Ein Kind hält ein Smartphone in Händen © picture alliance/Bildagentur-online

Neues Konzept in MV: Smartphone und Computer schon in der Kita

Stand: 02.02.2021 18:13 Uhr

Computer und Smartphone sollen in Mecklenburg-Vorpommern künftig schon im Kindergarten bei Kindern ab drei Jahren eine Rolle spielen. Der Kinderschutzbund sieht die Pläne kritisch.

Kita-Kinder in Mecklenburg-Vorpommern sollen mit dem Umgang mit Smartphone und Computer vertraut gemacht werden. Das geht aus der neuen Bildungskonzeption hervor, die das Sozialministerium am Dienstag vorlegte. Dazu ist das Kapitel "Medien und Digitale Bildung" gründlich überarbeitet worden. Kinder beobachteten heutzutage bereits in sehr jungem Alter, dass Smartphones und andere digitale Geräte für das Leben eine bedeutende Rolle spielten, heißt es in dem Papier.

Digitale Medien für Drei- bis Sechsjährige

Die Bildungskonzeption legt den Rahmen für die Bildungsarbeit der rund 1.120 Kitas und 900 Tageseltern in Mecklenburg-Vorpommern fest. Während für Kinder unter drei Jahren keine Beschäftigung mit digitalen Medien empfohlen wird, sieht das für die Drei- bis Sechsjährigen anders aus. Digitale Medien ermöglichten neue Erfahrungen, wenn Kinder diese nicht nur konsumierend, sondern als Werkzeuge nutzten, heißt es. So könne ein Tablet auf einem Waldspaziergang von den Kindern etwa als Lupe oder Mikroskop eingesetzt werden.

Weiterbildung für Kita-Erzieher geplant

Für ein selbstbestimmtes, mündiges Leben sei es wichtig, nicht mehr nur zu erfahren, wie sich ein Baum anfühlt oder Papier zerschnitten oder zerrissen werden kann und sich dadurch verändert. "Für Kinder macht es grundsätzlich keinen Unterschied, ob sie das Blatt mit der Schere zerschneiden oder digital einen Ausschnitt eines Bildes wählen." Erarbeiten und einüben müssten sie beide Techniken. "Es ist sinnvoll, sie gleichwertig nebeneinanderzustellen statt konkurrierend gegenüber", empfiehlt die Kita-Bildungskonzeption. Damit Kita-Erzieher den Kindern den Umgang mit Computer und Smartphone auch beibringen können, will das Land entsprechende Weiterbildungen anbieten.

Kritik vom Kinderschutzbund: Smartphones werden Oberhand gewinnen

"Die Kinder in dem Alter bekommen im familiären Umfeld passiv mit, dass es solche Geräte gibt. Deshalb halte ich es für sehr sinnvoll, dass sie in der Kita auch aktiv lernen, wie man damit umgeht", sagte Sozialministerin Stefanie Drese (SPD) NDR 1 Radio MV. Das sieht der Kinderschutzbund im Land kritisch. Landesgeschäftsführer Carsten Spies sagte: "Sind die Geräte erst einmal angeschafft, dann werden sie auch die Oberhand gewinnen. Davon bin ich fest überzeugt. Die Erwachsenen machen es tagtäglich vor."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 02.02.2021 | 18:00 Uhr

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