Stand: 18.01.2018 14:41 Uhr

Namensstreit: Caffier attackiert Uni Greifswald

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Fürchtet eine "Kulturrevolution": Innenminister Caffier schaltet sich in den Namensstreit der Uni Greifswald ein.

In der Debatte um die Entscheidung der Universität Greifswald, auf den Namenszusatz Ernst-Moritz Arndt zu verzichten, wird der Ton schärfer: Innenminister Lorenz Caffier (CDU) hat den Senat der Universität Greifswald heftig attackiert. Der CDU-Politiker nannte die Entscheidung "das Ergebnis von linksgrüner Meinungsmache". Er sei enttäuscht und halte den Verzicht auf den Namen Ernst Moritz Arndt für grundfalsch, schreibt Caffier auf seiner Facebook-Seite. Hoffentlich, so der Minister, beginne jetzt keine "groß angelegte Namensbereinigungswelle oder gar Kulturrevolution". Arndt sei ein Schriftsteller und ein großer Freiheitskämpfer gewesen und - während der französischen Besatzung durch Napoleon - auch ein Befürworter eines vereinten Deutschlands.

Caffier vergleicht Arndt mit Martin Luther

Mit Blick auf die umstrittenen antisemitischen Äußerungen Arndts sagte Caffier, da werde nichts unter den Teppich gekehrt. Der Innenminister aber warnte davor, "zu überziehen". Sonst müssten auch die Namen von Martin Luther oder Richard Wagner aus der Öffentlichkeit verschwinden. Für ihn bleibe die Hochschule die Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald.

Beifall von der AfD

Beifall bekommt Caffier von der AfD, der Minister habe den Nagel auf den Kopf getroffen, so Fraktionschef Nikolaus Kramer. Ernst Moritz Arndt werde durch "grün-linke, volksfremde Ideologie zum Sündenbock gemacht", meinte der Oppositionsführer im Landtag. Alles, was nicht passe, werde abgeschafft. Das, so Kramer, sei das Demokratieverständnis der "linken Gutmenschen".

Linke geißelt "unwürdige Äußerungen" Caffiers

Der Hochschulexperte der Linken, Karsten Kolbe, nannte die Äußerungen Caffiers dagegen unakzeptabel, Das seien "Ausfälle, die eines stellvertretenden Ministerpräsidenten und Innenministers unwürdig sind". Caffier müsse sich für diese "verbalen Entgleisungen" entschuldigen. Immerhin sei die Entscheidung des Senats, den Namenszusatz abzulegen, demokratisch erfolgt. Die SPD-Landtagsfraktion verzichtete darauf, Caffiers Aussagen inhaltlich zu kommentieren. Sie reagierte aber mit einem ironischen Eintrag auf ihrer Facebook-Seite und formulierte eine nicht ernstgemeinte "Kulturrevolutionsumbennungsliste" für den "Herrn Innenminister". Aufgeführt wird dort neben dem "Führerschein" auch der "Bismarck-Hering" oder der ehemalige Raider-Schokoriegel "Twix".

Uni-Senat entscheidet sich für Namensänderung

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Die Universität Greifswald trug bisher den Zusatz "Ernst Moritz Arndt". Das ist nun Geschichte - wahrscheinlich.

Die Vorsitzende des Senats, Prof. Maria-Theresia Schafmeister, wollte die Äußerungen Caffiers auf Anfrage nicht kommentieren. Am Mittwoch hatte das Leitungsgremium der Universität mit großer Mehrheit beschlossen, die Hochschule der Hansestadt umzubenennen. Allerdings soll die Verwendung des Zusatzes Ernst-Moritz Arndt unter Bedingungen möglich sein. Die Hochschule sieht darin einen "Kompromiss" und ein Entgegenkommen in Richtung Gegner eines Namensverzichts.

1933 folgte der Namenszusatz für die Uni

Das Ablegen des Zusatzes sei nötig, weil der umstrittene Namenspatron die Darstellung der Universität als Ort fortschrittlicher Forschung erschwere. Der Senat sieht in Arndt einen nationalistischen, ausländerfeindlichen und antisemitischen Protagonisten, der für eine positives Traditionsbild nicht taugt. Schon in der Vergangenheit sammelte eine Kommission Argumente für einen Verzicht auf den Zusatznamen. Unter anderem wird darauf hingewiesen, dass die Nationalsozialisten der Universität 1933 dem Namen "übergestülpt" haben, um ihn für die eigenen politischen Ziele einzuspannen.

Kein Ende des Namensstreit in Sicht?

Die Entscheidung jetzt soll einen Schlusspunkt unter die langwierige Namens-Debatte setzen. Bereits vor einem Jahr hatte der Senat den Verzicht auf den Namenszusatz beschlossen, Aus formalen Gründen versagte Bildungsministerin Birgit Hesse (SPD) eine Genehmigung der neuen Grundordnung. Es folgten Meinungsumfragen und Satzungsänderungen an der Universität, um den zweiten Anlauf rechtssicher zu machen. Das Schweriner Bildungsministerium erklärte am Donnertag auf Anfrage, der Beschluss der Universität zur Namensänderung liege noch nicht vor. Man werde diesen prüfen und dann entscheiden, so ein Ministeriumssprecher. Wann die Entscheidung erfolgt, bleibt vorerst offen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 18.01.2018 | 13:00 Uhr

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