Mordversuch in Neubrandenburg: Ermittlungen gegen Polizisten

Stand: 13.10.2021 17:01 Uhr

Feuerwehr und Polizei haben am Montag in Neubrandenburg in einer brennenden Wohnung zwei schwer verletzte Frauen und ein Baby mit Rauchgasvergiftung gefunden. Der Tatverdächtige Polizist sitzt in Untersuchungshaft und verweigert laut Staatsanwaltschaft bisher jede Aussage.

Ein Polizist soll im Streit eine 69-jährige Frau und ihre Tochter misshandelt und die 33-Jährige in Brand gesetzt haben. Wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Neubrandenburg sagte, wurde der 56-Jährige Beamte in der Nacht zu Dienstag bei Rostock widerstandslos festgenommen. Das Amtsgericht Neubrandenburg erließ inzwischen Haftbefehl wegen versuchten Mordes und schwerer Körperverletzung gegen den mutmaßlichen Täter. Es soll sich laut Staatsanwaltschaft "im weitesten Sinne um eine Beziehungstat" handeln.

Frau in Brand gesteckt

Nach den bisherigen Ermittlungen war der Mann am Montag zur Wohnung der 69-jährigen Mutter seiner Bekannten in der Neubrandenburger Oststadt gefahren. Dort sei es zu einem Streit gekommen, in dessen Folge der 56-Jährige beide Frauen misshandelt haben soll, hieß es. Nach mehreren Schlägen habe er die 33-Jährige in Brand gesetzt und sei geflohen.

Nachbarn retten elf Monate altes Baby

Nachbarn hatten den Lärm gehört, das elf Monate alte Baby der 33-Jährigen aus der Wohnung geholt und Retter alarmiert. Die Feuerwehr habe den Brand im Flur der Wohnung schnell löschen können, hieß es. Die 69-jährige Mieterin und das Baby kamen verletzt in eine Klinik in Neubrandenburg. Die schwerer verletzte 33 Jahre alte Frau wurde in eine Brand-Spezialklinik nach Berlin gebracht. Sie soll aber nicht in Lebensgefahr schweben.

Indizien für "grausame Tötungsweise"

Bei beiden Frauen seien auch Verletzungen gefunden worden, die von stumpfer Gewalt herrührten, hieß es. Die Ermittlungen führten auf die Spur des 56-Jährigen. Der Haftantrag laute auf versuchten Mord, weil es "niedere Beweggründe" gab und es eine "grausame Tötungsweise" gewesen wäre, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Laut Staatsanwaltschaft ähnelten sich die Verletzungsbilder. Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Torsten Renz (CDU) zeigte sich fassungslos angesichts des Vorfalls, der einen Polizeibeamten betreffe. "Ich wünsche den verletzten Frauen schnelle Genesung", sagte Renz.

Gewerkschaft der Polizei verurteilt Tat

Nach Innenminister Renz hat auch die Gewerkschaft der Polizei GdP die Tat verurteilt. Mecklenburg-Vorpommerns GdP-Chef Christian Schumacher dazu in NDR MV Live: "Die Vorwürfe, die hier im Raum stehen, die können einfach nur betroffen machen. Und ich persönlich als Polizist, als Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei, empfinde einfach nur Scham, dass so ein Mensch, so ein Tatverdächtiger in den Reihen der Polizei gewesen ist."
Er äußert sich zudem besorgt darüber, dass Leute aufgestachelt werden könnten, die unter dem Deckmantel einer solchen Tat ihren Hass gegen die Polizei ausleben wollen. Das sei in den sozialen Medien bereits spürbar. Er verweist aber darauf, dass der große Teil der rund 6.000 Polizisten in MV rechtschaffend arbeite und lebe.

Laut Statistik des Innenministeriums laufen derzeit 156 Disziplinarverfahren gegen Polizisten und Polizistinnen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 12.10.2021 | 11:00 Uhr

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