landkreis Vorpommern-Greifswald) unterwegs gewesen.

Flüchtlinge in Erstaufnahmeeinrichtungen gebracht

Usnarz Gorny: Migranten sitzen nach dem Grenzübertritt von Belarus nach Polen hinter Sicherheitskräften. © dpa-Bildfunk Foto: Mateusz Wodziski/AP/dpa
An der belarussisch-polnischen Grenze werden immer wieder Migranten aufgegriffen.

Die mutmaßlichen Schleuser wurden zu Dienststellen der Bundespolizeiinspektionen Pasewalk, Stralsund und Rostock gebracht, wo weiter ermittelt wird. Die Migranten stellten Asylanträge und wurden in Erstaufnahmeeinrichtungen nach Berlin und Horst bei Boizenburg in Westmecklenburg gebracht. Bürger hatten die Polizei auf die Migrantengruppen hingewiesen. Allein im Raum Pasewalk sind seit Jahresbeginn rund 300 Flüchtlinge aufgegriffen worden - deutlich mehr als in den Vorjahren. Im Grenzgebiet zwischen Brandenburg und Polen wurden laut Bundespolizei von August bis zum 5. Oktober insgesamt 1.951 unerlaubt eingereiste Personen festgestellt. In den Vormonaten des Jahres 2021 waren es 26 Meldungen. Das Bundesinnenministerium bestätigte, dass die Zahl solcher illegalen Grenzübertritte stark zugenommen hat. Hintergrund sei die derzeitige dynamische Lage der Migration durch Belarus, hieß es. Nach bisherigen Erkenntnissen reise ein Großteil der aufgegriffenen Personen in Belarus ein und dann über Schleuser über Litauen und Polen weiter nach Westen.

Belarus-Machthaber Lukaschenko hält Migranten nicht mehr von Einreise ab

Urheber der neuen Fluchtroute ist der belarussische Machthaber Alexander Lukaschenko. Dieser hatte Ende Mai angekündigt, dass Belarus Migranten nicht mehr an der Weiterreise in die EU hindern werde - als Reaktion auf verschärfte westliche Sanktionen gegen die ehemalige Sowjetrepublik. Seitdem waren vor allem viele Iraker und Syrer nach Belarus gereist, um von dort in die EU zu gelangen.

Zwölf EU-Staaten fordern "physische Barrieren" gegen Migration an EU-Außengrenze

Angesichts eines anhaltenden Zustroms von Migranten hat das polnische Parlament jüngst den Ausnahmezustand an der Grenze zum Nachbarn Belarus um zwei Monate bis Ende November verlängert. Der Grenzschutz wird zudem von 2.400 Soldaten unterstützt. Allein im September haben nach Angaben des Nationalen Sicherheitsbüros fast 7.000 Migranten versucht, die Grenze zwischen beiden Ländern illegal zu überqueren. Im September des Vorjahres seien es rund 120 gewesen. Polen, Österreich und zehn weitere EU-Staaten haben derweil mehr "physische Barrieren" an den europäischen Außengrenzen gegen unerwünschte Migration gefordert.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 08.10.2021 | 14:00 Uhr

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