Stand: 02.03.2017 16:20 Uhr

P+S-Werften und KPMG: Keine gütliche Einigung

P+S-Werften-Insolvenzverwalter Berthold Brinkmann vor dem Saal im Hamburger Landgericht. © dpa Foto: Christian Charisius
Insolvenzverwalter Berthold Brinkmann plädiert in Hamburg auf Schadenersatz von KPMG.

Viereinhalb Jahre nach der Pleite der P+S-Werften in Wolgast und Stralsund findet am Hamburger Landgericht der Prozess gegen die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG statt. Insolvenzverwalter Berthold Brinkmann verlangt von KPMG Schadenersatz in Höhe von mehr als einer halben Milliarde Euro. Brinkmann wirft der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Pflichtverletzung vor.

KPMG will keinen Vergleich

Zum Auftakt der Hauptverhandlung am Donnerstag appellierte die Richterin eindringlich an die Prozessparteien, sich gütlich zu einigen: Denn ein Verfahren durch alle Instanzen würde nicht nur sehr lange dauern, sondern auch sehr teuer werden, so die Richterin. Insolvenzverwalter Brinkmann erklärte, er schließe Gespräche über einen Vergleich nicht aus. Die beklagte Wirtschaftsprüfungsgesellschaft dagegen lehnte die Anregung zu einem Vergleich ab.

Gericht: Kritik am ersten Gutachten

MV Werften in Stralsund © NDR
Mittlerweile gehört die Stralsunder Werft zu den MV Werften der Genting-Gruppe aus Malaysia.

Im weiteren Verlauf der Verhandlung ging es dann um Termine und mögliche Pflichtverletzungen von KPMG. Außerdem machte die Zivilkammer deutlich, dass sie zumindest das erste Gutachten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG zur Sanierungsfähigkeit der Werften Ende 2010 für fehlerhaft hält. Die Kosten und Zinsen für Kredite seien nicht richtig dargestellt worden. Desweiteren ließ das Gericht erkennen, dass die Schadenersatzforderung des Insolvenzverwalters schwer durchsetzbar sein wird.

Gutachten als Stein des Anstoßes

Im Vorfeld des Prozesses machte Brinkmann deutlich, dass seiner Meinung nach KPMG Ende 2009 den schon damals angeschlagenen Werften in einem Gutachten die Sanierungsfähigkeit attestiert habe. Die Prüfer hätten demnach wider besseren Wissens an der positiven Sanierungsaussage festgehalten. Das Land Mecklenburg-Vorpommern als Hauptgläubiger hatte unter anderem wegen dieses Gutachtens Bürgschaften und Garantien in Höhe von mehr als 270 Millionen Euro übernommen.

Land wartet Prozessverlauf ab

Die damaligen Werften-Geschäftsführer hätten deshalb auf die bereits im Dezember 2009 angekündigten Insolvenzanträge verzichtet und die Werften bis zum Insolvenzantrag Ende August 2012 fortgeführt. In diesem Zeitraum soll die Überschuldung von 20 auf mehr als 500 Millionen Euro angewachsen sein. Das Land will zunächst den Prozessverlauf abwarten und später entscheiden, ob es mögliche Ansprüche gegenüber KPMG geltend macht.

Wie geht es weiter?

In der Verhandlung am Donnerstag ging es auch um viele technische Fragen, wie etwa welche Akteure zu welchem Zeitpunkt, was gewusst und gegebenenfalls nichts getan haben. Das Gericht ließ durchblicken, dass Vieles noch sehr unklar sei. Beiden Prozessparteien wurde vom Gericht aufgetragen, bis zum Sommer weitere umfangreiche Schriftsätze beizubringen. Bereits jetzt ist die Antragsakte rund 1.200 Seiten stark. Im Herbst dürfte der Streit dann in die nächste Runde gehen. Beobachter gehen davon aus, dass es nicht die letzte sein wird.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 02.03.2017 | 16:10 Uhr

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