Im ehemaligen "Kulturhaus Kurt Bürger" in Boizenburg suchen Cold-Case-Ermittler 24 Jahre nach einem Gewaltverbrechen nach Spuren. © Christoph Kümmritz Foto: Christoph Kümmritz

Mordfall in Boizenburg: Spurensuche nach 24 Jahren

Stand: 20.11.2021 14:29 Uhr

Kriminalisten der Polizei haben im ehemaligen Kulturhaus "Kurt Bürger" in Boizenburg (Kreis Ludwigslust-Parchim) nach Hinweisen in einem Mordfall gesucht. Die Beamten gehören zur Spezialeinheit "Cold Case Unit" und ermitteln in einem 24 Jahre zurückliegenden Fall.

von Christoph Kümmritz

Im ehemaligen "Kulturhaus Kurt Bürger" in Boizenburg suchen Cold-Case-Ermittler 24 Jahre nach einem Gewaltverbrechen nach Spuren. © Christoph Kümmritz Foto: Christoph Kümmritz
Cold-Case-Ermittler haben ein leer stehendes Gebäude in Boizenburg durchsucht.

Im Fall des 1997 getöteten Martin Drewes haben die Ermittler der Cold Case Unit die einstige Disko "Kulti" in Boizenburg untersucht. Auch 24 Jahre nach der Tat - und obwohl es in dem Gebäude in den vergangenen Jahren zweimal gebrannt hat - hoffen sie, noch verwertbare Beweisstücke oder Hinweise auf den Täter zu finden. Die noch junge Spezialeinheit des Rostocker Polizeipräsidiums ermittelt seit Monaten in dem Fall. Im Sommer waren die Ermittler an die Öffentlichkeit gegangen und hatten unter anderem im NDR Nordmagazin und in der ZDF-Sendung Aktenzeichen XY zu Hinweisen aufgerufen.

Dutzende Hinweise eingegangen

Auch fast ein Vierteljahrhundert nach der Tat hatten sich Dutzende Menschen bei der Polizei gemeldet und Hinweise gegeben. Daraus sind teilweise wiederum Spuren entstanden, denen jetzt nachgegangen wird. Vor allem auch über die Sozialen Medien, die es Ende der 1990er-Jahre noch nicht gab, haben sich etliche neue Ermittlungsansätze ergeben. In dem ehemaligen "Kulturhaus Kurt Bürger" suchen die Ermittler nach Gegenständen oder Beweismitteln, die mit dem Verbrechen an Martin Drewes im Zusammenhand stehen könnten. Bei zwei Bränden in dem Haus in den Jahren 2006 und 2008 sind die Räume, die für die Polizei relevant sind, nicht betroffen gewesen.

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Technisches Hilfswerk unterstützt Ermittlungen

Weil das Gebäude inzwischen mehr einer Ruine gleicht und in Teilen einsturzgefährdet ist, haben Ehrenamtliche des Technischen Hilfswerks (THW) die Durchsuchung unterstützt. Unter anderem aus dem Ortsverband Gadebusch haben ein Baufachberater und Techniker Decken und Treppen abgestützt. Außerdem wurden verschiedene Räume ausgeleuchtet. Der Eigentümer des Hauses, der das Gebäude erst nach dem Verschwinden von Martin Drewes gekauft hatte, unterstütze die Ermittlungen ebenfalls, so die Polizei.

Gut 20 ungeklärte Morde in Mecklenburg-Vorpommern

Zu 21 Fällen seit der Wende fehlen bis heute die Täter. Neue wissenschaftliche oder kriminaltechnische Möglichkeiten ermöglichen heute Spuren neu zu untersuchen. Sie können auch Jahrzehnte nach einem Kriminalfall noch zum Erfolg führen. Am 27. Oktober 1997 verschwand der 14-jährige Martin Drewes nach einem Schuldisco-Besuch. Im "Kulti", das kaum 100 Meter von seinem Wohnhaus entfernt lag, wurde er zuletzt gesehen. Fast zwei Wochen später wird sein Leichnam in einem Wald direkt an der B5 gefunden. Die Obduktion ergab, dass der 14-Jährige getötet wurde, aber bis heute ist unklar, wer den Jungen umgebracht hat. Der Mord an Martin Drewes verjährt nicht.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 20.11.2021 | 19:30 Uhr

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