Menschen stehen vor dem Schweriner Schloss und halten Plakate.  Foto: Franziska Drewes

Nie wieder "Tierfabrik" Alt Tellin: Demo vor dem Schloss

Stand: 15.04.2021 14:53 Uhr

Nach dem Brand in der Schweinezuchtanlage in Alt Tellin und der Debatte im Landtag darüber, haben am Donnerstag rund 50 Tier- und Umweltschützer für mehr Tierwohl und gegen die industrielle Tierhaltung demonstriert.

Mehr als 55.000 Tiere verendeten Ende März bei dem Brand in der Anlage. Der Deutsche Tierschutzbund hatte den Protest mitorganisiert. Dessen Landesvorsitzende Kerstin Lenz forderte eine artgerechte Tierhaltung. Schweine sollten generell auf Stroh leben dürfen mit Auslauf. Zugleich sprach sie sich für verschärfte Brandschutzkonzepte für große Tierhaltungsanlagen aus.

Backhaus will Baugesetzbuch ändern und Brandschutz verbessern

Dies forderte auch der BUND. Dessen Landesgeschäftsführerin Corinna Cwielag sagte, der Brand habe gezeigt, es sei so gut wie unmöglich gewesen, Tiere von innen nach draußen zu retten. Die Staatsanwaltschaft ermittelt derzeit wegen des Verdachts der fahrlässigen Brandstiftung. Agrarminister Till Backhaus (SPD) kündigte an, dass die Anlage auf keinen Fall mehr in der ursprünglichen Größe aufgebaut werden soll. Er betonte, er werde noch in diesem Monat eine Bundesratsinitiative auf den Weg bringen, in Zusammenarbeit mit Brandenburg. Mit dem Ziel: das Baugesetzbuch zu ändern und damit den Brandschutz in großen Tierhaltungsanlagen zu verschärfen.

Backhaus spricht sich erneut für kleinere Ställe aus

Till Backhaus betonte erneut, dass er große industriell geführte Tieranlagen wie etwa in Alt Tellin ablehne. Kleinere Ställe mit weniger Tieren seien aus Gründen des Brand- und Seuchenschutzes wichtig, heißt es aus dem Landwirtschaftsministerium. Bereits gestern hatte sich Till Backhaus im Schweriner Landtag für eine umweltverträgliche und tierwohlgeprägte bäuerliche Landwirtschaft ausgesprochen. Ein Entwurf zur Bundesratsinitiative ist laut Agrarministerium bereits erarbeitet worden. Dieser muss nun im Landeskabinett besprochen werden. Einen Termin dafür gibt es noch nicht.

Bergung der toten Tiere dauert an

Noch immer müssen in Alt Tellin Tausende verendete Sauen und Ferkel geborgen werden. Viele Lkw fahren auf das Gelände, um Tierkadaver abzutransportieren, die zuvor von einer Fachfirma für Tierkörperbeseitigung aus den Überresten der riesigen Brandruine geborgen worden sind. Es riecht auch noch leicht verbrannt und nach Verwesung. Nach Auskunft eines leitendes Mitarbeiters nimmt die Bergung voraussichtlich noch mehrere Wochen in Anspruch.

Manche Kadaver mit Kunststoffteilen verschmolzen

Dabei wird in drei Kategorien unterschieden. Tiere, die beim Brand erstickt sind, werden zuerst abtransportiert. Diese Arbeiten könnten in Kürze voraussichtlich beendet werden. Danach kommen die verbrannten Kadaver an die Reihe, zum Schluss die Tiere, die durch die Hitze mit Kunststoffteilen der Ställe regelrecht verschmolzen sind. Diese gelten als Sondermüll und können nicht in einer Tierkörperbeseitungsanlage entsorgt werden, hieß es.

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Fraktionen: Vorfall darf sich nicht wiederholen

Im Landtag in Schwerin waren sich die Fraktionen einig, dass es ein weiteres Alt Tellin nicht geben dürfe. Die CDU-Politikerin Beate Schlupp machte sich für weitere Investitionsförderungen des Landes stark, um Tierhaltungsanlagen im Sinne des Tierwohls und des Klimaschutzes neu- oder umzubauen. Landwirtschaftsminister Backhaus betonte, er habe die Anlage in Alt Tellin nicht genehmigt. Schon jetzt stünde fest, dass die Anlage in Alt Tellin in dieser Form nicht wieder errichtet werde, so der SPD-Politiker. Zudem wolle er mit der Initiative eine Diskussion um Bestandsobergrenzen in der Tierhaltung anregen, um so Tierschutz- und Tierwohlstandards verbessern zu können.

AfD: Verschärfte Regeln führen zu Abwanderung ins Ausland

Die AfD warnte vor neuen verschärften Regelungen. Die würden lediglich die Produktion ins Ausland verlagern oder Fleisch unbezahlbar für Konsumenten machen. Die Linke bezeichnete den Brand in Alt Tellin als Fukushima für solche Tierfabriken in Deutschland. Daher gebe es nur eine Konsequenz - den Ausstieg. Bei dem Brand in der Schweinezuchtanlage waren mehr als 55.000 Sauen und Ferkel ums Leben gekommen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Mittagsschau kompakt | 15.04.2021 | 12:00 Uhr

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