Stand: 27.06.2020 11:55 Uhr  - NDR 1 Radio MV

Offenbar mehr häusliche Gewalt in Corona-Krise

Zu Beginn der Corona-Krise hatten es Fachleute befürchtet: Einen Anstieg von häuslicher Gewalt und Missbrauch in den eigenen vier Wänden. Wenn Familien längere Zeit auf engem Raum, in einer Wohnung bleiben müssen und soziale Kontakte durch Schule, Kita sowie Freunde und Bekannte wegfallen - dann ist Stress programmiert.

VIDEO: Auswertung: Häusliche Gewalt im Land (5 Min)

Experten erwarten verspätete Anzeigen

Die Polizei sieht bislang noch keinen spürbaren Anstieg von häuslicher Gewalt, die Anzeichen für einen Anstieg mehren sich aber. Bis neue Daten in den Kriminalstatistiken zu finden sind, dauert es eine ganze Weile. Zudem sind sich Experten von Beratungsstellen und vom Kinderschutzbund sicher, dass Fälle von häuslicher Gewalt oft erst verspätet angezeigt werden. Vermutet wird auch eine hohe Dunkelziffer, weil nicht jeder Fall angezeigt wird, sagt Sarah Kesselberg von der Landeskoordinierungsstelle gegen häusliche Gewalt in Rostock.

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Mehr Anrufe bei Hilfetelefonen

Einen ersten Trend gibt es: Beim bundesweiten Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen" hat die Zahl der Nachfragen leicht zugenommen, es gab laut Bundesfamilienministerium in der Corona-Krise 17 Prozent mehr Nachfragen im Vergleich zu den Vorwochen. Die Zahl der Beratungskontakte ist aber im Vergleich zum Vorjahreszeitraum noch gleich geblieben. Beim Eltern-Stress-Telefon des Kinderschutz-Bundes in MV hatten zu "Hochzeiten" der Corona Krise drei bis vier Eltern pro Nachmittag angerufen, zuletzt waren es immer weniger. Inzwischen wurde das Telefon eingestellt. Auch hier ist eine große Dunkelziffer zu vermuten, denn nicht jeder, der zu Hause Stress hat, ruft auch nach Hilfe.

Hier finden Opfer häuslicher Gewalt Hilfe

CORA - Landeskoordinierungsstelle gegen häusliche und sexualisierte Gewalt


Gewalt gegen Frauen - bundesweites Hilfetelefon
(0800) 01 16 016 ( 24 Stunden am Tag besetzt)

Hilfenetz in MV (Frauenhäuser, Beratungsstellen, Interventionsstellen, Männer- und Gewaltberatung)
www.gewaltfrei-zuhause-in-mv.de

Opferambulanzen zur gerichtsverwertbaren Dokumentation nach Gewalttaten:
  • Bereich Rostock: (0381) 49 49 901, Rufbereitschaft (0172) 95 06 148, St.Georg-Str. 108, 18055 Rostock
  • Bereich Stralsund/Anklam/Neubrandenburg: (03834) 86 57 43, Rufbereitschaft (0172) 31 82 602, Kuhstraße 30, 17489 Greifswald
  • Bereich Schwerin: (0385) 73 26 80, Rufbereitschaft (0172) 95 06 148, Obotritenring 247, 19053 Schwerin

Landesweit fünf Interventionsstellen

Das Hilfenetz in Mecklenburg-Vorpommern ist recht dicht: Es gibt eine ganze Reihe von Beratungsstellen für Betroffene von häuslicher und sexualisierter Gewalt, auch im ländlichen Raum. Sie bieten Gespräche an, telefonisch oder bei einem Treffen. In akuten Krisensituationen helfen auch die Frauenhäuser. Und es gibt fünf Interventionsstellen gegen häusliche Gewalt und Stalking, dort sind die Fallzahlen schon in den vergangenen beiden Jahren gestiegen.

Auch Außenstehende können Hilfe holen

Adressen und Telefonnummern sind beispielsweise über die Landeskoordinierungsstelle (CORA) zu erfahren. Die Mitarbeiterinnen dort ermutigen alle Betroffenen, die sich mit dem Partner oder der häuslichen Situation nicht gut fühlen, sich Hilfe zu holen. Egal ob bei häuslicher oder psychischer Gewalt. Auch als Nachbar, Freundin oder Kollege kann man helfen und bei einer Beratungsstelle anrufen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 27.06.2020 | 12:00 Uhr

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