Stand: 18.08.2020 13:38 Uhr

Neubrandenburg: Erneut Enkeltrick verhindert

Eine Seniorin hält sich ein Telefon an ihr Ohr. © dpa Foto: Sebastian Gollnow/dpa
In Neubrandenburg hat es in den vergangenen Tagen mehrere Versuche von Trickbetrügereien gegeben. (Symbolbild)

In Mecklenburg-Vorpommern fallen ältere Menschen immer wieder auf Enkeltrick-Betrüger herein. Am Montag konnte eine Geldübergabe durch Zufall verhindert werden, weil eine 81-Jährige mit einer großen Geldsumme direkt zur Polizei gegangen war. Sie gab an, dass sie ihren Sohn aus der Haft freikaufen wolle. Eine Befragung ergab, dass eine falsche Schwiegertochter die Rentnerin angerufen hatte.

Polizei informiert echten Sohn

Die vermeintliche Schwiegertochter hatte vorgegeben, dass der Sohn der 81-Jährigen einen tödlichen Unfall verursacht habe und in Polizeigewahrsam sitze. Er könne aber gegen eine Zahlung von 18.000 Euro wieder freikommen, sofern die Rentnerin niemandem davon erzähle. Die Frau fuhr mit dem Taxi in die Innenstadt, hob 16.000 Euro von ihrem Ersparten ab und ließ sich zur Polizei fahren. In der Zwischenzeit hätten die Betrüger 16 Mal versucht, die Neubrandenburgerin auf dem Handy anzurufen, was diese wohl überhört hatte. Die Polizeibeamten riefen den echten Sohn an und übergaben ihm seine Mutter und deren Geld.

Polizei geht von hoher Dunkelziffer aus

Neben diesem Fall gab es noch vier weitere Anrufe dieser Art in Neubrandenburg und jeweils einen in der Feldberger Seenlandschaft und in Röbel. Die Polizei geht von einer weitaus höheren Dunkelziffer aus. Die Täter nutzten in allen sieben bekannten Fällen die gleiche Masche. Immer ging es um einen Familienangehörigen, der einen tödlichen Unfall verursacht haben soll.

Rentnerin aus Stralsund übergibt 40.000 Euro

Am Montag hatte eine Rentnerin aus Stralsund (Landkreis Vorpommern-Rügen) Bargeld und Schmuck im Wert von rund 40.000 Euro an Trickbetrüger verloren. Wie eine Polizeisprecherin sagte, hatte sich ein angeblicher Enkel telefonisch an die 87-Jährige gewandt. In diesem Fall habe der Anrufer behauptet, er habe einen Unfall, brauche dringend Geld und werde alles umgehend zurück überweisen. Die Frau habe zunächst nicht bei ihren Verwandten nachgefragt und Geld sowie Schmuck einem Boten übergeben. Erst später habe die Rentnerin Anzeige erstattet.

Mehr als 1.700 Fälle in 2019 angezeigt

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Seniorin beim Telefonieren, hinter ihr die Silhouette eines Mannes (Bildmontage) © picture-alliance / Sven Simon, Fotolia Foto: Sven Simon, ia_64

So wehren Sie sich gegen Enkeltrick und Co.

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In Mecklenburg-Vorpommern wurden im vergangenen Jahr mehr als 1.700 Fälle angezeigt, bei denen Betrüger sich als Liebhaber, Enkel oder Polizisten ausgaben. Fast jeder zehnte Betrugsversuch hatte nach Angaben des Landeskriminalamtes (LKA) Erfolg. Vor allem ältere Menschen waren demnach auf zumeist im Ausland organisierte Betrüger hereingefallen. 2019 wurden dabei dem LKA zufolge in 140 Fällen Opfer um Erspartes in Höhe von 1,3 Millionen Euro gebracht. Positiv sei dagegen, dass in mehr als 90 Prozent aller Fälle die Täter über einen Versuch nicht hinaus kamen, weil die Angerufenen den Betrug frühzeitig erkannten und sich nicht einschüchtern ließen, so eine LKA-Sprecherin. Mitunter griffen auch Angehörige, Taxifahrer oder Bankangestellte ein und konnten Schlimmeres verhindern.

Typische Maschen: Enkel, Gewinnspiel und Liebe

Beim häufig angewendeten Enkeltrick versuchen die Täter, dem Opfer ein Verwandschaftsverhältnis vorzutäuschen. Eine weitere gängige Masche ist der Gewinnspielbetrug. Für einen angeblichen Gewinn sollen erst einmal Gebühren ins Ausland überwiesen werden. Auch Liebesbetrüger seien nach wie vor unterwegs: Beim sogenannten Love Scamming, das für die Betrüger ziemlich aufwendig ist, wird zunächst geflirtet und stundenlang telefoniert, ehe es zu Geldforderungen kommt.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 18.08.2020 | 13:00 Uhr

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