Die letzte Getreidemühle Mecklenburg-Vorpommerns in Jarmen steht vor ihrer Schließung. © dpa Bildfunk Foto: Stefan Sauer

Neuanfang in Jarmen: Zwei Müller planen eine neue Mühle

Stand: 26.09.2020 11:23 Uhr

Im September 2020 wurde die Jarmener Mühle als letzte Getreidemühle in Mecklenburg-Vorpommern geschlossen. Zwei ehemalige Mitarbeiter führen nun Gespräche mit möglichen Investoren für einen Neubau.

von Susann Moll, NDR 1 Radio MV

113 Jahre lang wurde in Jarmen an der Peene Korn gemahlen, dann hat der Konzern GoodMills die Mühle geschlossen. Die Zukunft des historischen Wahrzeichens ist ungewiss. Ursprünglich wollten die beiden ehemaligen Mitarbeiter Maik Logall und Stephan Grabow die alte Mühle dem Konzern abkaufen und den Betrieb weiterführen. Das lehnt der Konzern jedoch ab. Das Mehl, das in Jarmen hergestellt wurde, trägt nun zur wirtschaftlichen Auslastung der Mühlen in Berlin und Hamburg bei, hieß es im vergangenen Jahr vom Unternehmen.

Die Nordland Mühle in Jarmen steht vor ihrer Schließung.

AUDIO: Folge 14 - Die Müller von Jarmen (34 Min)

Land gibt 50.000 Euro für die Planung

Die neue Mühle soll im Jarmener Gewerbegebiet direkt an der A20 gebaut werden. Die Kosten für das Projekt betragen gut 10 Millionen Euro. Eine Summe, die Logall und Grabow nicht allein stemmen können. Deshalb sind sie im Gespräch mit potenziellen Investoren. Die Landesregierung hat für die Planung außerdem 50.000 Euro aus dem Strategiefonds zur Verfügung gestellt.

Spezialitäten und Bio-Produkte im Angebot

Der Plan ist, in der neuen Mühle auf Spezialitäten zu setzen. Neben den klassischen Sorten wie Roggen und Weizen wollen sie auch Ursorten wie Emmer und Einkorn vermahlen. "Auch Bio-Produkte sind ein großer Faktor", sagt Logall, der seit knapp 20 Jahren als Müller arbeitet. Die beiden Müller rechnen mit etwa 20.000 Tonnen Getreide, die sie pro Jahr zu Mehlen und Schroten verarbeiten könnten.

Bäcker sind an Zusammenarbeit interessiert

Das Getreide würde dann von den Landwirten aus der Region rund um Jarmen kommen. Beispielsweise Carl Hesse aus Plötz kann sich vorstellen, bei Bedarf spezielle Sorten anzubauen. Und auch von Abnehmern gibt es bereits positive Signale. Die Bäcker in MV bedauern es sehr, dass sie kein regionales Mehl mehr bekommen, so ein Sprecher der Innung.

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Bürgerinitiative unterstützt Neugründung

"Einige könnten bestimmte Brote oder Brötchen nicht mehr anbieten, weil die speziellen Mehle fehlen", sagt Harry Erdmann. Er ist Mitglied der Bürgerinitiative "Rettet die Jarmener Mühle", die sich nach Bekanntwerden der Schließung der alten Mühle gegründet hatte. Die Bürgerinitiative hat gemeinsam mit der Innung den Bedarf bei den Bäckern abgefragt. Diese Daten können die beiden potenziellen neuen Mühlen-Betreiber in ihre Marktanalyse aufnehmen.

Die aktiven 20 Mitglieder rund um Erdmann haben es sich außerdem zur Aufgabe gemacht, über regionale Wertschöpfungsketten zu informieren. Am Ende sind die beiden Müller nämlich darauf angewiesen, dass die Menschen tatsächlich mehr Geld für Regionalität ausgeben. Denn mit den Preisen eines europaweit agierenden Konzerns wie Good Mills können sie nicht mithalten.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 21.08.2020 | 18:00 Uhr

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