Stand: 12.12.2017 17:33 Uhr

Mit Paludi-Kulturen gegen Treibhausgase

Trockengelegte Moore geben Kohlendioxid ab. In Mecklenburg-Vorpommern geht ein Drittel aller CO2-Emissionen von diesen Gebieten aus. Sie umfassen immerhin 300.000 Hektar. Um den CO2-Ausstoß zu stoppen, müssten diese Moore wiedervernässt werden. Da aber nicht auf die Nutzung so großer Flächen verzichtet werden soll, müsse auf wiedervernässten Flächen auch eine landwirtschaftliche Nutzung möglich gemacht werden, hieß es am Dienstag bei einem Pressetermin in Schwerin, bei der ein Konzept gegen dieses Dilemma vorgestellt wurde: Paludi-Kulturen.

Die Idee: Schutz durch Nutzung

Der Begriff ist abgeleitet vom lateinischen Wort palus für Sumpf und Morast. Mit Paludi-Kultur ist die Bewirtschaftung von Moorflächen gemeint. Schutz durch Nutzung - das ist die Idee hinter der neuen Strategie im Nordosten, die Wasserwirte, Boden- und Naturschützer, Landwirte und Forscher zusammen entwickelt haben. "Momentan emittieren die Moore mehr CO2, als alle Windräder im Land einsparen", sagte der Moorexperte Hans Joosten von der Universität Greifswald. Intakte, nasse Moore würden dagegen Kohlenstoff speichern, so Joosten.

Schilf, Röhricht und Roterle könnten angebaut werden

Inzwischen sind laut Wissenschaftlern in Mecklenburg-Vorpommern rund 10.000 Hektar Moore wiedervernässt worden. Dies sei ein Meilenstein für die Artenvielfalt und weltweit gesehen absolut vorbildlich. Die nasse Landwirtschaft gebe viel her, so die Forscher: Futtergräser für Wasserbüffel zum Beispiel, heimisches Schilf für Reetdächer, Rohrkolben, um daraus Baustoffe zu machen und Roterle - ein Holz, das auf Terrassen und im Badezimmer gute Dienste leiste.

Suche nach geeigneten Flächen

Die Experten wollen nun als nächstes im Nordosten geeignete Flächen finden, die sich nass bewirtschaften lassen, sagte Christian Schröder vom Greifswald Moor Centrum: "Wir wissen im Prinzip, wie es geht - aber nur auf kleiner Fläche." Jetzt gelte es, das Konzept auf größeren Flächen auszuprobieren, "um dann den Landwirten auch sichere Lösungen an die Hand zu geben", so Schröder.

Ministerium denkt über Klimaschutzprämie nach

Noch ist nicht klar, wie Anreize geschaffen werden können, damit Bauern künftig auf nasse Landwirtschaft umstellen. Denkbar sei eine Art Klimaschutzprämie, so Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD): "Ich setze hier ausdrücklich auf das Freiwilligkeitsprinzip. Aber: Wenn die Landwirtschaft eine Leistung erbringt - öffentliches Geld für öffentliche Leistungen - nämlich Klimaschutz, Biodiversität, sauberes Grundwasser, dann soll es dafür auch eine Belohnung geben."
Eine Landesarbeitsgruppe soll die neue Moorschutz-Strategie voranbringen. Das Ziel ist klar: Null Emissionen bis 2050 - auch nicht aus Mooren. So steht es im Klimaabkommen von Paris.

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 12.12.2017 | 17:15 Uhr

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