Stand: 20.09.2020 11:43 Uhr

Mit der Drohne gegen Schädlinge und Waldbrände

Ein Borkenkäfer kriecht über eine befallene Fichte. © picture alliance/Matthias Hiekel/ZB/dpa Foto: Matthias Hiekel
Die Drohne der Stralsunder Entwickler könnte künftig helfen, Schädlinge wie den Borkenkäfer im Wald aufzuspüren und zu bekämpfen.

"Gemeinsam für den Wald" - das ist das Motto der Deutschen Waldtage, die heute zu Ende gehen. Oberstes Ziel von Veranstaltungen und Initativen ist es, den Wald zu retten, der infolge des Klimawandels leidet. Mit genau diesem Ansatz entwickeln junge Unternehmer aus Stralsund gerade eine Drohne für den Wald. "Pan" heißt die neue Entwicklung - sie soll ein Multikopter werden, also ein kleiner, autonom fliegender Hubschrauber, der selbständig verschiedene Kameras mit an Bord nimmt und trägt. Eine künstliche Intelligenz (KI) im Hintergrund verarbeitet das Bildmaterial für ein Monitoring des Waldes, sagt Entwickler William Will: "'Pan' kann mit Hilfe der Analyse des Baumes den Gesundheitszustand erkennen und gegebenenfalls die Mineralienzufuhr einschätzen. Er kann dabei darauf schließen, ob der Borkenkäfer den Baum befallen hat oder ob wir überhaupt einen Baumschädling haben."

Drohne: Daten sammeln, auswerten, Schlüsse ziehen

Das Gerät soll Wetterdaten wie Windrichtung und Windstärke auswerten und dem Waldbesitzer dann anzeigen, wohin sich der Schädling ausbreitet. Damit könnte sogar der großflächige Einsatz von Pestiziden im Wald verringert werden, sagt der 22-jährige Entwickler: "Unser System kann das Ganze dann erst mal auf eine Rodung schieben und kann die Rodung dann aber so minimieren, dass wir wirklich sagen können, der Ausschuss, der dabei entsteht ist, sind fast nur kranke Bäume. Wir haben dann auch eine bestimmte Prophylaxe, die unsere KI dann erkennt. Das heißt, unsere KI lernt mit der Zeit dazu, kann den Radius der zu rodenden Bäume immer weiter eingrenzen und kann immer konkreter werden. Damit können wir, wie gesagt, diesen Fehlschlag minimieren, dem Förster eine wirtschaftliche Attraktivität geben und gleichzeitig den Wald gesünder halten."

Multikopter könnte auch Waldbrände lokalisieren

Außerdem soll "Pan" aus der Luft schnell Waldbrände lokalisieren können und in einer weiteren Entwicklungsstufe auf der Basis von Klimadaten auch Pflanzempfehlungen geben. In spätestens zwei Jahren wollen die Entwickler um William Will das Gerät den Förstern im Land anbieten: "Wir suchen natürlich auch schon vorher Partner, die mit uns zusammenarbeiten wollen. Menschen, die einen Wald haben, die Lust haben auf die Digitalisierung ihres Waldes und solche, die uns evtl. auch mit ihrem Wissen unterstützen. Bei uns sitzt das technische Know How, für das forstwissenschaftliche sind wir auf andere angewiesen."

Entwickler: Mit Forschung nächste Hürde nehmen

Bis das Gerät abheben wird, müssen die IT-Spezialisten noch ihre größte Hürde überwinden: "Pan" soll autonom, also selbständig, fliegen und arbeiten können. Das ist momentan noch verboten. Die fehlende Rechtssicherheit könnte "Pan" im Rahmen eines Bundesforschungsprojektes erhalten, das sich mit der Digitalisierung im landwirtschaftlichen Bereich beschäftigt - so zumindest die Hoffnung der Entwickler.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 20.09.2020 | 12:00 Uhr

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