Operationen abgesagt: Zu wenig Blut in den Kliniken

Stand: 15.07.2021 15:54 Uhr

Es gibt zu wenige Blutspenden im Land. An der Universitätsmedizin Rostock mussten am Donnerstag bereits nicht lebensnotwendige Operationen abgesagt werden, damit genügend Blut für Notfälle zur Verfügung steht.

An der Universitätsklinik Greifswald ist die Lage auch angespannt, Operationen mussten aber noch nicht verschoben werden, so eine Sprecherin. Laut Landesverband des DRK ist die Spendenbereitschaft in den vergangenen Wochen zwar wieder gestiegen, aber gerade im Sommer würden besonders Stammspender fehlen, die in den Urlaub fahren. Touristen gleichen diesen Verlust nicht aus - sie spenden in der Regel nicht am Ferienort.

Von der Hand in den Mund

Seit Jahren geht die Spendenbereitschaft zurück. Vor etwa 20 Jahren gab es noch etwa 120.000 Vollblutspenden im Jahr in Mecklenburg-Vorpommern, in den vergangenen Jahren waren es im Schnitt etwas mehr als 80.000. Die Kliniken verbrauchen diese Anzahl an Blutkonserven, so dass kein Vorrat aufgebaut werden kann.

Urlaubszeit: Gut 40 Prozent weniger Blutspenden

Nach Angaben des Landesverbandes des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) kommen landesweit derzeit täglich nur 200 Menschen zu den Blutspenden, normalerweise sind es 350. Das heißt, der Lagerbestand, der sonst für ein paar Tage ausreicht, um die Krankenhäuser zu versorgen, wird aktuell direkt verbraucht. Ein Grund für die Knappheit: Durch die Urlaubszeit sind viele Stammspender nicht im Land.

Entlohnung nicht in jedem Fall möglich

Menschen zur Blutspende mit Geld zu motivieren sei schwierig. Sprecher der Unimedizin und des DRK wiesen in diesem Zusammenhang darauf hin, dass es sich eben um eine Spende handle. Einrichtungen, bei denen man Blut spendet, dürfen damit nämlich keinen Gewinn machen. Die Kliniken und das DRK bekommen pro Konserve von der Kassenärtzlichen Vereinigung einen festen Betrag - etwa 100 Euro pro Konserve - und daran dürfen sie sich nicht bereichern. Das DRK, das zu den Menschen fährt und dadurch Fahrtkosten hat, kann dementsprechend die Spender nicht entlohnen. Die Unimedizin in Greifswald, die einen festen Standort hat, zu dem die Spender also von überall kommen müssen, kann dagegen eine kleine Aufwandsentschädigung in Höhe von 20 Euro geben, damit die Spender ihre Fahrtkosten decken können.

Lotto MV Mitarbeiter spenden Blut

Um mit gutem Beispiel voran zu gehen, haben die Mitarbeiter von Lotto Mecklenburg-Vorpommern eine Blutspendeaktion während der Arbeitszeit angeregt. Am Donnerstag waren sie in kleinen Gruppen in der Unimedizin Rostock Blut spenden. Eine Aktion, die andere Unternehmen zum Nachahmen anregen soll, heißt es.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 15.07.2021 | 15:00 Uhr

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