Stand: 12.12.2019 16:10 Uhr  - NDR 1 Radio MV

Waffen bei Polizist: "Erschreckender Anblick"

Vor dem Landgericht Schwerin muss sich ein Polizist wegen illegalen Waffenbesitzes verantworten. (Archivbild)

Im Prozess gegen einen ehemaligen Elite-Polizisten am Landgericht Schwerin mit Kontakten zur mutmaßlich rechtsextremen Prepper-Szene haben Gutachter die Gefährlichkeit der bei ihm beschlagnahmten Waffen bewertet. Der suspendierte Beamte soll größere Mengen in seinem Haus gelagert haben. Bei der Durchsuchung seien bis zu 30 verschiedene Waffen gefunden worden, sagte ein Waffenexperte vom Landeskriminalamt (LKA) aus, der als Zeuge und Sachverständiger geladen war. Das Arsenal habe von Messern, Pistolen, Gewehren bis hin zu einer Maschinenpistole gereicht. "Der Anblick war erschreckend", so der Waffenexperte.

Zeuge: Etliche Waffen lagen offen in der Wohnung herum

Viele Waffen waren demnach schussbereit. Sie lagen laut der Aussage teilweise in unverschlossenen Schränken oder offen im Wohnzimmer herum und waren für jedermann zugänglich. Teile der insgesamt beschlagnahmten 55.000 Schuss Munition sind für den Privatbesitz verboten. Darunter waren mehr als 1.000 Schuss sogenannter Doppelkern-Geschosse für Sturmgewehre. Diese unterliegen dem Kriegswaffenkontrollgesetz und dürfen nur vom Militär verwendet werden.

Experten bezweifeln Aussage des Angeklagten

Der Angeklagte hatte ausgesagt, er habe Munition und Waffen ausschließlich für Schießübungen angeschafft. Das sehen Staatsanwaltschaft und Experten angesichts der umfangreichen Menge allerdings kritisch. Wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz drohen dem Angeklagten bis zu fünf Jahre Haft. Der Prozess soll nächste Woche zu Ende gehen. Die Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung sind für den 18. Dezember vorgesehen, das Urteil für den 19. Dezember.

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Ermittler: Maschinenpistole und Schnellfeuergewehre entdeckt

Der Polizist hatte zwar einen Waffenschein, aber laut Staatsanwaltschaft waren unter den beschlagnahmten Waffen auch eine Uzi-Maschinenpistole sowie mehrere Schnellfeuergewehre, deren Privatbesitz in Deutschland verboten ist. Die Maschinenpistole war 1993 bei der Bundeswehr gestohlen worden. Der Angeklagte gab an, sie am Rande einer Waffenbörse in den Jahren 2009 oder 2010 von einem Unbekannten gekauft zu haben. Der Gutachter erklärte, die sichergestellte Maschinenpistole sei voll funktionsfähig

Mitglied der "Nordkreuz"-Gruppe

Der Beschuldigte hatte zu Prozessbeginn bereits eingeräumt, Mitglied der sogenannten Nordkreuz-Gruppe zu sein, die von weiteren Polizisten und Bundeswehrangehörigen gegründet worden war. Die Gruppe wird von der Bundesanwaltschaft als teils rechtsextrem eingeschätzt, gegen mehrere Mitglieder wird ermittelt. Im Prozess wurden nun auch Chatprotokolle mit rechten Inhalten vorgestellt, die strafrechtlich relevant sein könnten.

Hitler-Geburtstagsglückwünsche im Chat

Dazu gehört unter anderem ein Bild, das der Angeklagte an einen Bekannten verschickte und das laut Staatsanwaltschaft wohl Wehrmachtssoldaten zeigt, die vermutlich auf vor ihnen liegende Opfer zielen. Darauf stehe "Asylantrag abgelehnt", hieß es. Ein anderes Bild, das der Angeklagte 2017 am 20. April - dem Geburtstag von Adolf Hitler - an einen Bekannten verschickte, zeigt Hitler, ein Hakenkreuz, brennende Kerzen und den Schriftzug "Happy Birthday".

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Angeklagter war Präzisionsschütze und Schießtrainer

Der Angeklagte ist seit 1999 im Landesdienst der Polizei, war seit 2004 im Spezialeinsatzkommando und unter anderem als Präzisionsschütze und Schießtrainer tätig. Er verfügte über Waffenbesitzkarten und konnte sich in diesem Zusammenhang legal Waffen und Munition beschaffen. Ende August 2017 waren bei Durchsuchungen im Zuge der Ermittlungen gegen den terrorverdächtigen Bundeswehroffizier Franco A. auf Liegenschaften des Angeklagten in Banzkow laut Staatsanwaltschaft 23.800 Schuss Munition sowie zahlreiche Waffen und Blendgranaten aus Beständen der Polizei und der Bundeswehr gefunden worden.

Erneuter Fund bei Durchsuchung im Juni 2019

Obwohl dem Polizisten danach die Waffenbesitzkarten entzogen wurden, fanden und beschlagnahmten Ermittler bei einer weiteren Durchsuchung im Juni 2019 erneut Waffen, Sprengkörper und rund 31.000 Schuss Munition.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 12.12.2019 | 16:00 Uhr

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