Stand: 08.12.2019 13:27 Uhr  - NDR 1 Radio MV

Parteien kritisieren das Aus für Geburtenstation

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Bürger haben am Sonnabend in Crivitz gegen die Schließung der Geburtshilfe protestiert.

Die geplante Schließung der Geburtenstation im Krankenhaus in Crivitz ist parteiübergreifend scharf kritisiert worden. Der gesundheitspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Julian Barlen, sagte, das Verhandlungsergebnis sei erschreckend. Ziel sei es gewesen, die Kinderstation in Parchim und damit die Geburtshilfe zu erhalten. Hierfür die Geburtsstation in Crivitz zu opfern, sei keine Lösung. Ähnlich äußerte sich auch die Vorsitzende der Linksfraktion, Simone Oldenburg. Es sei ein "Armutszeugnis", was sich die Landesregierung mit ihrem Handeln selbst ausstellt. Der Kreisverband der Grünen im Landkreis Ludwigslust-Parchim bezeichnete die Schließung der Kinderstation in Parchim als drastische Verschlechterung der Gesundheitsversorgung im Landkreis insbesondere für Familien und junge Menschen. Alle drei Parteien forderten Gesundheitsminister Harry Glawe (CDU) zu Nachverhandlungen auf.

Bürger demonstrieren in Crivitz

In Crivitz demonstrierten Bürger am Sonnabend gegen die geplante Schließung. Sie forderten von der Politik, die Abteilung zu erhalten. Rund 50 Einwohner, darunter viele Klinikmitarbeiter, versammelten sich mit Transparenten vor dem Gebäude der Stadtbibliothek. Viele waren verärgert, dass Politik und Klinikleitung eine solche Entscheidung ohne Rücksprache mit der Bürgermeisterin und den Stadtvertretern getroffen haben. Auch sei es fraglich, ob der geplante Umzug der Geburtenstation ins Parchimer Krankenhaus funktionieren würde und das Personal auch an den neuen Standort wechselt. In den nächsten Tagen wollen Bürgermeisterin und Stadtvertreter beraten, welche Schritte zur Rettung der Station in Crivitz noch unternommen werden können.

Weniger Geburten als Grund für Schließung genannt

Der Klinikbetreiber und das Schweriner Gesundheitsministerium hatten am Freitag mitgeteilt, dass im Kreis Ludwigslust-Parchim mehrere Krankenhausstationen zum Jahresende geschlossen werden. Davon betroffen sind die Abteilungen für Gynäkologie und Geburtshilfe im Mediclin Krankenhaus in Crivitz. Werdende Eltern, die nach dem 31. Dezember eine Geburt in Crivitz geplant haben, können in Parchim versorgt werden. Das Crivitzer Krankenhaus und die Asklepios Klinik in Parchim haben sich darauf geeinigt, die jeweiligen Abteilungen in Parchim zu bündeln. Grund sei die rückläufige Geburtenzahl. Sowohl in Parchim als auch in Crivitz kamen in diesem Jahr deutlich weniger als 400 Kinder zur Welt.

Parchimer Kinderklinik wird geschlossen

Geschlossen wird zum Ende des Jahres auch die Kinderstation im Parchimer Krankenhaus, in der es seit Monaten bereits keine Ärzte mehr gab. Stattdessen soll in Parchim ein Modellprojekt gestartet werden, sodass kranke Kinder zumindest in einer Tagesklinik stationär versorgt werden können. Dafür will das Gesundheitsministerium vier Betten in den Krankenhausplan aufnehmen. Auch die Besetzung einer ärztlichen Stelle habe das Ministerium dafür in Aussicht gestellt. Auch ein Hubschrauberlandeplatz soll gebaut werden, damit Kinder im Notfall schnell ins medizinische Zentrum nach Schwerin geflogen werden können.

Situation übers Jahr verschärft

Die Zukunft der seit Pfingsten geschlossenen Kinderstation im Parchimer Krankenhaus war bisher ungeklärt. Zunächst waren fünf Ärzte gleichzeitig krank geschrieben, es folgten Kündigungen und Entlassungen. Die Stellen konnten wegen akuten Ärztemangels nicht wieder besetzt werden. Infolgedessen wurden Gespräche mit Ärzten, Krankenkassen sowie Belegschaften geführt. Das nun veröffentlichte Ergebnis - das Bündeln von Abteilungen in den Kliniken in Parchim und Crivitz - war zunächst für Januar angekündigt. 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 06.12.2019 | 15:00 Uhr

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