Stand: 16.01.2020 15:00 Uhr  - NDR 1 Radio MV

Organspende: Kritik vom Rektor der Uni Rostock

Der Bundestag in Berlin hat neue Regeln für die Organspende beschlossen. Künftig soll die sogenannte erweiterte Entscheidungsregelung gelten. Alle Bürger werden demnach künftig regelmäßig gefragt, ob sie Spender sein wollen - beispielsweise bei der Ausstellung von Personalausweisen oder Führerscheinen.

Organspende: Das lange Warten auf eine Niere

Nordmagazin -

In MV warten 173 Patienten auf eine neue Niere. Die Entscheidungslösung ist eine Enttäuschung für alle, die auf ein Organ warten. Christian Grapatin ist einer von ihnen.

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Rektor Scharck unzufrieden mit Entscheidung

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Wolfgang Schareck hat vor seiner Zeit als Rektor in Rostock an mehreren Kliniken als Transplantationsmediziner gearbeitet.

In der Diskussion um die Neuregelung hatte sich im Vorfeld auch der Rektor der Universität Rostock, Wolfgang Schareck, für eine verpflichtende Entscheidung jedes Einzelnen ausgesprochen. Mit der nun beschlossenen Regelung ist Schareck nicht zufrieden. Zwar verstehe er die Bedenken, den freien Willen des Menschen nicht genügend zu beachten und darum der Widerspruchslösung nicht zuzustimmen. Aber seine Sorge gilt den Patientinnen und Patienten auf der Warteliste sowie der Situation des Organmangels in der Solidargemeinschaft in Europa, wo Deutschland nach wie vor ein Schlusslicht ist - im Gegensatz zu Ländern wie Spanien und Kroatien, wo sich die Widerspruchslösung längst durchgesetzt habe, wie er im Gespräch mit NDR 1 Radio MV erklärte.

Neue Regelung "schlechter als momentane Lösung"

Schareck hält die jetzt beschlossene Zustimmungslösung sogar für schlechter, als die momentane Regelung. Derzeit habe Deutschland eine Spendenbereitschaft von 75-80 Prozent in der Bevölkerung, 35 Prozent haben einen Organspendeausweis. Der Rostocker Professor befürchtet nun Verhältnisse wie zum Beispiel in den Niederlanden, wo sich nur 40 Prozent der Bevölkerung in ein Spende-Register haben eintragen lassen und folglich 60 Prozent der Bevölkerung nicht zum Organspenden bereit seien. Schareck hätte es begrüßt, wenn der Bundestag eine Pflicht zur widerrufbaren Entscheidung beschlossen hätte. Er wünsche sich, dass man bei diesem Thema von der Moralisierung wegkommen würde. Stattdessen könnte die Spendenbereitschaft so selbstverständlich vermerkt werden, wie das Geburtsdatum und die Wohnadresse, die auf dem Personalausweis eingetragen sind. Schareck hat vor seiner Zeit als Rektor in Rostock an mehreren Kliniken als Transplantationsmediziner gearbeitet.

Bundestag hat Spahn-Vorschlag abgelehnt

Der Bundestag hatte am Donnerstag über mögliche neue Regeln für Organspenden abgestimmt. Zur Wahl stand zum einen die Widerspruchslösung, laut der jeder Bürger ab 16 Jahren automatisch Organspender ist, der dem nicht widersprochen hat. Die jetzt beschlossene Regelung ist wie bisher eine notwendige persönliche Zustimmung, erweitert um eine regelmäßige Befragung der Bürger zu ihrer Spendenbereitschaft.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 16.01.2020 | 16:10 Uhr

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