Stand: 05.02.2019 18:42 Uhr

Nun doch Kompaktkurs für Lehrer-Seiteneinsteiger

von Stefan Ludmann, NDR 1 Radio MV

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Lehrer-Seiteneinsteriger bekommen nun doch einen Kompkatkurs. (Archivbild)

Das Bildungsministerium in Schwerin bietet Seiteneinsteigern im Schuldienst in diesem Jahr nun doch einen grundlegenden Kompaktkurs an. Das kündigte Bildungsministerin Birgit Hesse (SPD) an. Sie reagiert damit offenbar auf Kritik von Experten und von betroffenen Neu-Lehrern. Sie wolle die Seiteneinsteiger "selbstverständlich unterstützen", erklärte Hesse. Immerhin gleiche der Seiteneinstieg an den Schulen "einem Sprung ins kalte Wasser". Deshalb werde es Anfang März Kompaktveranstaltungen für diejenigen geben, die erst nach Schulstart eingestellt worden seien. Das betrifft etwa 46 von rund 220 neuen Seiteneinsteigern. Die jetzt zugesagten Kurse sollen die neuen Lehrern fit für den Unterricht in Klassen machen.

Betroffene klagten: Wir werden "verheizt"

Die Ankündigung ist offenbar eine Kehrtwende und eine Reaktion auf eine Berichterstattung des NDR. Noch im vergangenen Dezember hatte das Ministerium den Betroffenen mitgeteilt, dass sie auf einen Kompaktkurs verzichten müssen. Betroffene beklagten daraufhin, sie würden "verheizt". Die Linksopposition erklärte, das Ministerium überfordere die Seiteneinsteiger, und Mitarbeiter der Bildungsverwaltung erklärten, Seiteneinsteiger bekämen nicht die Hilfe, die sie dringend benötigten.

Linksfraktion fordert grundsätzliches Umsteuern

Die Linksfraktion ist auch nach der Kehrtwende des Ministeriums nicht zufrieden und fordert ein grundlegendes Umsteuern. Hesse sei getrieben vom öffentlichen Druck. Seiteneinsteiger müssten eine pädagogische Ausbildung bekommen, so Fraktionschefin Simone OIdenburg, um am Ende Lehrer mit anerkanntem Berufsabschluss sein können. Am besten wäre - wie bei den Lehramtsstudenten - ein bis zu zweijähriges Referendariat. Freie Plätze für den sogenannten Vorbereitungsdienst gebe es genügend. "Vielleicht führt auch hier der öffentliche Druck zum Handeln statt abzutauchen", stichelte Oldenburg.

Ungewisse Zukunft im Schuldienst

Betroffene Lehrer im Seiteneinstieg beklagen unterdessen weiter eine ungewisse Zukunft im Schuldienst. Es gebe auch knapp fünf Jahre nach der ersten Einstellung von Seiteneinsteigern keine feste Studien- oder Weiterbildungsordnung in Mecklenburg-Vorpommern. Für die neuen Lehrer sei es oft völlig unklar, welche Voraussetzungen gelten, um eine sogenannte Lehrbefähigung und damit eine annähernde Gleichstellung mit ausgebildeten Lehrern zu bekommen.

Einige sollen die Anerkennung schon nach fünf, andere erst nach zehn Jahren bekommen. Was aber gelte, bleibe für die Betroffenen undurchsichtig. Mitarbeiter der Bildungsverwaltung berichten, viele Seiteneinsteiger seien äußerst engagiert und auch fähig. Ohne sie gäbe es massive Lücken in der Unterrichtsversorgung. Nach Angaben des Bildungsministeriums arbeiten an den staatlichen Schulen etwa 900 Seiteneinsteiger.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 05.02.2019 | 19:00 Uhr

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