Frisch gefangene Heringe liegen im Hafen von Freest in einer Fischkiste (Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns). © dpa-Bildfunk Foto: Stefan Sauer

Ostsee-Fangquoten: Mehr Dorsch, deutlich weniger Hering

Stand: 20.10.2020 16:10 Uhr

Deutsche Fischer müssen sich beim westlichen Hering erneut auf deutliche Einschnitte einstellen. Beim Dorsch gibt es hingegen ein leichtes Plus.

Deutsche Ostsee-Fischer dürfen im kommenden Jahr deutlich weniger Hering fangen, beim Dorsch gibt es ein leichtes Plus. Die EU-Fischereiminister haben in der Nacht zu Dienstag die Fangmengen für das kommende Jahr festgelegt. "Mit den Beschlüssen haben wir ein gutes Gleichgewicht gefunden", sagte Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU). "Die Fischbestände müssen sich erholen. Gleichzeitig ist es wichtig, auf Grundlage der wissenschaftlichen Daten eine nachhaltige Bewirtschaftung zu ermöglichen."

Mehr Dorschfang nur in westlicher Ostsee

Fischer in der westlichen Ostsee dürfen 2021 fünf Prozent mehr Dorsch fangen. Damit sind die Minister nicht dem Vorschlag der EU-Kommission gefolgt. Grundlage deren Empfehlung waren wissenschaftliche Gutachten, wonach der vor allem der Dorsch weiter sehr gefährdet sei. Die EU-Kommission hatte vorgeschlagen, dass die Fangmenge für Dorsch in der westlichen Ostsee nochmals um 11 Prozent sinken sollte, in der östlichen Ostsee sogar um 70 Prozent - der Empfehlung für die östliche Ostsee sind die Minister gefolgt.

Heringquote weiter reduziert

Beim für deutsche Fischer besonders wichtigen westlichen Hering sieht die Einigung der Minister eine Kürzung um 50 Prozent vor. Die Fangmenge war bereits für dieses Jahr um 65 Prozent reduziert worden. Ein leichtes Plus gibt es im kommenden Jahr bei der Fangquote für die Scholle (plus fünf Prozent) und die Sprotte (plus sechs Prozent).

Fischerei-Experte rechtfertigt niedrige Quote

Christopher Zimmermann, Experte beim Thünen-Institut für Ostseefischerei, sagte NDR 1 Radio MV, nach den Quoten-Beschlüssen sehe die Zukunft für die Küstenfischerei in Mecklenburg-Vorpommern "wirklich sehr düster" aus, man könne sie nicht auf Dauer am Leben erhalten. Die Quoten seien für die allermeisten Betriebe zu wenig, um davon leben zu können. Allerdings habe der Heringsbestand unter anderem wegen des Klimawandels seit inzwischen zehn Jahren immer weniger Nachwuchs produziert. Die Fangquoten seien in den letzten Jahren nicht rechtzeitig genug reduziert worden, um darauf zu reagieren. Laut der wissenschaftlichen Erkenntnisse müsse die Quote drei bis vier Jahre niedrig gehalten werden, damit der Bestand sich erholen kann. "Wir können nur das ernten, was die Natur uns zur Verfügung stellt", so Zimmermann.

Umweltschützer positiv überrascht

Ein Sprecher des Landesverbandes der Kutter- und Küstenfischer MV hatte schon vorab gesagt: für die Fischer seien die reduzierten Hering-Fangmengen "der nächste Nagel für den Sarg". Der WWF bewertete die Einigung weitgehend positiv. Die Balance aus Erholung der Fischbestände und Einkommenssicherung für die Fischer sei "überraschenderweise in weiten Teilen erreicht", sagte Stella Nemecky, Fischereipolitik-Expertin der Umweltschutzorganisation.

 

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 20.10.2020 | 05:30 Uhr

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