Der Rostocker Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen © NDR Foto: Martin Möller

Rostock Modell für Corona-Öffnungen? "Brauchen eine Strategie"

Stand: 17.02.2021 15:24 Uhr

In Gebieten Mecklenburg-Vorpommerns mit niedrigen Inzidenzzahlen könnte es testweise eher Lockerungen geben. Mit konkreten Umsetzungsvorschlägen bietet sich die Stadt Rostock dafür an. Für Oberbürgermeister Madsen ist klar: "Wir müssen einen Weg mit Corona finden."

Die Hansestadt Rostock soll nach dem Willen von Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen (parteilos) bei der schrittweisen Lockerung der Corona-Beschränkungen zu einer Modellstadt werden. "Wir möchten wissensbasiert einen neuen Weg gehen und es ermöglichen, dass Geschäfte wieder offen sind - auch dann, wenn die Zahlen wieder ein bisschen steigen", sagte Madsen dem NDR in Mecklenburg-Vorpommern. Es gehe darum, dass Menschen wieder einkaufen, ihrer Arbeit nachgehen und auch wieder mehr Freude haben können.

So soll es gehen: Digitale Erfassung, Terminvergabe, Stufenmodell

"Kultur, Sport, Vereine - alles Mögliche ist denkbar, wenn wir damit intelligent umgehen", sagte Madsen im Interview mit NDR Moderator Thilo Tautz. Konkret umsetzen will Madsen seine Pläne mit digitaler Erfassung, Terminvergabe und einem Stufenmodell, das allen Branchen gleichzeitig Öffnungen ermöglichen soll. So könnte in Geschäften beispielsweise ein Kunde pro Verkäufer zugelassen werden, nach vorheriger Terminvergabe. Bei Erreichen der nächsten Stufe seien dann zwei Kunden pro Verkäufer zulässig, dann drei und so weiter. "Wir können immer dagegen steuern, wenn wir sehen, dass die Infektionszahlen wieder steigen."

Kunden könnten sich per QR-Code auf dem Smartphone oder mit einem gesonderten Chip erfassen lassen. Der Einzelhandel würde entsprechende Auslesegeräte einsetzen und könnte so für vorab angemeldete Kunden öffnen. Die Stadt sei schon mit einem speziellen Anbieter im Gespräch, so Madsen. Ein solches Modell würde zugleich das Warten in Schlangen vor den Geschäften vermeiden, wie es jetzt bei teilweise bei Geschäften der Fall ist, wenn die Kunden auf einen freigewordenen Einkaufskorb warten müssen, ist sich Madsen sicher.

Einkaufstourismus soll vermieden werden

Dadurch würde auch ein Ansturm aus angrenzenden Regionen mit strikteren Corona-Restriktionen automatisch unterbunden. Die Idee sei mit dem Landkreis Rostock abgestimmt, sagte Madsen. So würden Menschen aus entfernteren Regionen vom "nur mal so Shoppen" abgehalten werden können. "Wenn man einen Termin braucht, um in einen Schuhladen zu kommen, bin ich mir ziemlich sicher, dass man aus Lübeck nicht nach Rostock fährt, um diesen Schuh zu kaufen."

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Skepsis im Einzelhandel

Die vom Einzelhandelsverband vorgebrachte Skepsis zu den Plänen sieht Madsen nicht als so schwerwiegende an, es nicht wenigstens zu versuchen. Denn es könne durchaus sein, dass das Virus bleibe. Dann könnten Geschäfte und Vereine nicht einfach monatelang geschlossen bleiben. Laut dem Verband treibe Geschäftsinhaber die Sorge, dass sie bei Öffnungen den Anspruch auf staatliche Hilfen verlieren könnten und am Ende möglicherweise Minus machen würden.

Kostenlose Tests an Schulen

Außerdem setzt der Oberbürgermeister auf permanente Corona-Tests zum Beispiel in Schulen. So sollen sich alle Schüler freiwillig bis Pfingsten zweimal pro Woche testen lassen können. "Auf diese Weise könnten wir sicher sagen, was passiert, wenn Schule, Handel, Sport oder Kultur wieder hochgefahren werden", so Madsen. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) hatte angekündigt, über die Pläne des Rostocker Oberbürgermeisters im Corona-Kabinett reden zu wollen. Rostock zeichnet sich seit Monaten durch eine vergleichsweise niedrige Sieben-Tage-Inzidenz aus, am Montag lag sie bei 20,1.

Verschiedene Faktoren begünstigten die niedrige Inzidenz in Rostock

Dafür werden mehrere Gründe angeführt. Neben der geografischen Randlage als Küstenstadt und einem vergleichsweise geringen Pendlerverkehr habe die Stadt auch früh auf besondere Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie gesetzt. So seien das Gesundheitsamt frühzeitig personell aufgestockt und schon im März Beschäftigte bei Feuerwehr, Polizei, Rettungsdiensten und Stadtverwaltung getestet worden, ohne dass die Betroffenen Symptome hatten. Es wurde außerdem früh eine Maskenpflicht im öffentlichen Raum eingeführt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 17.02.2021 | 16:10 Uhr

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