Eine Fußgängerbrücke zwischen Polen und Deutschland, mit Grenzpfeilern in den Flaggenfarben markiert.

Pasewalk: Polizei greift an zwei Tagen mehr als 50 Migranten auf

Stand: 04.10.2021 12:04 Uhr

In den vergangenen Tagen sind erneut zwei größere Gruppen illegal nach Deutschland eingereister Iraker, Iraner und Syrer im Bereich der Bundespolizeiinspektion Pasewalk aufgegriffen worden. Noch immer gelingt vielen Migranten trotz des verstärkten Grenzschutzes in Polen und Litauen die Einreise in die EU aus Belarus.

Am Freitag nahmen Beamte der Gemeinsamen deutsch-polnischen Dienststelle sowie Kräfte des Bundespolizeireviers aus Pomellen (Landkreis Vorpommern-Greifswald) in den frühen Morgenstunden in Gegensee 24 Iraker und Syrer nach einem Hinweis aus der Bevölkerung fest. Auch zwei Iraker, die die Gruppe mit Fahrzeugen abholen wollten, um die Flüchtlinge in Deutschland zu verteilen, gingen den Einsatzkräften ins Netz.

Migranten stellen Asylanträge

Am Sonnabendvormittag stellten die Beamten eine Gruppe von 31 Irakern und Iranern fest. Die illegal nach Deutschland eingereisten waren zu Fuß auf einer Straße zwischen Nadrensee und Krackow unterwegs. Nach Angaben der Bundespolizeiinspektion Pasewalk stellten alle eingeschleusten Migranten Asylanträge. Sie wurden in Aufnahmestellen nach Nostorf-Horst (Kreis Ludwigslust-Parchim) und Berlin gebracht. Allein im Raum Pasewalk sind seit Jahresbeginn mindestens 170 Flüchtlinge aufgegriffen worden - deutlich mehr als in den Vorjahren.

1.300 illegale Einreisen im September nach Brandenburg

Usnarz Gorny: Migranten sitzen nach dem Grenzübertritt von Belarus nach Polen hinter Sicherheitskräften. © dpa-Bildfunk Foto: Mateusz Wodziski/AP/dpa
An der belarussisch-polnischen Grenze werden immer wieder Migranten aufgegriffen.

Auch andernorts im Grenzgebiet zu Polen ist die Zahl der illegalen Einreisen massiv angestiegen. Entlang der deutsch-polnischen Grenze nach Brandenburg, die mit rund 280 Kilometern Länge ein Vielfaches der nur rund 50 Kilometer langen Grenze zwischen Mecklenburg-Vorpommern und Polen beträgt, sind nach Angaben der Bundespolizei seit Jahresbeginn bis Ende September seien insgesamt 1.556 unerlaubt eingereiste Personen festgestellt worden, die über Belarus beziehungsweise aus Litauen oder Polen eingereist seien. Der Zustrom war zuletzt stark angestiegen. Gab es im August noch 225 Fälle, waren es allein im September schon 1.305.

Belarus-Machthaber Lukaschenko hält Migranten nicht mehr von Einreise ab

Urheber der neuen Fluchtroute ist der belarussische Machthaber Alexander Lukaschenko. Dieser hatte Ende Mai angekündigt, dass Belarus Migranten nicht mehr an der Weiterreise in die EU hindern werde - als Reaktion auf verschärfte westliche Sanktionen gegen die ehemalige Sowjetrepublik. Seitdem waren viele Flüchtlinge vor allem aus dem Irak und Syrien nach Belarus gereist, um von dort in die EU zu gelangen.

Polen verlängert Ausnahmezustand an belarussischer Grenze bis Ende November

Angesichts eines anhaltenden Zustroms von Migranten hat das polnische Parlament jüngst den Ausnahmezustand an der Grenze zum Nachbarn Belarus um zwei Monate bis Ende November verlängert. Der Grenzschutz wird zudem von 2.400 Soldaten unterstützt. Allein im September haben nach Angaben des Nationalen Sicherheitsbüros fast 7.000 Migranten versucht, die Grenze ziwschen beiden Ländern illegal zu überqueren. Im September des Vorjahres seien es rund 120 gewesen. Hilfsorganisationen haben den Verdacht, dass Polens Grenzschutz das Gros der Migranten wieder nach Belarus zurückschickt. Das lässt sich wegen des Ausnahmezustands an der Grenze kaum überprüfen, da Journalisten und Helfer nicht in das Gebiet fahren dürfen. Das belarussische Vorgehen verlange eine entschiedene Antwort der EU, sagte EU-Innenkommissarin Ylva Johansson.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 04.10.2021 | 13:00 Uhr

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