Stand: 12.01.2018 17:56 Uhr

Nordkurier: Ver.di will Glawe als Vermittler

Bild vergrößern
60 Zusteller der Nordkurier-Mediengruppe in Neubrandenburg sind entlassen worden. (Archivbild)

Die Gewerkschaft ver.di hat im Streit um die geplanten Entlassungen von Nordkurier-Zustellern das Vermittlungsangebot der Landesregierung angenommen. Ein Sprecher der Gewerkschaft teilte mit, man akzeptiere Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) "bedenkenlos" als Vermittler.

Nordkurier äußert sich bislang nicht

Glawe hatte am Donnerstag nach einer Sitzung des Wirtschaftsausschusses mitgeteilt, er wolle beide Seiten an einen Tisch bringen - wenn das gewünscht sei. Der Minister hat sein Vermittlungsangebot am Freitag noch einmal schriftlich an die Nordkurier-Chefetage in Neubrandenburg geschickt. Die Unternehmensleitung hat bisher nach Angaben des Ministeriums nicht reagiert - auch wiederholte Anfragen des NDR zu Art und Umfang der Kündigungen lässt das Kommunikationsunternehmen unbeantwortet.

Gewerkschaft und Linke wollen Druck machen

Ver.di will den Druck auf den Nordkurier erhöhen und hat für kommenden Dienstag zu einer Protestkundgebung am Unternehmensstandort Neubrandenburg aufgerufen. Die Nordkurier-Mediengruppe müsse die Zusteller weiterbeschäftigen, lautet die Forderung. Auch Landespolitiker haben sich zu der Demonstration angesagt. Die Linksfraktion macht die Entlassungen zum Thema in der Januar-Sitzung des Landtags. 

Zustell-Mängel als Grund für Kündigungen?

Der Zustellbetrieb der Nordkurier-Mediengruppe in der Mecklenburgischen Schweiz will Ende Januar rund vollzeitbeschäftigte 60 Zeitungs- und Postausträger entlassen. Sie hatten zuvor versucht, einen Betriebsrat zu gründen. Ver.di sieht in den Kündigungen eine Reaktion auf die Bemühungen für eine Arbeitnehmervertretung. In den Entlassungsschreiben teilte das Unternehmen den Betroffenen mit, der Betrieb werde komplett stillgelegt. In internen Mails begründete Nordkurier-Geschäftsführer Lutz Schumacher die Entlassungen mit angeblichen "Qualitäts- und Organisationsmängeln" bei der Zustellung. Kunden hätten sich beschwert. Für Landtagsabgeordnete aus der Region um Teterow, Malchin und Stavenhagen erscheint das wenig glaubwürdig. Der Linksabgeordnete Peter Ritter erklärte ebenso wie sein CDU-Kollege Marc Reinhardt, die Zeitungs-Zustellung sei zuverlässig. Von SPD, CDU und Linken hieß es, sollte die Behauptung über Zustell-Mängel zutreffen, dann gebe es andere Mittel, als gleich den ganzen Betrieb dichtzumachen - beispielsweise Personalgespräche oder Abmahnungen.

Schumacher in der Vergangenheit für hartes Vorgehen bekannt

Etliche Nordkurier-Leser sehen das Geschäftsgebaren des Medienunternehmens offenbar kritisch. Sie drohen mit Abo-Kündigungen. Geschäftsführer und Chefredakteur Schumacher sah sich am Donnerstag per Rundmail noch einmal genötigt, seinen Mitarbeitern "kommunikative Argumente" für mögliche Streitgespräche mit Kunden zu geben. Darin stellte Schumacher die wirtschaftlichen Erfolge der Mediengruppe heraus, die Logistik sei "bundesweit einmalig". Es sei außerdem nicht wahr, dass in diesem Fall Arbeitnehmerrechte verhindert werden sollten. Offen bleibt in dem Schreiben, warum es in keinem der bisher sieben Zustell-Gesellschaften ein Betriebsrat gibt - dort sind laut neuesten Angaben "mehr als 1.000 Beschäftigte" unter Vertrag. Schumacher gilt in der Medien-Branche als kompromisslos. Bei einem früheren Engagement im westfälischen Münster wurde er für ein hartes Vorgehen gegen eine komplette Redaktion kritisiert.

.

Wirtschaftminister von Entlassungen überrascht

Nordmagazin -

In den Streit um die geplanten Entlassungen von Zustellern bei der Nordkurier-Mediengruppe schaltet sich die Landesgierung ein. Man sei überrascht gewesen, so Wirtschaftminister Glawe.

2 bei 4 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Weitere Informationen
mit Video

Glawe: "Die Mitarbeiter stehen vor dem Nichts"

Die Landesregierung schaltet sich in den Streit um die geplanten Zusteller-Entlassungen bei der Neubrandenburger Nordkurier-Mediengruppe ein. Wirtschaftsminister Glawe will vermitteln. mehr

mit Video

"Skandalös": Kritik an Nordkurier-Kündigungen

Die Nordkurier-Mediengruppe in Neubrandenburg steht nach der Entlassung von rund 60 Zeitungs- und Postzustellern in der Kritik. Die Gewerkschaft Ver.di spricht von einem "skandalösen Vorgang". (09.01.2018) mehr

Wegen Betriebsrat? Nordkurier entlässt Zusteller

Die Nordkurier-Mediengruppe in Neubrandenburg hat überraschend rund 60 Zeitungs- und Postzusteller entlassen. Die Mitarbeiter wollten nach NDR Informationen erstmals einen Betriebsrat gründen. (09.01.2018) mehr

mit Video

Zeitungszusteller kämpfen um den Mindestlohn

Bundesweit beklagen die Zeitungszusteller, dass die Verleger versuchen, sich um den Mindestlohn zu drücken. Wir haben eine Zeitungszustellerin aus Niedersachsen begleitet. (23.08.2017) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 13.01.2018 | 07:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern

05:29

Aktion: NDR 1 Radio MV hilft Vereinen

16.01.2018 19:30 Uhr
Nordmagazin
00:26

Weniger Bootsmotoren-Diebstähle

16.01.2018 19:30 Uhr
Nordmagazin
03:02

Sorge vor der Afrikanischen Schweinepest

16.01.2018 19:30 Uhr
Nordmagazin