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Ostsee-Fangquoten: Backhaus kritisiert Ungleichbehandlung

Stand: 13.10.2021 05:22 Uhr

Fischer dürfen in der westlichen Ostsee vorerst keinen Dorsch und zumeist keinen Hering mehr gezielt fangen. Darauf haben sich die EU-Länder nach mehr als 24 Stunden Verhandlung am Dienstag geeinigt.

Fischer dürfen in der westlichen Ostsee vorerst keinen Dorsch und zumeist keinen Hering mehr gezielt fangen. Die EU-Länder einigten sich am Dienstag darauf, dass lediglich Beifang in Höhe von knapp 490 Tonnen Dorsch und 788 Tonnen Hering möglich sein soll. Vergangenes Jahr durften EU-weit noch 1.600 Tonnen westlicher Hering und 4.000 Tonnen westlicher Dorsch gefangen werden. Hintergrund der neuen Regeln sind besorgniserregende Entwicklungen vieler Fischbestände in der Ostsee.

Länder folgen Vorschlag der EU-Kommission

Damit folgen die Länder beim Hering dem Vorschlag der EU-Kommission, beim westlichen Dorsch übersteigt die Einigung den Vorschlag der Brüsseler Behörde um rund 165 Tonnen. Für Deutschland bedeutet das, dass 435 Tonnen westlicher Hering und 104 Tonnen westlicher Dorsch gefangen werden dürfen. In der Einigung findet sich eine Ausnahmegenehmigung für Fischerboote unter zwölf Meter, die mit "passivem Fanggerät", also etwa Stellnetzen weiterhin gezielt Heringe fischen dürfen, bestätigte eine Sprecherin des Bundesagrarministeriums. Bei Scholle und Sprotte, die auch von deutschen Fischern intensiv befischt werden, einigten sich die Fischereiminister auf leichte Steigerungen der Quote. Die erlaubte Fangmenge für Scholle beträgt 25 Prozent mehr, für Sprotte 13 Prozent mehr.

Backhaus verlangt Gleichbehandlung aller Fanggebiete

Schleswig-Holsteins Umwelt- und Landwirtschaftsministerium sieht die deutsche Ostseefischerei vor der größten Herausforderung ihrer Geschichte. "Ich mache mir große Sorgen um unsere Betriebe und ihre Familien im Land", sagte Umweltstaatssekretärin Dorit Kuhnt. Das Verbot der gezielten Fischerei sei aber notwendig, um den Beständen Erholungschancen zu eröffnen. Kritik kommt von Mecklenburg-Vorpommern Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD). Er hätte erwartet, dass die EU-Kommission erst im Dezember entscheidet und zwar im Sinne einer gemeinsamen Bewirtschaftung in allen Fanggebieten. Es würden immer wieder Zugeständnisse an Norwegen gemacht. Davon profitierten auch dänische und schwedische Fischer, die überwiegend mit größeren Kuttern fischten. Backhaus appellierte an die EU-Kommission, die kleine und handwerkliche Fischerei zu schützen.

Bundesministerin stimmt nicht zu

Auch Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) hatte vergeblich gefordert, dass über den westlichen Hering im Dezember entschieden werden sollte, weil dieser Bestand wandert und auch andere Länder von ihm fischen. Die Verhandlungen mit diesen Ländern finden erst Ende des Jahres statt. Klöckners Befürchtung ist demnach, dass eine strikte EU-Entscheidung für die Ostsee andere Länder zu einer höheren Fangmenge in anderen Meeren verleiten könnte. Die EU-Kommission habe "unterschiedliche Maßstäbe" an die Fanggebiete Ostsee und die nördlich gelegenen Gebiete Kattegat und Skagerrak anlegt, erklärte das Bundeslandwirtschaftsministerium. Es könne nicht sein, dass die deutsche Fischerei in der Ostsee massive Einschnitte hinzunehmen habe, aber auf der anderen Seite in nördlicheren Gewässern weiterhin gefischt werde, so Klöckner.

Küstenfischer sehen sich vor dem Aus

Die Küstenfischer entlang der Ostseeküste sehen nun das Aus für ihren Berufsstand gekommen. "Das heißt, dass es im nächsten Jahr keine Fischer mehr geben wird, hundertprozentig", sagte Uwe Krüger im Gespräch mit NDR 1 Radio MV. Ein Traditionshandwerk mit 500-jähriger Geschichte werde jetzt kaputtgemacht, so Krüger, der in sechster Generation Berufsfischer in Ahlbeck auf Usedom ist. Auch die Fischer, die sich etwa mit dem Verkauf von Fischbrötchen ein zweites Standbein aufgebaut haben, sehen kaum noch eine Chance für sich.

Greenpeace: Kollaps selbst herbeigeführt

Zahlreiche Organisationen für Umweltschutz kritisieren schon lange zu hohe Fangmengen. "Die Überfischung der vergangenen Jahrzehnte lässt nicht nur viele Bestände kollabieren, sondern die Fischerei gleich mit", kommentierte Thilo Maack, Meeresbiologe der Umweltschutzorganisation Greenpeace. Durch die viel zu hohen Fangquoten der vergangenen Jahre habe der EU-Fischereirat den Kollaps der Bestände selbst herbeigeführt. "Die Ostseefischerei stürzt sehenden Auges in den Abgrund", sagte Maack. "Dies alles passiert trotz der Kassandrarufe aus Wissenschaft und Nichtregierungsorganisationen. Besonders bitter ist die Entwicklung für die kleine, handwerkliche Küstenfischerei und Angler."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 13.10.2021 | 05:30 Uhr

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